Pseudowissenschaften an der Universität Leipzig

 

Kurzfassung für die Presse

von

Prof. Dr. rer. nat. G.W. Bruhn, Darmstadt
Prof. Dr. rer. nat. E. Wielandt, Stuttgart
PD Dr. rer. nat. Klaus Keck, Konstanz



Esoterische Forschungsergebnisse passieren alle Kontrollinstanzen der Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie

Der Ausgangspunkt: Messung "geistartiger Moleküle"1)


Prof. Nieber,
Prof. Süß und die Diplomandin Schmidt veröffentlichen eine Methode, mit der die "geistartigen Wesen", die nach Hahnemann, dem Begründer der Homöopathie, beim Verdünnen und Schütteln von homöopathischen Lösungen entstehen sollen, gemessen werden können. Für die Veröffentlichung erhalten sie den mit 10.000 Euro dotierten Hans-Heinrich-Reckeweg-Preis.

Die Universität teilt diese Ergebnisse in einer Pressemitteilung der Öffentlichkeit mit. >>

Die erwähnte Veröffentlichung der Autoren  ist eine Falschmitteilung. Eine kurze Darstellung der Veröffentlichung und unserer Kritik finden Sie hier  >>

1.) Die Bezeichnung "geistartige Moleküle" wurde von uns eingeführt. Sie gibt die Tatsache wieder, dass die "geistartigen Wesen", die Hahnemann erwähnt, hier mit Methoden gemessen werden, die für Moleküle spezifisch sind.


Die Selbstverantwortung der Wissenschaft versagt

Kein Naturwissenschaftler der Universität Leipzig sieht sich veranlasst gegen diese esoterische  "Forschung" an der Universität Leipzig Einspruch zu erheben, obwohl über diese Veröffentlichung auch  im Journal der Universität berichtet wurde und diese "Forschungsergebnisse" durch eine Reihe von Wissenschaftsmagazinen  im Fernsehen einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht wurden.  Jeder Naturwissenschaftler müsste in der Lage sein, auch ohne Kenntnis der Einzelheiten, diese Mitteilungen als Falschmitteilung zu erkennen.

Esoterische Diplomarbeiten

Die Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie akzeptierte, neben der Diplomarbeit von Frau Schmidt noch eine zweite pseudowissenschaftliche Diplomarbeit von Herrn Michael.

Dr. rer. nat. für eine esoterische Dissertation

Die oben erwähnte  "Methode" wird in der Dissertation von Dr. Radau  verwendet, um die Erzeugung der "geistartigen Moleküle" beim Verreiben mit festen Trägerstoffen zu messen und damit die Wirksamkeit von Herstellungsmethoden von homöopathischen Heilmitteln zu optimieren.>>

Die Dissertation passiert alle erforderlichen Kontrollinstanzen der Fakultät. Eine weitere Doktorarbeit über diese Problematik wird vermutlich zur Zeit angefertigt.


1. Hahnemann-Preis der Stadt Meißen

Prof. Süß und Dr. Radau erhalten den 1. Hahnemann-Preis der Stadt Meißen für ihre pseudowissenschaftlichen "Forschungsergebnisse", verliehen von dem Oberbürgermeister der Stadt Meißen, Olaf Raschke, und der sächsischen Gesundheitsministerin Helma Orosz.


Schreiben an die Dekane

Wir weisen die Dekane von vier Fakultäten auf diese pseudowissenschaftliche Forschung hin und  begründen ausführlich, warum wir diese Veröffentlichung für falsch halten. Wir äußern den Verdacht, dass wissenschaftliches Fehlverhalten vorliegen könnte. Drei der Dekane beantworten unsere Schreiben nicht.


Statt Aufklärung: Solidaritätsbekundung von dem Dekan der betroffenen Fakultät

Der Dekan der Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie, Prof. Eger,  beantwortet unser Schreiben. Seine Antwort liest sich wie eine Solidaritätsbekundung für die beiden Professoren. Auf unsere Argumentation geht er nicht ein.  Das lässt nur den Schluss zu, dass er die Veröffentlichung für richtig hält.

Schreiben an den Rektor

Zwei Schreiben, mit der Bitte, unsere Vorwürfe zu prüfen,  an den Rektor der Universität, der gleichzeitig Vorsitzender der Ständigen Kommission zur Aufklärung von Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens ist, bleiben unbeantwortet. Nur durch den Ombudsmann erfahren wir beiläufig, dass die Kommission interne und externe Gutachten in Auftrag gegeben hat. Durch einen von der Universitätsleitung in Auftrag gegebenen Leserbrief an die Zeitschrift Laborjournal erfahren wir, ebenfalls beiläufig, dass die Gutachten vorliegen.


Veröffentlichung zurückgezogen

Das erfahren wir nicht etwa von der Universität Leipzig, sondern zufällig durch einen Artikel in der Deutschen Apotheker Zeitung vom 03.11.05. Hier heißt es in einem Artikel über die Veröffentlichung:

"Mittlerweile haben die Autoren der Arbeit - nach einer Denkpause - Fehler bei der Versuchsdurchführung und Auswertung eingestanden. Insbesondere fehlten notwendige Kontrollversuche und nicht alle Daten wurden in die statistische Auswertung einbezogen. Die Mitteilung in der Zeitschrift Biologische Medizin wurde zurückgezogen,  der Preis zurückgegeben. Damit muss ein weiterer Versuch, die Wirkung  von homöopathischen Verdünnungen in vitro nachzuweisen, ad acta  gelegt werden."

Am 02.12.05 berichtet die Universität  in einer Pressemitteilung mit dem Titel "Pharmakologin räumt Fehler ein" über die Vorgänge. Eine abschließende "Sitzung der ständigen Kommission der Universität Leipzig zu Untersuchung von Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens" wird für Mitte Dezember angekünigt.


Das Besondere an diesem Fall

Dieser Fall ist (hoffentlich) einmalig in unserer Hochschullandschaft. Das Besondere daran ist, dass hier gleich zwei Hochschulprofessoren Ergebnisse veröffentlichen, die selbst von Laien als falsch erkannt werden können, denn wo keine Belladonna-Moleküle mehr drin sind, können auch keine gemessen werden. Das ist so trivial wie richtig.



Ablauf der Ereignisse aus unserer Sicht

Hier zeigen wir, wie die Universität Leipzig, unserer Einschätzung nach, hätte handeln können, um den Skandal auch nach Veröffentlichung der Pressemitteilung in Grenzen zu halten. >>

Unser Anliegen

Weshalb wir uns in diesem Fall engagiert haben, begründen wir hier: >>


Links:

Pressemitteilung der Universität: >>
Kurzfassung der Veröffentlichung und unsererer Kritik: >>
Kurze Chronologie unserer Bemühungen, die Universität Leipzig davon zu überzeugen, dass esoterische Forschung an einer Universität nicht etabliert werden sollte. Hier haben Sie auch Zugriff auf die Originaldokumente: >>
Unsere Hauptseite mit der Begründung, warum die Veröffentlichung eine Falschmitteilung ist:
www.xy44.de/belladonna

Kommentare dazu in der Presse:

"Die Zeit" 47/2005   >>
"Laborjournal" vom 11.10.2005 mit einem Leserbrief des Leiters der Pressestelle der Universität Leipzig  >>
"Skeptiker" 3/2005 >>
Deutsche Apotheker Zeitung vom 03.11.2005  >>
Pharmazeutische Zeitung online >>
Financial Times Deutschland >>


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