Der Stoffwechselfunktionstest der INDAGO GmbH
Früher "Nanopartikelanalyse"

 

Kurze Kritik der Indago-Methode in allgemeinverständlicher Form



Die Firma Indago, früher BMIB (Biomedizinisches Institut Bingen), vermarktet eine Diagnosemethode, die sie als "Nanopartikelanalyse" und jetzt als "Stoffwechselfunktionstest" bezeichnet. Mit dieser Methode soll es angeblich möglich sein, eine Vielzahl von medizinisch relevanten "Parametern" und "Funktionen" des Organismus gleichzeitig zu messen und den Krankheitszustand eines Patienten in einer bisher unbekannten Genauigkeit zu beurteilen.

Anmerkung: Die Bezeichnung "Nanopartkelanalyse“ darf von der Firma Indago seit 01.01.2008 nicht mehr benutzt werden. Die Indago hat sich in einer Unterlassungserklärung von 08.07 2007 gegenüber dem Verband Sozialer Wettbewerb e.V.  verpflichtet die "Nanopartikelanalyse“ nicht mehr zu bewerben. Sie bietet jetzt die Analyse unter der  Bezeichnung "Stoffwechselfunktionstest“ an. Hier wird, der Klarheit wegen, die alte Bezeichnung beibehalten.

Auf meinen Webseiten habe ich vier Kritikpunkte formuliert, die unabhängig voneinander beweisen, dass die Analyse nicht durchführbar ist. Im Folgenden habe ich eine verkürzte Darstellung meiner Kritik in allgemeinverständlicher Form zusammengefasst.


Der erste Schritt der "Nanopartikelanalyse"

Mit nicht zu überbietender Dreistigkeit beschreibt die Indago die Methode auf Ihrer Webseite (Diese Seite wurde kürzlich entfernt, deshalb hier nur als pdf-Datei):

"Im Labor werden die eingehenden Blutproben zunächst registriert. Im ersten Schritt, dem sog. thermischen Cracking wird die biologische Masse Blut in chemische Elemente gewandelt. Nach der Re-Suspension mit hochreinem Wasser und entsprechender Filtration entsteht eine Lösung mit Stoffen, die den Stoffwechsel des Organismus repräsentieren."

Jeder leidlich gebildete Laie wird in der Lage sein, zu erkennen, dass es nicht möglich ist, zuerst alle Substanzen einer Blutprobe zu zerstören, um anschließend in den chemischen Elementen, von denen die meisten als Gase entweichen (z.B. Sauerstoff, Wasserstoff, Stickstoff und Chlor), Stoffwechselprodukte zu identifizieren die vorher in der Probe enthalten waren und ihre Konzentrationen zu messen. Das bedarf keines weiteren Beweises - das ist eine offenkundige Tatsache. Es ist offensichtlich, dass die Firma nicht von qualifizierten Wissenschaftlern geleitet wird, sondern von Scharlatanen, die nicht einmal über die naturwissen­schaftlichen Grundkenntnisse verfügen, die normalerweise jeder in der Schule erwirbt.

Aus dem Gerichtsprotokoll einer Verhandlung vom 16.08.2006 vor dem Landgericht Leipzig geht eindeutig hervor, dass es sich bei diesem Text nicht etwa um eine missverständliche Formulierung handelt, sondern dass die vollständige Zerstörung der Blutsubstanzen angeblich der erste Schritt der Analyse ist. Aus dem Originaltext des Protokolls:

"Es handelt sich um einen rein physikalischen Prozess, in dem Blut denaturiert wird." (Seite 2, Absatz 6)
"Die Denaturierung erfolgt durch Wärme. Die Partikel, die entstehen, sind kleiner als Aminosäuren." (Seite 2, Absatz 8)

Eine "Denaturierung" ist eine Zerstörung der nativen Struktur der Blutsubstanzen. Eine Zerstörung von Substanzen in Teile die kleiner als Aminosäuren sind, bedeutet, dass unter diesen Bedingungen alle biologisch relevanten Moleküle zerstört werden. Die Zerlegung in chemische Elemente wurde hier noch nicht erwähnt. Diese Version der Beschreibung wurde offenbar erst später erfunden.


Fazit zu diesem Kritkpunkt

Es kann mit Sicherheit gesagt werden, dass diese Methode nicht nur keine brauchbaren Resultate liefert, sondern dass die Indago niemals eine solche "Nanopartikelanalyse" durchgeführt hat.



Die Ergebnisse der "Nanopartikelanalysen" bzw. des "Stoffwechselfunktionstests"

Eigentlich wäre es nicht nötig, sich mit dem Ergebnis der Analyse zu befassen, da sie ja offensichtlich nicht durchführbar ist. Ich gehe hier trotzdem auf diese angeblichen Ergebnisse ein, um zu zeigen, dass auch diejenigen, die ohne Kenntnis der Methode, nur die Befunde zu sehen bekommen, wie die meisten Mediziner und Patienten, eigentlich in der Lage sein müssten, zu erkennen, dass sie getäuscht wurden.
Ein Mediziner braucht meine Erläuterungen nicht - der Laie wird sicher in der Lage sein, meine Kritik nachzuvollziehen. Nach dieser kurzen Zusammenfassenden Kritik werde ich im Abschnitt "Ergänzungen" einige Punkte vertiefen, für diejenigen die sich dafür interessieren.

Im Folgenden ignoriere ich also die Tatsache, dass das thermische Cracking alle Blutbestandteile zerstören würde.


Was ist  auf der Webseite der Indago
angekündigt?

Indago-Text:

"Diese Vollblutuntersuchung ist ein Laborverfahren und basiert auf der Identifizierung von Konzentrationsveränderungen verschiedener Blutkomponenten mittels standardisierter Techniken. Sie soll dafür genutzt werden, um feine Verschiebungen im Stoffwechsel zu identifizieren.

Es bleibt ein Geheimnis der Indago, wie sie Veränderungen von Konzentrationen, wie auf der Webseite angekündigt, mit nur einer Probe erfassen will. Wenn Veränderungen von Konzentrationen gemessen werden sollen, muss man logischerweise zwei Blutproben die dem Patienten zu unterschiedlichen Zeitpunkten entnommen wurden, untersuchen. Nur dann kann man feststellen, ob sich in der Zeitspanne zwischen den Abnahmen beider Proben, Konzentrationen verändert haben.

Sollte die Indago aber damit zum Ausdruck bringen wollen, dass die in einer Blutprobe gemessenen Konzentrationen von Substanzen sich von den Durchschnittswerten gesunder Personen unterscheiden, dann zeigt sie, dass ihre Experten nicht einmal in der Lage sind das zu formulieren was sie meinen. Ich unterstelle mal, dass die Indago also als Vergleichswert die üblicherweise als Referenzbereiche bezeichneten Werte versteht. In diesem Bereich befinden sich 95 % der bei Gesunden gemessen Werte. Dr. Hübl hat diese Zusammenhänge auf seiner Webseite verständlich dargestellt.

Der Leser kann sich über die Referenzwerte von vielen Blutbestandteilen auf anderen Seiten von Dr. Hübl informieren. Offensichtlich streuen diese Referenzwerte so stark, dass es unmöglich ist, "feine Verschiebungen im Stoffwechsel" zu identifizieren.

Fasst man den nebulösen Satz der Indago verständlich zusammen, dann bedeutet er:
  1. Die Indago misst (oder behauptet es) Konzentrationen von Substanzen im Blut. Konzentration werden üblicherweise in der Medizin als mg pro Deziliter (mg/d) angegeben.
  2. Sie vergleicht diese Werte mit den entsprechenden Referenzbereichen.
  3. Solche Werte, die außerhalb der Referenzbereiche liegen, werden "identifiziert".
  4. Der Reaktionsschritt oder Stoffwechselzweig (eine Kette von einzelnen Reaktionsschritten), der für die "verschobenen" Konzentrationen verantwortlich ist, wird ebenfalls "identifiziert". 

Was erwartet der Arzt oder Patient von der Indago-Analyse?

Entsprechend der Ankündigung der Indago auf ihrer Webseite, erwartet der Arzt oder Patient eine Liste von identifizierten "Verschiebungen" des Stoffwechsels. Wie eine solche Liste aussehen könnte, habe ich hier gezeigt.

Dem Arzt müssen die  (angeblich) gemessenen Konzentration mitgeteilt werden. Nur er kann die im letzten Schritt vorgenommen Bewertungen vornehmen. Nur er kennt den Patienten und kann beurteilen, ob der Schluss auf eine Fehlfunktion im Stoffwechsel gerechtfertigt ist oder nicht. Möglicherweise ist ein Medikament, eine Hormontherapie oder eine familiäre Vorbelastung für diesen abweichenden Wert verantwortlich.


Was erhält der Arzt oder Patient mit der Befundmappe der Indago?

Eine Befundmappe der Indago kann hier eingesehen werden. Ein Bericht dieser Patientin ist hier wiedergegeben.

Im Titelblatt der Befundmappe  wird das Ergebnis als "qualitative Testung" bezeichnet. Dem widerspricht die Darstellung der Ergebnisse in den Graphiken. Hier werden Werte auf einer Skala von 0 bis 100 mitgeteilt. Den Fachmann macht schon die Einteilung der Skala stutzig, denn die Teilung erweckt den Eindruck, dass 100 Werte auf der Skala gebraucht würden. Da die Werte aber in Zehnerschritten wiedergegeben werden, hätte eine Skala von 0-10 ausgereicht. Welche Werte diese Zahlen wiedergeben sollen wird nicht mitgeteilt.

Die von der Indago angekündigten Messwerte für "Konzentrationsveränderungen" und "Verschiebungen im Stoffwechsel" suchen Arzt und Patient vergebens. Die Indago teilt nur mit, was sie als "Bewertung" ihrer Analyse bezeichnet. Kein Arzt darf diese, für ihn nicht nachvollziehbare Bewertung, als Grundlage für eine weitergehenden Diagnose oder Therapie verwenden.

Als Beispiel greife ich die Graphik heraus, welche angeblich die Ergebnisse einer  "Nanopartikelanalyse"  wiedergibt, die das Gefäßsystem betreffen.

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Abb. 1. Graphik aus der Befundmappe einer Patientin

Wie der Graphik zu entnehmen ist, wurden angeblich mit der "Nanopartikelanalyse" folgende Parameter "getestet", also gemessen: Arterielle und venöse Durchblutung, Blutviskosität und Transporteigenschaften des Blutes. Es ist nicht möglich, diese Ergebnisse mit irgendeiner Blutuntersuchung zu erhalten, aus folgenden Gründen:

Die Durchblutung ist eine physikalische Größe. Sie kann nicht durch Messung der Konzentration eines Blutbestandteils gemessen werden. Sie hängt beispielsweise vom Blutdruck und der lokalen Durchlässigkeit (Zusammenziehen oder Erweitern) der Gefäße ab. Selbst, wenn es möglich wäre, hätte eine solche Messung keinen diagnostischen Wert. Es  könnte nicht unterschieden werden, ob es sich um eine lebensbedrohliche Durchblutungsstörung beispielsweise der Herzkranzgefäße handelt oder um eine harmlosere Durchblutungsstörung, wie sie bei kalten Händen und Füßen vorliegt über die besonders häufig ältere Menschen klagen.

An diesem Bespiel wird auch deutlich, dass die Bewertungsskala der Indago unsinnig ist. Auch der Laie wird fragen, warum wohl ein höherer Wert für die Durchblutung schädlich sein soll, während ein Wert von 0 ohne Befund ist. Vertraut man der Bewertungsskala der Indago, dann müsste eine erhöhte Durchblutung zu höheren Werten führen, eine verminderte aber auch, da diese ja auch zu einer Abweichung vom Referenzwert führt. Der Arzt hat nun die Wahl, ob er einen Wert von 80 als zu hoch oder zu niedrig einstufen will.

Die Blutviskosität, das geht schon aus der Bezeichnung hervor, ist ein physikalischer Parameter. Auch dieser kann nicht durch die Messung der Konzentration einer Blutsubstanz bestimmt werden, sondern nur durch die physikalische Messung der Viskosität des Blutes. 

Völlig unsinnig ist die Feststellung der Indago, die Transporteigenschaften des Blutes seien beeinträchtigt. Blut transportiert eine große Vielzahl von Substanzen von einer Stelle der Körpers zu einer anderen, wie z.B. Sauerstoff, Kohlendioxid, Hormone, Abbauprodukte von Nahrungsmittel etc. Verschiedene Substanzen des Blutes sind für den Transport unterschiedlicher Substanzen verantwortlich. Beispielsweise das Hämoglobin für den Sauerstofftransport. Ein so komplexer Parameter wie das Wort "Transporteigenschaften" vermuten lässt, kann mit keiner Methode gemessen werden.

Schon diese eine Graphik müsste jeden Arzt davon Überzeugen, dass es sich bei dieser Analyse der Indago um Schwindel handeln muss.

Als weiteres Beispiel möchte ich auf die Graphik "b. Immunsystem" eingehen (Abb. 2)

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Abb. 2 Graphik aus der Befundmappe einer Patientin

Humorales und zelluläres Immunsystem: Das Immunsystem besteht aus sehr vielen verschiedenen Zellen, die im Blut und anderen Organen vorhanden sind. Seine Aufgabe ist es, fremde Substanzen, die in den Körper eindringen, zu erkennen und aus dem Körper zu entfernen. Einige dieser Zellen können in den Körper eindringende Organismen direkt angreifen, z.B. Killer-Zellen -  man spricht von einer zellulären Immunantwort. Andere Zellen produzieren Antikörper, die an die Organismen binden - eine humorale Immunantwort. Man kann nicht zwischen einem humoralem und einem zellulären Immunsystem unterscheiden. 

Bakterielle, virale, mykotische Belastung: Im Blut sollten weder Bakterien, noch Viren oder Pilze vorhanden sein. Eine Zuordnung zu den Werten 0-50 als "ohne Befund" wäre unsinnig. Wären z.B: Bakterien im Blut vorhanden, läge also eine Sepsis vor, so macht diese Aussage nur Sinn, wenn man feststellt, um welche Bakterien es sich handelt und welches Antibiotikum gegebenenfalls wirksam wäre.

Welchen Schluss könnte ein Arzt aus der Graphik ziehen, wenn die Indago ihm mitteilt, dass der Wert für "Humorales Immunsystem" 60 sei? Soll er das als eine zu hohe oder zu niedrige Konzentration von Immunglobulinen (Antikörpern) deuten? Welche Informationen man aus einer echten Messung der Immunglobuline ziehen kann, hat Dr. Hübl auf seiner Webseite gezeigt.

Katabolite: An einem Beispiel möchte ich zeigen,  auf welch simple Weise die "Indago-Forscher" festlegen, welche "Funktionen" oder "Parameter" für ihre Befundmappen geeignet sind. Als Beispiel nehme ich den "getesteten Parameter" "Interleukin-Katabolite".  Katabolite sind die einfacheren Moleküle, die entstehen, wenn Substanzen durch den Stoffwechsel abgebaut werden. Interleukine sind Botenstoffe der Zell-Zell-Interaktion. Sie spielen beispielsweise bei Entzündungen eine Rolle. Zur Zeit sind etwa 30 Interleukine bekannt.

Die Indago-Forscher haben vermutlich das Wort "Interleukine" irgendwo aufgeschnappt, ohne die Funktion und Zusammensetzung dieser Substanzen zu kennen. Da sie ihre Analysen den Patienten als "Stoffwechselanalyse" andienen wollen, haben sie einfach das Wort "Katabolite" an das Wort "Interleukine" gehängt und einen, in der Literatur unbekannten neuen Begriff kreiert. Nicht einmal Google kennt den String "Interleukin-Katabolite", während man für den Begriff "Interleukine" 167.000 Treffer findet.

Die Graphik weist noch die beiden anderen Katabolite aus, Immunglobulin-Katabolite und Fibrinogen-Katabolite. Auf der Graphik  "h. Stoffwechsel" wird die getestete Funktion "Eiweiß-Katabolite" aufgeführt, diesmal mit einem Wert von 90 – also ganz gefährlich!

Alle diese Substanzen sind Eiweißstoffe, also Proteine oder, wie die Interleukine, Peptide (kleine Proteine). Sie bestehen alle aus den gleichen Aminosäuren und werden zu den gleichen Aminosäuren abgebaut. Die Katabolite aller dieser Substanzen und weiterer etwa 1000 Proteine, die am Stoffwechsel beteiligt sind, sind identisch. Alle werden im Blut transportiert. Welche Aminosäuren einmal Bausteine von Interleukinen oder den anderen Substanzen waren, lässt sich nicht durch eine einfache Analyse feststellen. Es hätte auch keinen diagnostischen Wert, wenn man das messen könnte. Jeder Mediziner weiß das.

Obwohl die Indago behauptet, sie erstelle keine Diagnosen, ist in der hier wiedergegeben Befundmappe die tödliche Krankheit "Hepatorenales Syndrom" diagnostiziert worden. Eine Diagnose einer tödlichen Krankheit mit einer Überlebenserwartung von wenigen Wochen.

Hier habe ich noch einige zusätzliche Erläuterungen der Indago berücksichtigt, die der Patient mit der Befundmappe erhält.


Fazit

Jeder Mediziner ist in der Lage die Befundmappe der Indago als Schwindel zu entlarven. Jeder Laie, mit in der Schule erworbenen Grundkenntnissen der Naturwissenschaften, sollte meine Kritik nachvollziehen können.


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