Die
falsche eidesstattliche wissenschaftliche Stellungnahme von Prof. De
Bruijn in einer besser lesbaren Form und hier
als Originaldokument. Die frühere "Nanopartikelanalyse" heißt jetzt "Stoffwechselfunktionstest".
Prof.
Dr. rer. nat.
Dr. med.
Christian
H. M. M. De Bruijn
Wissenschaftliche
Kurz-Stellungnahme
Vorbemerkungen:
Auf Wunsch der Geschäftsführung der INDAGO GmbH,
Leipzig,
gebe ich als einschlägig qualifizierter Wissenschaftler und
emeritierter Inhaber des Lehrstuhls für Biomedizin und
Gesundheitstechnologie der TU Eindhoven die folgende wissenschaftliche
Stellungnahme über das als "Nanopartikelanalyse" betitelte
Diagnoseverfahren der INDAGO ab.
Basis dieser
Stellungnahme ist das von der INDAGO mir zur Verfügung
gestellte
Material über das angewendete Verfahren und die dazu bisher
vorliegenden Studien, sowie mehrere Gespräche mit Herrn Dr. Gomez
als
leitendem Wissenschaftler der INDAGO, sowie meine eigenen Kenntnisse
und Recherchen. Gegenstand dieser Stellungnahme ist insbesondere die
Beantwortung der Fragen, ob
- das als
"Nanopartikelanalyse" betitelte Verfahren auf
anerkannten
wissenschaftlichen Grundlagen aufbaut und damit als wissenschaftlich
valide einzustufen ist, und
- sich das Verfahren zur
medizinischen Diagnostik eignet,
insb. Die Analyseergebnisse
einen diesbezüglichen Wert besitzen.
Mir ist
bekannt, dass die Geschäftsführung der INDAGO GmbH
diese
Stellungnahme in Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit diesem
Verfahren verwenden möchte. Auf Wunsch der INDAGO
habe ich
im Hinblick darauf auf die Darstellung der mir offengelegten
wissenschaftlichen Details des Verfahrens verzichtet, um den
diesbezüglichen Geschäftsgeheimnissen der INDAGO
Rechnung zu
tragen.
Wissenschaftliche
Grundlagen:
Zuallererst sollte eine mögliche Unklarheit zur verwendeten
Terminologie beseitigt werden, insbesondere der Begriff
"Nanopartikelanalyse". Viele Nicht-Eingeweihte assoziieren
mit
dem Begriff der Nanotechnologie submikroskopische Teilchen mit einer
gezielten Funktion. Darum geht es hier nicht. Insoweit ist der Begriff
der "Nanopartikelanalyse" etwas unscharf gewählt.
Hier wird mit hochmoderner Analytik (Prinzip: Lichtzerstreuung und
Laseroptik) ein ganzes Spektrum an Partikelgrößen
mit
Abmessungen zwischen einigen Nanometern und mehreren Tausend Nanometern
gemessen. Nur die größten Partikel dieses Spektrums
sind
dabei unter einem "normalen" Lichtmikroskop sichtbar. Die eingesetzten
optischen Analysegeräte gehören zur gängigen
Ausstattung
moderner Laboratorien.
Die Besonderheit des Verfahrens besteht in der Präparation der
zu
analysierenden Proben. Die auszuwertenden Partikel entstehen aufgrund
einer gezielten, standardisierten Methode. Diese basiert auf dem
Trocknen einer Vollblutprobe, gefolgt von einem genau definierten
Auflösungsschritt. Das dadurch entstehende Partikelgemisch,
besteht aus kleineren und größeren
Molekül-Konglomeraten aus Substanzen die im Blut zu finden
sind.
Ergebnis der technischen Analyse ist ein individuelles Partikelspektrum
der Blutprobe. Zum Zwecke der medizinischen Diagnostik wird das
gemessene Partikelspektrum einer biostatistischen Analyse unterworfen.
Ausgangspunkt einer bewertenden Aussage ist die Tatsache, dass das von
Substanzen im Blut eines gesunden Probenden abgeleitete
Partikel-Spektrum sich vom Spektrum eines kranken Probanden
unterscheidet.
Dabei muss einerseits die individuelle Variabilität des
Einzelnen,
die sich durch genetische Prädisposition und
Lebensgewohnheiten
ergibt ("im grünen Bereich"), ausreichend
berücksichtigt
werden. Dies ist mit entsprechendem biostatischem Aufwand zu
gewährleisten. Andererseits sind Abweichungen, die das
jeweilige
Maß der individuellen Abweichungen überschreiben,
ein
wissenschaftlich valider Indikator für mögliche
pathologische
Zustände ("Abweichungen im roten Bereich").
Eignung zur medizinischen
Diagnostik:
Die mit einer solchen Technologie erhaltenen Muster von
größeren und kleineren Partikelkomplexen, welche
unter
standardisierten und reproduzierbaren Konditionen aus Vollblut erzielt
und mit standardisierten analytischen Methoden
charakterisiert
werden, können einen wichtigen Beitrag zur
(Früh)Erkennung
von Abweichungen in den Körperprozessen leisten.
Falls es irgendwo im Körper abweichende Prozesse gibt (z.B. im
Rahmen eines bestimmten Krankheitsbildes), ist dies
regelmäßig aus Art und Menge der sich im Blut
befindenden
Substanzenersichtlich. In der klassischen Labormedizin werden solche
quantitativen und/oder qualitativen Veränderungen im Bezug auf
einen mehr oder weniger festgelegten Katalog von einzelnen,
spezifischen Parametern gemessen.
Veränderungen, welche im Zusammenhang mit bestimmten
abweichenden
oder krankmachenden Prozessen stehen, können aber auch anhand
anderer Methoden charakterisiert werden. Eine davon kann z.B. eine
Inventarisation des Gesamtspektrums der sich im Blut befindlichen
Substanzen sein. Dafür braucht man einen ausgedehnte Analytik
und
eine ausgefeilte Biostatistik, welche die Spektren im gesunden Zustand
mit denen in einem genau benannten, pathologischen Zustand vergleicht
und diagnostiziert. Diese neue Form der Bio-Analytik zielt ab auf die
möglichst umfassende und ganzheitliche Erfassung der Prozesse
in
den Organsystemen und im Körper insgesamt. Dieses Gebiet der
sog.
"Systems Biology" ist eines der sich am rasantesten entwickelnden
Gebiete in der Biowissenschaft.
Die Technologie der INDAGO GmbH repräsentiert eine erste Form
dieser "Systems Biology". Sie basiert auf einer Art der
Mustererkennung, welche nur möglich ist durch eine Kombination
reproduzierbarer und robuster analytischer verfahren,
ausführlicher Inventarisation von "normalen" und
"pathologischen"
Mustern und fundierter medizinischer Biostatistik.
Statt mit dem eingängigen Begriff "Nanopartikelanalyse"
könnte man diese Technologie auch komplexer titulieren als
"EDV-unterstützte Mustererkennung komplexer, gezielt
hervorgerufener biomolekularer Komplexe mit Größen
zwischen
einigen bis mehreren Tausend Nanometern, die aufgrund einer
medizinisch-biostatistischen Zuordnung eine relevante Aussage
über
den Gesundheitszustand eines untersuchten Probanden erlauben".
Nachteil dieses Verfahrens ist eine gewisse, systembedingte
Unschärfe der diagnostischen Aussagen, Vorteile sind ein
umfassender Überblick über mögliche Probleme
der
systemischen Zusammenhänge im Körper und damit
über
mögliche pathologische Zustände und die im
Verhältnis zu
konventioneller Labormedizin sehr geringen Kosten für
einen
umfassenden Überblick.
Erste Studienergebnisse zu dieser Methode liegen bereits vor. Eine
Studie (Universität Frankfurt, Institut Sportmedizin) weist
z.B.
hinsichtlich der Beziehung zwischen der klassischen
medizinisch-pathologischen Messung des Rhythmus der
Herzmuskelaktivität und bestimmten Partikel-Spektren auf eine
eindeutige Korrelation hin.
Auch zwischen der klassischen Laborbestimmung von
ernährungsintoleranz-assoziierten Immunglobulinen des Typs IgG
bei
Patienten mit dem Hyperaktivitätssyndrom und den für
dieses
gebiet relevanten Partikel-Spektren wurde eine deutliche Korrelation
festgestellt.
Damit steht fest, dass die INDAGO Technologie, auch wenn sie
sich
noch in einem relativ frühen Stadium der medizinischen
Anwendung
befindet, sehr wohl die Potenz in sich birgt, sich zu einem umfassend
aussagekräftigen Standard-Verfahren in der Bioanalytik zu
entwickeln. Wenn es gelingt ausreichend eindeutige und statistisch
gesicherte Profile zu etablieren, wird diese Technologie vor allem im
Hinblick auf die Erkennung von frühen Veränderungen
von
Substanzprofilen hinsichtlich chronisch degenerativer Erkrankungen eine
neue präventionsmedizinische Dimension bieten.
Zusammenfassung:
Die gegenständliche Methode basiert weitgehend auf
konventionellen
wissenschaftlichen Präparations- und Analyseverfahren und
einer
innovativen, umfassenden biostatistischen Auswertung. Sie eignet sich
gut für einen Überblick über
mögliche medizinische
Probleme, insbesondere bei indifferenten Krankheitsbildern und
systemischen Störungen der Prozesse im Körper.
Dafür ist es eine verhältnismäßig
einfache,
schnelle und sehr kosteneffektive Methode. Vorraussetzung ist ein
ausreichend fundierte biostatistische Datenbasis.
Im Hinblick auf die geplante Verwendung dieser Stellungnahme versichere
ich hiermit an Eides statt, dass diese Stellungnahme meine ehrliche,
höchstpersönliche Meinung und Einschätzung
als
Wissenschaftlern wiedergibt und sich dabei ausschließlich auf
die
mir vorliegenden mündlichen und schriftlichen Informationen
stützt.
Ahaus, den
14.08.06
Prof. Dr. Dr. De Bruijn