Stellungnahme von Prof. Nieber und Prof. Süß mit unseren Kommentaren

 

Wir geben hier nur einige Auszüge aus den beiden Originaltexen von Prof. Nieber und Prof. Süß wieder, da es sich bei diesen beiden Stellungnahmen nicht um offizielle Dokumente handelt. Die Texte der beiden Professoren sind hier eingerückt, unsere Kommentare ganzzeilig wiedergegeben.

Potenzierung
Wir waren natürlich besonders gespannt darauf, zu erfahren, welche Argumente gegen unsere Feststellung angeführt wüden, daß homöopathische Hochpotenzen aus prinzipiellen Gründen nicht hergestellt werden können.

Nieber: Die von uns getesteten homöopathischen Zubereitungen wurden nach Vorschrift 5a des gültigen deutschen Homöopathischen Arzneibuches (HAB 2003) hergestellt. Das HAB ist neben dem Deutschen Arzneibuch (DAB) und dem Europäischen Arzneibuch (Ph.Eur.) ein verbindlich gültiges Regelwerk, wird von einer Expertenkommission erstellt und vom Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung (BMGS) herausgegeben. Die dort dargelegten Regelungen wurden von uns eingehalten.

Das ist doch wohl kein wissenschaftliches Argument. Wir haben nicht  bezweifelt, dass die Autoren nach den Vorschriften des HAB geschüttelt haben. Wir sehen keinen Anlass uns hier über die wissenschaftliche Kompetenz der damit befassten Institutionen oder Regierungsstellen zu äußern. Die Herausgabe solcher Regelwerke spiegelt eher die erfolgreiche Lobbyarbeit von Interessengruppen wieder, als den Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis.

Süß: Auf Seite 7 Ihres Kommentars postulieren Sie, dass es aus prinzipiellen Gründen nicht möglich sei, Belladonna-Lösungen D60 und D100 herzustellen. Ich denke, dass Sie Belladonna-Hochpotenzen meinen. Ihre unhaltbaren Formulierungen  mit der Tollkirsche im Bach usw. sollten Sie besser für sich behalten.

Das werden wir nicht tun, aber wir wollen Prof. Süß mit einem Angebot  entgegenkommen:
1.      Wenn Prof. Süß nachweist, dass unsere Überlegungen falsch sind, ziehen wir sie mit Bedauern zurück.
2.      Wenn  Prof. Süß diesen Nachweis nicht führen kann, aber mit einer logischen Argumentation nahe legt, dass unsere Argumentation nicht richtig sein kann, werden wir  sie überdenken.


Doppelblindversuch

Nieber: Die von Ihnen in Abbildung 7 gewählte Darstellung ist nach unserer Meinung nicht zulässig, da nur Werte der Einzelserien untereinander verglichen werden dürfen. Ein Vergleich der unterschiedlichen Testflaschen ist nur durch die Mittelwerte möglich.

Das ist unlogisch! Ausgegangen wurde von 2 Flaschen, die eine enthielt die Belladonn-Potenz (D100), die andere Wasser. Eine technische Assistentin hat die Lösungen auf je 4 Röhrchen verteilt und nummeriert. Es kann doch keine Zweifel darüber bestehen, dass die 4 Röhrchen mit der Belladonna-Potenz alle dieselbe Lösung enthielten. Gleiches trifft für die 4 Röhrchen mit den Vergleichsproben (Wasser) zu.

Erhöhung und Hemmung der Kontraktion

Wir hatten darauf hingewiesen, daß die abwechsende Erhöhung (bei D6) und Hemmung (bei D100) der Kontraktion nicht mit der homöopathischen Lehre übereinstimmt.

Nieber: Es ist seit langem bekannt (Wali 1987), dass Atropin in geringen Konzentrationen die ACh-induzierte Kontraktion an der glatten Muskulatur des Darmes steigert. Diese Befunde konnten wir mit unserem Testsystem reproduzieren.

Wir verstehen nicht, wieso Frau Prof. Nieber meint, sie habe diese Befunde in ihrem Testsystem reproduziert. Das Gegenteil ist der Fall. Die Zusammenfassung der Arbeit von Wali et.al. 1987 (die wichtigsten Textstelle haben wir hervorgehoben):

Acta Anaesthesiol Scand. 1987 Oct;31(7):587-92.
Atropine sulphate enhances neuromuscular transmission in the rat.
Wali FA, Suer AH, Dark CH, McAteer EJ, Tugwell AC.
Anaesthetics Units, London Hospital Medical College, Whitechapel, U.K.


"The effect of atropine (0.001-10 mumol.l-1) on neuromuscular transmission in the rat hemidiaphragm preparation was investigated by analysing its effects on directly and indirectly-elicited twitch, tetanic, post-tetanic twitch responses and on the phenomenon of post-tetanic twitch potentiation. The effect of atropine on contractions produced by endogenous acetylcholine (ACh) or exogenous ACh (added directly into organ bath containing muscle) was studied in rat ileum. The results showed that atropine in low concentrations (1 mumol.l-1 or less), enhanced the indirectly-elicited twitch, tetanic and post-tetanic twitch responses in the rat diaphragm preparation. The mean EC50 value of atropine-induced increase in twitch tension was 0.08 +/- 0.01 mumol.l-1 (mean +/- s.e. mean, n = 6). Atropine had little effect on directly-elicited twitch tension, but in high concentrations (10 mumol.l-1 or more), it reduced the directly, and indirectly-elicited twitch contractions and produced a neuromuscular block in the rat diaphragm preparation. Atropine increased the contraction produced, in rat ileum, by endogenous ACh, i.e. ACh released from the phrenic nerve stimulated at 50 Hz for 20 s duration (control contraction: 1.3 +/- 0.1 g, contraction in atropine: 1.7 +/- 0.2 g). In contrast, atropine significantly reduced the contraction produced by exogenous ACh in the same preparation (control contraction: 3.0 +/- 0.5 g, atropine: 2.0 +/- 0.1 g), suggesting that a different mechanism may be involved in the latter effect of atropine. It was concluded that atropine, in low concentration, enhanced neuromuscular transmission, possibly via a presynaptic mechanism. In high concentration, atropine may reduce and then block transmission, possibly via pre- and postsynaptic mechanisms."

Wali et.al. finden, im Gegensatz zu der obigen Behauptung von Frau Prof. Nieber eine Hemmung der Kontraktion, wenn, wie bei ihren eigenen Versuchen, ACh in die Nährlösung zugesetzt wird. Nur dann, wenn der Muskel elektrisch stimuliert wird und das von den Nerven produziert ACh (endogenous ACh) zur Stimulierung führt, wird eine Steigerung beobachtet.

Zur Frage, ob die Veröffentlichung sensationell sei.

Nieber:Unsere Arbeitsgruppe hat nicht die ersten Ergebnisse zur Wirkung von Belladonna-Hochpotenzen an isolierten glattmuskulären Präparaten der Ratte gezeigt. Deshalb sind sie auch nicht sensationell. Ich verweise an dieser Stelle auf die Publikation von Cristea et al., publiziert 1997 in M. Bastide (ed.), Signals and Images, Kluwer-Verlag.

Die Arbeit ist im Internet verfügbar:
http://www.entretiens-internationaux.mc/cristun.htm

Wenn Frau Nieber diese Arbeit so hoch bewertet, hätte sie ihre eigene Arbeit korrekterweise etwa wie folgt beginnen müssen:

"Cristea et. al. haben bereits 1997 gezeigt, dass... wir bestätigen hier diese Ergebnisse und zeigen außerdem, dass....".

Es ist unseriös, wenn andere Autoren, die vor der eigenen Publikation über gleiche oder ähnliche Versuche berichtet haben, nicht bereits in der Einführung entsprechend gewürdigt werden. Schmidt et. al. erweckten aber den Eindruck, dass ihre Arbeit grundsätzlich neu sei. Sie erwähnen diese Arbeit nur in einem Nebensatz, zwar im Inhalt korrekt, aber in der Bedeutung für die Untersuchung aus der Sicht der Autoren unangemessen. Es ist unerheblich, dass der Versuchsablauf bei Cristea et. al. etwas anders war. Die Belladonna-Verdünnungen wurden hier während des Peak-Maximums zugeben und der verkürzte Abfall gemessen.

Wir hatten von einer Besprechung dieser Arbeit abgesehen, weil die Veröffentlichung ebenfalls eine Falschmitteilung ist. Das geht beispielsweise daraus hervor, dass in einer Reihe von acht aufeinander folgenden Messwerten ein Ergebnis von 0,00% erzielt wird. Das ist mit dieser Methode auch unter den günstigsten Umständen nicht möglich. Wir fanden es komisch, wenn wir den Vorwurf erheben würden, dass in einer Falschmitteilung eine andere Falschmitteilung nicht richtig zitiert würde.

Es ist interessant, dass die Autoren nun gerade diese Arbeit hoch bewerten, und sie für geeignet halten der eigenen Veröffentlichung den sensationellen Charakter abzusprechen. Das ist Unsinn, denn das würde doch voraussetzen, dass die meisten Wissenschaftler und die Zuschauer bei den vielen Fernsehsendungen diese Arbeit kennen und die Nieber-Arbeit deshalb als etwas bereits Bekanntes einstufen.

Wenn die Autoren diese Arbeit ernsthaft ins Spiel bringen, dann ergeben sich eine Reihe von Fragen:

  1. Cristea et. Al. beschreiben, dass homöopathische Hochpotenzen von Belladonna alleine appliziert, ohne ACh, bereits zu einer Stimulierung der Muskeln führen, z.B. mit Belladonna C30 (entspricht D60) um 29% und mit C45 (entspricht D90) um 44%. Warum diskutieren die Autoren diese Beobachtung nicht, sie müssten doch ihre Versuche dramatisch beeinflussen und die von ihnen beschriebene Hemmung kompensieren?

  2. Die ACh-induzierte Kontraktion der Muskeln wird bei Cristea et.al. durch Belladonna dramatisch gesteigert, um 42%durch Belladonna C40 (entspricht D80) und um 67% durch Belladonna C45 (entspricht D90). Diese Beobachtung widerspricht der Veröffentlichung der Autoren. In diesem Bereich finden Schmidt et.al. doch gerade ihre sensationellen Hemmungen.

Warum diskutieren Schmidt et. al. in ihrer Veröffentlichung diese Widersprüche nicht?


Abbildung aus der Arbeit von Cristea et.al. Die Werte auf der x-Achse wurden in D-Potenzen umgerechnet (In der Originalarbeit waren die C-Potenzen aufgetragen).