Pseudowissenschaften an der Universität Leipzig

 

 

Aus der Sicht der Homöopathen:

Belladonna-Hochpotenzen sind keine homöopathischen Heilmittel

Homöopathen ermitteln die Heilwirkung einer Substanz durch eine Arzneimittelprüfung. Dabei wird nach dem Prinzip "simila similibus curentur" geprüft, welche Symptome dieses Mittel bei gesunden Menschen hervorruft. Zur Zeit Hahnemanns wurden solche Prüfungen von einzelnen Personen durchgeführt. Dabei sind natürlich alle zufälligen Befindlichkeitsstörungen etc. in die Bewertung eingeflossen. Deshalb werden in letzter Zeit solche Prüfungen an Gruppen von Personen durchgeführt, um zu statistisch signifikanten Aussagen zu kommen. Solche Prüfungen mit Belladonna C30 (entspricht D60) sind von dem "Homöopathieforscher" Prof. Walach durchgeführt worden. Eine von ihm 1993 veröffentlichte Untersuchung führte nicht zu dem von Walach sicher bevorzugtem Ergebnis, sondern zeigte keinen signifikanten Unterschied zwischen der Belladonna- und der Placebo-Gruppe. Auch Goodyear konnte 1998 keine eindeutigen Unterschiede in der Beschreibung der Symptome zwischen der Verum- und Placebogruppe finden. Walach hatte wohl vermutet, dass eine neue umfangreichere Studie doch noch einen Effekt zeigen würde. Aber auch diese 2001 veröffentlichte Studie ergab wiederum keinen Anhaltspunkt für eine Belladonna-Wirkung. Schließlich hatten Brien et. al. 2003 in Kenntnis der Walach'schen Resultate diese Frage erneut untersucht und sind  zu dem gleichen Ergebnis gelangt. Um individuelle Wahrnehmungen auszuschließen wurden die Untersuchungen als Crossover-Studien durchgeführt: In der Mitte des Untersuchungszeitraumes wurden Verum- und Placebo-Präparate ausgetauscht.

Tabelle: Arzneimittelprüfungen von Belladonna C30 (entspricht D60). Die Übereinstimmung der Anzahl der Teilnehmer in Studie 1 und 2 ist zufällig.

Autoren Teilnehmer Ergebnis
Walach 1993 47 Belladonna=Placebo
Goodyear et.al. 1998 47 Belladonna=Placebo
Walach et.al. 2001 87 Belladonna=Placebo
Brian et.al. 2003 253 Belladonna=Placebo

Es muss hervorgehoben werden, dass es sich bei den Autoren um Anhänger der Homöopathie handelt, nicht um deren Kritiker. Es soll hier ausdrücklich anerkannt werden, dass diese Arbeitsgruppen ihre Untersuchungen veröffentlicht haben, obwohl die Ergebnisse sicher nicht Ihren Erwartungen entsprachen. Zusammenfassend lässt sich aus der Sicht der Homöopathie sagen: Belladonna Hochpotenzen sind überhaupt keine homöopathischen Arzneimittel.

 
Diese Untersuchungen waren Frau Nieber und Herrn Süß natürlich bekannt, denn Frau Nieber betont in Ihrer Entgegnung, dass sie mit Herrn Walach "intensive Gespräche" geführt habe. Wenn Frau Nieber und Herr Süß der Ansicht sind, dass die hier zitierten Arbeiten falsch seien, dann hätten sie diese doch in ihrer Arbeit zitieren und  begründen müssen, warum sie alle diese Arbeiten für falsch halten und trotz dieser überzeugenden Untersuchungen Belladonna-Hochpotenzen für homöopathisch wirksame Arzneimittel  halten.  Auch in der Dissertation von Frau Radau findet sich kein Hinweis auf diese Veröffentlichungen.
 

Zitate:

Walach. H.:Does a highly diluted homoeopathic drug act as a placebo in healthy volunteers? Experimental study of Belladonna 30C in double-blind crossover design--a pilot study.
J. Psychosom. Res. 1993 Dec;37(8):851-60.

Goodyear, K., Lewith, G. und Low, J.L.: Randomized double-blind placebo-controlled trial of homoeopathic 'proving' for Belladonna C30. J. R. Soc Med. 1998 Nov;91(11):579-82.

Walach, H., Köster, H., Henning, T. und Haag, G.: The effects of homeopathic belladonna 30CH in healthy volunteers -- a randomized, double-blind experiment., J.Psychosom. Res. 2001, 50, 155-160

Briean, S., Lewith, G. uns Bryant, T.:Ultramolecular homeopathy has no observable clinical effects. A randomized, double-blind, placebo-controlled proving trial of Belladonna 30C, Br. J. Clin. Pharmacol. 2003 Nov;56(5):562-8.

 

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