Der Stoffwechselfunktionstest der INDAGO GmbH
Früher "Nanopartikelanalyse"

 

Der Indago-Skandal in Stichworten

Abgezockte Patienten - erfundene Diagnosen -1 Million Fördermittel für
Scharlatane - Leipziger Klüngel




Vorgeschichte - Wiesbach-Insitut

Luis I. Gomez und Haroon Ahmad,  geben sich als Forscher aus und gründen eine Firma mit dem Namen "Wiesbach-Institut für Angewandte Biomedizin GmbH" mit Firmensitz in Bingen. Vermutlich bis 2004.

Sie behaupten, sie hätten mit einem Ring von Universitäten und Arztpraxen in fast 16-jähriger Forschungsarbeit eine neue medizinische Diagnosemethode entwickelt, die sie "Analyse Metabolischer Strukturen" (AMS) nennen, und hätten diese mittels diverser Studien anhand von 85.000 Patienten evaluiert.

Diese Analyse dienen sie Ärzten als IGeL-Leistung an  >>. Jeder Arzt erkennt sofort, dass die AMS Schwindel ist. Vermutlich sind die Ärzte nicht auf die AMS reingefallen. Die Firma wurde  insolvent (Auskunft der IHK). Als Partner werden außer der Sporthochschule Köln unbekannte Institute aus der alternativen Szene angeführt.

Begriffserklärung: Die AMS, wie die noch zu erwähnende "Nanopartikelanalyse" und der "Stoffwechselfunktionstest" sind (angeblich) Analysemethoden mit denen Befunde erstellt werden, die von der Firma als Diagnosen interpretiert werden.



Neues Konzept - BMIB - Nanopartikelanalyse


Neue Firmennamen: BMIB -  arco - Indago

Gomez und Ahmad gründen zwei neue Firmen, das BMIB (Biomedizinisches Institut Bingen) und arcor biotech GmbH, Leipzig. Die letztere wahrscheinlich, um einen Firmensitz in Leipzig zu haben, damit sie an der vom Land Sachsen geförderten Ausbildung für Existenzgründer (futuresax) teilnehmen können. Die Firma heißt jetzt INDAGO GmbH, Leipzig. Sie erhielten einen futuresax-Preis für eine gute Geschäftsidee >>.  Offenbar haben die beiden einiges gelernt, denn sie gehen jetzt zielstrebiger vor:   


Neuer Name für die angebliche Analyse
Die Analyse erhält den besser klingender Namen: "Nanopartikelanalyse". Nanopartikel sind in aller Munde. Das Wort "Nanoparticle" führt bei Google zu über 1 Million Treffer - es klingt nach Hightech - auch wenn sich niemand unter einer Nanopartikelanalyse für medizinische Diagnosen etwas vorstellen kann. Auf welchem Niveau "Forschung" bei der Indago stattfindet, geht aus der aktuellen Beschreibung der Analyse hervor >>  und  >>:

"Im ersten Schritt, dem sog. thermischen Cracking wird die biologische Masse Blut in chemische Elemente gewandelt."

Auch dem Laien wird verständlich sein, dass eine Zerlegung des Blutes in seine chemischen Elemente alle Substanzen zerstört, die vorher in dem Blut vorhanden waren. Es ist sicher, dass die Firma niemals eine solche Analyse durchgeführt hat. Siehe dazu die kurze Darstellung auf meiner Webseite >>.

Anschein von Wissenschaftlichkeit
Um den Anschein von Wissenschaftlichkeit zu erwecken, spricht die Indago  von Universitäten als Forschungspartnern. Sie tritt als Sponsor auf z.B. an der Universität Frankfurt (Prof. Banzer), siehe meine Webseite dazu >>. Auf diese Weise sichert sie sich positive Stellungnahmen von Privatdozenten und Professoren

Strategische Überlegungen - neue Zielgruppen
Die Hauptzielgruppe unter den Patienten sind in erster Linie Kinder mit ADHS (Zappelphilipp-Krankheit). Etwa 5% aller Kinder sollen davon betroffen sein - ein riesiges Potential. Die Eltern stehen unter Druck, nicht nur wegen der nervenden Kinder, sondern auch wegen der Lehrer, die darauf drängen, den Kindern Medikamente zu verabreichen (z.B. Ritalin), damit sie den Unterricht nicht stören. Die genervten Eltern ergreifen jeden Strohhalm. Die übliche Diagnose der Indago lautet: Nahrungsmittelallergie. Um diese abzuklären, wird eine weitere Blutuntersuchung, eine IgG-Analyse, empfohlen. Diese wird von der Partner-Firma Evomed durchgeführt. Ralf Schierl ist Geschäftsführer in beiden Firmen. Allergologen warnen vor dieser Abzocke, siehe  >>.


Nanopartikelanalyse im Fernsehen
Ein Husarenstück der besonderen Art gelang Gomez im Februar 2006: Er erreichte, dass in dem Wissenschaftsmagazin "nano" des Senders 3sat ein verdeckter Werbefilm über die Nanopartikelanalyse ausgestrahlt wurde. Titel der Sendung: "Nanopartikelanalyse erkennt Krankheiten vor Ausbruch". Gomez zeigte hier Kristalle, die mit der Lupe erkennbar sind und sprach von Nanopartikeln, die nur mit dem Elektronenmikroskop sichtbar sind. Die Redakteurin, eine Biologin, die es besser wissen musste, erklärte dem Zuschauer, dass es Gomez gelungen sei, alle Substanzen des Blutes in Nanopartikel umzuwandeln. Die inzwischen gelöschte Webseite des Senders zu der Sendung siehe >>. Der Sender hat sich gegenüber dem Verband Sozialer Wettbewerb e.V. Berlin in einer Unterlassungserklärung verpflichtet, diese Webseite zu löschen. Meine Korrespondenz mit dem Sender ist hier einzusehen  >>.

Die "Organisation" - Das Nanopartikel-Kartell
Als Zielgruppen bei den "Therapeuten" sprechen Gomez und Ahmad nun bevorzugt Heilpraktiker und solche Mediziner an, die der alternativen Medizin nahe stehen. Es gelingt der Firma, mit Hilfe einer Ärztekammer eine zweitägige Tagung zu organisieren bei der 120 Ärzte, die mit der Nanopartikelanalyse arbeiten, angeblich zu AD(H)S-Spezialisten ausgebildet worden sein sollen. Für die Teilnahme wurden reichlich Fortbildungspunkte vergeben. Die Leitung der Tagung hatte Dr. Friedrichs, ein Privatdozent aus Heidelberg.

Auf diese Weise schafft sich die Firma eine Art Organisation von ca. 100 Ärzten und Heilpraktikern, zur gemeinsamen Ausbeutung von Patienten, die nicht nur Geld für eine nutzlose Diagnose verlieren, sondern eventuell auch gesundheitlich durch falsche Diagnosen geschädigt werden. Siehe dazu den Bericht einer
Patientin  >> und den Bericht eines Arztes, der an der Tagung teilgenommen hatte >>.

Noch einmal ein neuer Name für die Analyse
Der Verband Sozialer Wettbewerb e.V. Berlin hatte in einem gerichtlichem Verfahren >> erreicht, dass die Indago eine Unterlassungserklärung abgegeben hat, mit der sie sich verpflichtet,  nicht mehr für die "Nanopartikelanalyse" zu werben. Die Analyse wird jetzt als "Stofffwechselfunktionstest" vermarktet.

1 Million Fördergelder für Scharlatane
Den größten Erfolg konnte die Firma bei der Sparkasse Leipzig erzielen. Es gelang ihr, die Banker davon zu überzeugen, dass die "Nanopartikelanalyse" ein großes Zukunftspotential habe. Die Sparkasse Leipzig und die KfW stellten zusammen  ca.  1 Million Euro an Fördermitteln zur Verfügung und beteiligten sich an der Firma. Offensichtlich hat die Bank nicht geprüft, ob diese Analyse überhaupt durchführbar ist. Ich habe das auf einer Webseite >> ausführlich dargelegt.
   
Schreiben an die Sparkasse und die KfW
Bereits einige Wochen nach der erwähnten 3sat-Sendung hatte ich auf meinen Webseiten die Nanopatikelanalyse der Indago kritisiert und gezeigt, dass sie nicht durchführbar ist. Wenige Wochen nach Bekanntgabe der Beteiligung der Banken wurden diese von mir auf den Schwindel aufmerksam gemacht - ohne Erfolg. Eine ausführlich Darstellung meines Bemühens finden Sie in dem bereits oben angeführtem Link >>. Die BaFin erklärte sich für nicht zuständig.

Offener Brief an den Oberbürgermeister
Mit einem Offenen Brief >>  bat ich den Oberbürgermeister von Leipzig Burkhard Jung, als Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse, die Beteiligung der Sparkasse zu beenden. Eine Antwort habe ich nicht erhalten.   

Leipziger Klüngel
Meine Bemühungen, Bündnis 90 - die Grünen zu einer offiziellen Anfrage in dieser Sache zu bewegen schlugen fehl, wegen "strategischer Überlegungen" der Fraktion. Einzelheiten siehe meine Webseite >>.


Fazit


Meines Erachtens ist dieser Skandal nicht damit zu erklären, dass Personen an entscheidenden Positionen sich mit einer geschickt arrangierten und schwer zu durchschauenden "Geschäftsidee" täuschen ließen. Das Vorgehen der Scharlatane ist in hohem Maße dummdreist und für jeden mit gesundem Menschenverstand als Schwindel zu erkennen. Die von mehreren Beteiligten benutzte Ausrede, es lägen positive Gutachten von anerkannten Wissenschaftlern und Universitätsprofessoren vor (die natürlich geheim sind), ist unglaubhaft. Aber selbst, wenn dies der Fall sein sollte, ist das kein Grund für die an dem Skandal Beteiligten, den gesunden Menschenverstand auszuschalten.

Selbst ein gekaufter Universitätsprofessor wird sich hüten, zu bestätigen, dass man eine Blutanalyse durchführen könne, wenn man als ersten Schritt das Blut in die chemischen Elemente zerlegt. Aber er kann die Methode so umschreiben, dass ein  Laie den Eindruck gewinnt, er bestätige die Durchführbarkeit der Methode. Siehe das Gutachten von Prof. De Bruijn auf meiner Webseite >>.

Die Indago verlässt sich offenbar darauf , dass einflussreiche Personen verhindern werden, dass der Schwindel bekannt wird.

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