Kommentar zu der Stellungnahme von Prof. Süß im Meißner Hahnemannzentrum am 13.02.06


Wir sind Prof. Süß für diesen Beitrag dankbar. Er hat uns aufgezeigt, dass wir umdenken müssen.  Nach der Pressemitteilung der Universität hatten wir den Eindruck, die ganze Angelegenheit habe sich damit erledigt. Die Arbeit sei zurückgezogen, die Veröffentlichung als falsch erkannt. Nun müssen wir aber feststellen, dass wir uns geirrt haben. Prof. Süß hält die Veröffentlichung nach wie vor für richtig und sieht sich durch die
Dissertation von Frau Radau bestätigt. Das ist bedauerlich. Wir sehen uns nun gezwungen unsere Aktivitäten wieder aufzunehmen.

Uns wird vorgeworfen, es gehe uns nicht um einen wissenschaftlichen Disput, "sondern um Polemik gegen die Homöopathie".

Dem muss entgegengehalten werden, dass die Veröffentlichung von Schmidt/Süß/Nieber nichts mit Homöopathie zu tun hat. Wie wir auf einer
Webseite ausführlich dargelegt haben, zeigten ausführliche Versuche mit mehreren hundert Probanden eindeutig, dass aus der Sicht der Homöopathie Belladonna-Hochpotenzen keine homöopathischen Heilmittel sind. Diese Versuche sind nicht von Gegnern der Homöopathie, sondern von deren Befürwortern durchgeführt worden. Homöopathen, die Belladonna-Hochpotenzen dennoch für wirksame Heilmittel halten, müssen zunächst diese Arbeiten widerlegen.

Es ist auffallend, dass Prof. Süß zwei wesentliche Ergebnisse der beiden Veröffentlichungen (Schmidt/Süß/Nieber und Radau) verschweigt, die in krassem Gegensatz zur Lehre der Homöopathie stehen:

  1. Die Wirkungsumkehr bei steigender Potenzierung.
  2. Die kurze Haltbarkeit homöopathischer Präparate.

Wir greifen ein paar Punkte der Stellungnahme von Prof. Süß auf:

Prof. Süß: "Gegen diese Arbeit wurden von den o.g. Wissenschaftlern folgende wesentliche Vorwürfe vorgebracht: - Falsche Fragestellung: Die Wirkungsweise homöopathischer Hochpotenzen soll nachgewiesen werden, aber es kann gar keine Hochpotenzen geben."

Das ist korrekt, diesen Vorwurf haben wir erhoben. Warum ergreift Prof. Süß nicht diese Gelegenheit, um unseren Vorwurf zu widerlegen? Wir haben diesen Vorwurf bereits vor ca. 15 Monaten erhoben. Bis heute ist uns kein Argument bekannt geworden, mit dem dieser  Vorwurf widerlegt werden könnte.

Prof. Süß: "Leider waren die Autoren nicht bereit, auf eine Stellungnahme der Leipziger Wissenschaftler (Nieber u. Süß) zu antworten bzw. eine Einladung nach Leipzig anzunehmen. Stattdessen beklagen sie mangelnde Kooperationsbereitschaft und angeblich verschwundene Originaldaten."

Folgendes ist falsch:

  1. Wir haben uns niemals über mangelnde Kooperationsbereitschaft beklagt. Was versteht Prof. Süß in diesem Zusammenhang unter Kooperation?
  2. Unsere mehrfach vorgebrachten Bitten um Daten und Informationen über die Versuche waren stets vergebens.
  3. Wir haben uns nicht über "verschwundenen Daten" beklagt. Wie hätten wir beurteilen sollen, ob irgendwelche Daten verschwunden sind? Wir haben aber wiederholt gebeten, uns Originaldaten zur Verfügung zu stellen. Die hat man uns verweigert.

Richtig ist, dass wir wiederholt vorgebrachte Einladungen nach Leipzig nicht angenommen haben. Über was hätten wir sprechen sollen? Es gab keinen Spielraum für einen Kompromiss. Wir wären Gefahr gelaufen, dass aus einem sachlichen Konflikt ein persönlicher würde. Das wollten wir auf jeden Fall vermeiden.

Prof. Süß: " Aufgrund des massiven Drucks auf die Universität Leipzig und Frau Prof. Nieber hat diese Ihren Anteil am Reckeweg-Preis zurückgegeben."

Es ist eine absurde Annahme, dass wir in der Lage gewesen wären, Druck auf die Universität Leipzig auszuüben, wenn unsere Argumente nicht zwingend gewesen wären. Ist Prof. Süß sich wohl bewusst, welche Behauptung er hier aufstellt? Er unterstellt den Amtsträgern seiner Universität, dass sie ohne Grund, nur um drei Herren im Ruhestand eine Gefallen zu tun, zwei Wissenschaftlern der Universität Leipzig völlig zu Unrecht eines wissenschaftlichen Fehlverhaltens beschuldigen

Prof. Süß: "In verschiedenen Gutachten wurde Frau Radau eine seriöse wissenschaftliche Arbeitsweise bestätigt. Zur Dissertation gehört ein Anhang, in dem sämtliche Messwerte und Ausgangsdaten festgehalten, somit nachvollziehbar sind. "

Falsch ist:
die Behauptung, im Anhang der  Dissertation seien sämtliche Messwerte und Ausgangsdaten festgehalten.

Richtig ist,
dass die Ausgangdaten, also die Originalregistrate in dem Anhang nicht enthalten sind, obwohl der Dekan uns mit seinem
Schreiben vom 13.02.05 mitgeteilt hatte, er habe veranlasst, dass sämtliche Originalregistrate in die Dissertation aufgenommen werden.  Keine einzige Versuchsreihe kann mit diesen Daten nachvollzogen werden.

Prof. Süß hat versäumt, darauf hinzuweisen, dass von den drei Gutachten zwei von ihm selbst und Prof. Nieber erstellt wurden. Bei dem dritten Gutachten von Prof. Daniels, Braunschweig, handelt es sich unserer Meinung nach um eine reines Gefälligkeitsgutachten.

Prof. Süß: "Diese Arbeit besteht zu ca. 2/3 aus einem materialwissenschaftlichen Teil ...." und ..."Zum materialwissenschaftlichen Teil der Arbeit bemerken die Kritiker, dass sie auf diesem Gebiet nicht kompetent sind und deshalb keinen Anlass haben, diesen Teil zu beanstanden."

Das ist korrekt. Wir haben diese Bewertung aufgenommen, um der Fakultät einen Hinweis für einen Kompromiss anzudeuten, wie man vielleicht aus der Dissertation eine neue Arbeit mit einer anderen Zielsetzung machen könnte. In der Tat hat Frau Radau in diesem Teil eine ganze Reihe sehr interessanter Methoden eingesetzt und auch die Auswertung und Besprechung in einer Weise durchgeführt, die in krassem Gegensatz zu der esoterischen Argumentation des zweiten Teils steht. Wie wir richtig geschrieben haben, sind wir für dieses Gebiet nicht kompetent und können uns kein Urteil darüber erlauben, ob es sich hier um Routinemethoden oder um methodisches Neuland handelt.

Prof. Süß: " Frau Radau konnte im pharmakologischen Teil der Arbeit den Nachweis der Wirksamkeit homöopathischer Hochpotenzen am in-vitro-Modell reproduzieren."

Das halten wir für falsch. Wir vermuten, dass diese Daten sich nicht aus den Originalregistraten herleiten lassen und halten diese Daten für manipuliert. Wir sehen uns in diesem Verdacht auch dadurch bestärkt, dass, wie erwähnt, die Originalregsitrate nicht in die Arbeit aufgenommen wurden.

Wir sind überzeugt, dass Frau Radau, ebenso wie den Professoren Süß und Nieber, wissenschaftliches Fehlverhalten vorzuwerfen ist.

 

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