Der Stoffwechselfunktionstest SFT der INDAGO GmbH
Früher "Nanopartikelanalyse"

 

Beispiel einer Nanopartikelanalyse für einen Patienten


Die bevorzugte Zielgruppe des BMIB sind Kinder mit der Krankheit AD(H)S (Zappelphillipkrankheit), für die es noch keine befriedigende Behandlungsmethode gibt. Die oft verzweifelten Eltern dieser Kinder setzen ihre Hoffnung auf jedes noch so abwegige Therapieangebot und sind bereit auch erhebliche private Kosten in Kauf zu nehmen.

Der Sohn von Frau Schmidt (Namen geändert) leidet unter dieser Krankheit.  Alle Therapien waren bis jetzt unbefriedigend verlaufen. Als Frau Schmidt auf die neue Diagnosemethode "Nanopartikelanalyse" hingewiesen wurde, bemühte sie sich umgehend um einen Termin bei einem der Ärzte, die auf der "Therapeutenliste" des BMIB verzeichnet waren. (Diese Liste ist jetzt nicht mehr auf der BMIB-Webseite zugänglich, die "Therapeuten" müssen telefonisch erfragt werden.)

Der Arzt erklärte zunächst, dass Frau Schmidt eine Abbuchungsermächtigung für das BMIB unterschreiben müsse, bevor eine Nanopartikelanalyse in Auftrag gegeben werden könne. Den Betrag, der später abgebucht werden würde, konnte er nicht nennen. Er betonte ferner, dass die Kosten sowohl seiner eigenen Bemühungen wie die für die Nanopartikelanalyse privat bezahlt werden müssten.

Der Arzt entnahm dem Sohn eine Blutprobe, die Frau Schmidt selbst zur Post bringen musste. Die Blutprobe wurde bei dem damals herrschenden heißen Wetterbedingungen ohne Kühlverpackung versandt.

Erst nach dem dritten Telefongespräch erfuhren die Schmidts, dass die Nanopartikelanalyse  EUR. 196.- kosten soll. Die Schmidts widerriefen den Auftrag am 04.05.06 und erhielten am 05.05.06 eine E-Mail von Herrn Ahmad (BMIB), in der dieser auf der Durchführung der Analyse und Abbuchung der Kosten vom Konto der Schmidts bestand. Laut Rechnung vom 31.05.06 wurde die Analyse am 08.05.06 durchgeführt, also vier Tage, nachdem die Schmidts den Auftrag widerrufen hatten.

rechnung

Abb. 1 Ausschnitt aus der Rechnung des BMIB, der Name des Arztes wurde entfernt.

Die Rechnung des BMIB (Ausschnitt siehe Abb. 1) führt im Kopf des Beschreibungstextes eine "Nanopartikelanalyse" an. Aus den aufgelisteten einzelnen  Positionen geht aber eindeutig hervor, dass keine Analysen durchgeführt wurden, welche die Bezeichnung "Nanopartikelanalyse" auch nur im Entferntesten rechtfertigen würden. Wie bereits erwähnt, sind Nanopartikel zu klein, um im Lichtmikroskop erkannt zu werden

Alle aufgelisteten Positionen werden als "Mikroskop. Analyse des Dehydrierungsproduktes" bezeichnet. Eine angeblich analoge Analyse der Gebührenordnung wird für die Rechnung herangezogen. Welche Analysen hat das BMIB nun wirklich durchgeführt? Eine Dehydrierung ist eine Entwässerung.  Vermutlich hat man Blut auf Objektträger (kleine Glasscheibchen für mikroskopische Untersuchungen) aufgetragen und eintrocknen lassen. Normalerweise wird das als Blutausstrich bezeichnet. Auf dem Objektträger können unter dem Mikroskop die Blutzellen, z.B. Erythrozyten und Leukozyten gesehen werden. Ein Beispiel eines Blutausstrichs finden Sie hier.

Nach den in der Bundesrepublik geltenden Regeln für Rechnungsstellungen muss aus der Rechnung erkennbar sein, welche Leistung erbracht wurde. Aus dieser Rechung ist nur erkennbar, dass Blutproben eingetrocknet und unter dem Mikroskop betrachtet wurden. Dieselbe Prozedur wurde insgesamt 21 mal wiederholt und unter drei verschiedenen Ziffern aufgelistet. Aus dieser Rechnung kann weder der Laie noch der Fachmann erkennen, welche Analysen angeblich durchgeführt wurden.

Eine Rechnung für einen anderen Patienten enthält noch einen erläuternden Text, siehe Abb. 2.

rech2


Abb. 2 Ausschnitt aus einer anderen Rechnung für eine Nanopartikelanalyse, diesmal für das BMIB erstellt von der Privatärztlichen Verrechnungsstelle Limburg/Lahn GmbH.

Hier ist die Rede von einem "biochemischen Laborverfahren" und von "gezielter Isolation von Molekülen".  Wie sollen denn durch eine mikroskopische Analyse von eingetrocknetem Blut Moleküle gezielt isoliert werden? Man gewinnt den Eindruck, dass hier wahllos medizinische Begriffe aneinandergereiht wurden, um den Laien zu beeindrucken.

Die "Laborergebnisse" der Analysen wurden den Schmidts in Form einer farbigen Broschüre zugeschickt. Die angeblich gemessenen "Funktionen bzw. Parameter" wurden in verschiedenen Gruppen zusammengfasst:

a. Neurotransmitter
b. Nervensystem
c. Verdauungstrakt
d. Gefäßsystem
e. Immunsystem
f. Stoffwechsel (Eiweiße, Fette, Kohlenhydrate)
g. Spezifische Vitalstoffe (ADS)

Innerhalb dieser Gruppen wurden angeblich mehrere "Funktionen" getestet, siehe z.B. Abb. 3.


Verdauung

Abb. 3 Ausschnitt aus dem Befundbericht

Ich erspare es mir, diese unsinnigen Werte zu diskutieren. Wie dem Ergebnisbericht zu entnehmen ist, wurden angeblich 36 einzelne "Funktionen" bzw. "Parameter" gemessen. Es ist evident, dass es nicht möglich ist, diese Werte durch mikroskopische Analysen von eingetrocknetem Blut zu messen. Die Werte sind vermutlich frei erfunden.

Weil Frau Schmidt die Anfahrt zu dem Therapeuten zu weit war, versuchte Sie einen Arzt in ihrer näheren Umgebung zu finden, der eine Behandlung des Kindes aufgrund der BMIB-Diagnose durchführen könnte. Drei von den Schmidts konsultierte Ärzte haben das abgelehnt, mit der Begründung, die Diagnose sei unseriös und mit dem Befund könne ein Arzt nichts anfangen.

Frau Schmidt hatte bei dem "Therapeuten" nur vorgesprochen, um eine Nanopartikelanalyse machen zu lassen. Es ist auffallend, dass in der privaten Rechnung des Arztes das Wort "Nanopartikelanalyse" nicht vorkommt. Abgerechnet wurde eine homöopathische Erstanamnese, um die Frau Schmidt nicht gebeten hatte (Abb. 4). Auch die am 11.05.2006 abgerechnete Beratung hat nicht stattgefunden.

therapeuten-Rechnung

Abb. 4  Rechnung eines Arztes der "Therapeutenliste" über eine Blutabnahme für eine "Nanopartikelanalyse".

Der Arzt hat keinen eigenen Befundbericht erstellt, sondern lediglich den von dem BMIB erstellten Bericht weitergeleitet und dafür noch einmal 17,34 in Rechnung gestellt.

Gesamtbetrag der Rechnungen: 
EUR 281,61

für ein paar Blätter nutzloses Papier.
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