Der Stoffwechselfunktionstest der INDAGO GmbH
Früher "Nanopartikelanalyse"

 

Kritikpunkt 1: Die Präparationstechnik, das "Thermische Cracking"

Im ersten Schritt der Präparation der Blutprobe werden angeblich durch "Thermisches Cracking" alle Substanzen in die chemischen Elemente umgewandelt. Das ist mit vertretbarem Aufwand nicht möglich. Selbst wenn es möglich wäre, würden bei diesem Schritt alle biologisch relevanten Moleküle zerstört werden.

Durch eine spezielle Präparationstechnik, die als Betriebsgeheimnis bezeichnet wird, werden die Blutbestandteile auf geheimnisvolle Weise in Nanopartikel umgewandelt, die, wie die INDAGO schreibt, "repräsentativ" für die Blut-Substanzen sind, aus denen sie erzeugt wurden. Was "repräsentativ" bedeutet wird nicht erläutert.

Zum Verständnis ist es wichtig, sich klar zu machen, dass man unterscheiden muss zwischen:
  1. Der Präparationstechnik. Hier wird das Vollblut in eine Form überführt, die für die anschließende Messung geeignet ist.
  2. Die eigentliche Messung, die das Ergebnis in Form von Zahlenwerten liefert.
Beschreibung des Schritts 1 der Präparationstechnik

Zur Präparationstechnik schreibt die INDAGO auf ihrer Webseite:

"Im Labor werden die eingehenden Blutproben zunächst registriert. Im ersten Schritt, dem sog. thermischen Cracking, wird die biologische Masse Blut in chemische Elemente gewandelt."

Vorhergehende Ausführungen dazu im Gerichtsprotokoll::

"Es handelt sich um einen rein physikalischen Prozess, in dem Blut denaturiert wird." (Seite 2, Absatz 6)
"Die Denaturierung erfolgt durch Wärme. Die Partikel, die entstehen, sind kleiner als Aminosäuren." (Seite 2, Absatz 8)
"Auf die Frage von Herrn Dr. Keck, wie die Aminosäuren aufgespalten werden, erklärt Herr Gomez: Dies kann ich nicht näher erläutern, aus Geheimhaltungsgründen." (Seite 3, Absatz 1)
"Innerhalb des Verfahrens gibt es verschiedene Verfahren. Manche sind physikalischer Art, manche chemischer Art. Es gibt in unserer Methode keine chemischen Verfahren, die sind alle nur physikalisch." (Seite 5, Absatz 2)

Anmerkung: Die Widersprüchlichkeit der Aussage wird durch die geraffte Protokollwiedergabe hier besonders deutlich.


Kritik dieses Schrittes:
  1. Der Mensch ist ein biologischer Organismus - es sind biologische Moleküle die seine Lebensfunktionen aufrechterhalten. Bei Krankheiten kann sich tatsächlich die Zusammensetzung des Blutes geringfügig ändern. Die Konzentrationen der beteiligten Substanzen sind oft so klein, dass es spezifischer Verfahren bedarf, um sie in der Umgebung von den vielen "normalen" Blutbestandteilen aufzuspüren. Diese Änderungen betreffen stets biologische Moleküle (Beispiele: Änderungen der Konzentrationen von  Insulin, des Cholesterins oder bestimmter Tumormarker, die auf ein Krebsgeschehen hindeuten). Werden mit dem geheimen INDAGO-Verfahren, wie Herr Gomez sagt, alle biologisch relevanten Moleküle zerstört, so geht jede eventuell vorhandene Information über das Krankheitsgeschehen unwiderruflich verloren.
  2. Es ist aus prinzipiellen Gründen nicht möglich, mit irgendeinem praktikablen chemischen oder physikalischen Verfahren die Bestandteile des Blutes in die chemischen Elemente umzuwandeln. Ich will hier nur kurz darauf eingehen, welche Schwierigkeiten zu überwinden wären, wollte man beispielweise die Eiweißstoffe des Blutes in die chemischen Elemente umwandeln. Eiweißstoffe, die den Hauptanteil der organischen Substanz im Blut ausmachen, bestehen aus den Elementen Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff und Stickstoff. Da diese Elemente aufgrund der Bindungen im Molekül in verschiedenen Oxidationsstufen vorliegen, kann man nicht eine Methode einsetzen, die alle beteiligten Element in die elementare Form überführt. Will man beispielsweise den gebundenen Stickstoff in elementaren Stickstoff überführen, so muss man die Substanz oxidieren. Dabei wird gleichzeitig der Wasserstoff zu Wasser und der Kohlenstoff zu Kohlendioxid oxidiert. In einem anschließenden Schritt müsste man den gasförmigen elementaren Stickstoff vom ebenfalls gasförmigen Kohlendioxyd, dem Wasser und dem Sauerstoff abtrennen und getrennt auffangen. In einem weiteren Schritt müsste das Kohlendioxyd reduziert werden, damit man das Element Kohlenstoff erhält. Ich will diese chemischen Erörterungen nicht weiter vertiefen, weil im nächsten Abschnitt deutlich wird, dass die INDAGO niemals versucht hat, mit dem "Thermischen Cracking" Blut in die chemischen Elemente umzuwandeln.
  3. Wenn man es doch könnte, würde man als Hauptbestandteile erhalten:
  1. Das Element Sauerstoff (aus dem Wasseranteil und den organischen Substanzen), ein Gas, das sich sofort verflüchtigen würde.
  2. Das Element Wasserstoff (aus dem Wasseranteil und den organischen Substanzen), ebenfalls ein Gas, das in die Luft entweichen und mit dem Sauerstoff das explosive Gasgemisch "Knallgas" bilden würde.
  3. Das Element Kohlenstoff (aus den organischen Substanzen), als schwarzes unlösliches Pulver.
  4. Das Element Chlor (aus dem im Blut in einer Konzentration von ca. 9 g/L enthaltenem Kochsalz). Ein giftiges Gas, das ebenfalls in die Luft entweichen würde.
  5. Das Element Natrium (aus dem Kochsalz), ein Alkalimetall, das sich sofort mit dem Wasseranteil der Luft zu Natriumhydroxid umsetzen würde.
Es erübrigt sich jede weitere Diskussion der "Nanopartikelanalyse", weil alle biologisch relevanten Substanzen bereits in diesem ersten Schritt zerstört würden. Nach diesem Schritt gibt es keine Substanzen mehr, welche die Blutsubstanzen "repräsentieren" könnten, ganz gleich, wie man dieses Wort interpretiert.

Man geht sicher nicht fehl in der Annahme, dass die "INDAGO-Forscher" nicht wissen, was chemische Elemente sind.

In diesem Zusammenhang wird darauf verwiesen, dass auch dem Gerichtsprotokoll zu entnehmen ist, dass dieser Schritt eine vollständige Zerstörung aller biologischen Substanzen zur Folge hat. Es sollen hier trotzdem noch die anderen Schritte beurteilt werden, weil vorauszusehen ist, dass die INDAGO eine erneute Anpassung ihrer Nanopartikelanalyse an die Kritikpunkte vornehmen wird.


Weitere Präparationsschritte nach Angaben der INDAGO

Schritt 2 nach Angaben der INDAGO
Bei dem in Schritt 1 geschilderten Verfahren entstehen nach Angaben der INDAGO die Nanopartikel, denn auf der Webseite ist ausgeführt:

"Nach der Re-Suspension mit hochreinem Wasser und entsprechender Filtration entsteht eine Lösung mit Stoffen, die den Stoffwechsel des Organismus repräsentieren. In dieser Lösung befinden sich die der Methode namensgebenden kolloidalen Nanokristalle und Nanopartikel, die mittels Lichtstreuung nachgewiesen werden können."


Kritik dieses Präparationsschrittes:
Die Formulierung ist unwissenschaftlich und unklar. Alle Stoffe im Blut "repräsentieren", wenn dieses Wort schon verwendet werden soll, den Stoffwechsel des Organismus. Nach der Umwandlung der Stoffe in die chemischen Elemente sind alle Stoffe, die den Stoffwechsel "repräsentieren" könnten, zerstört worden. Aus welchem Material sollten denn die Nanopartikel bestehen?

Eine auf diese Weise hergestellte Lösung - wie oben beschrieben geht das aber nicht! - würde als Hauptbestandteile Natriumhydroxid und elementaren Kohlenstoff enthalten. Beides sind offensichtlich keine "Stoffe, die den Stoffwechsel des Organismus repräsentieren". Der Hauptbestandteil Kohlenstoff fällt in amorpher Form an und bildet weder Nanopartikel noch Nanokristalle


Schritt 3 nach Angaben der INDAGO
Auf der INDAGO-Webseite ist zu lesen:

"Bevor jedoch ein Befund formuliert werden kann, müssen diese Nanopartikel charakterisiert werden. Um dies zu erreichen, bedient sich die INDAGO GmbH eines weiteren Laborschritts. So wird die Lösung unter kontrollierten Bedingungen dehydriert. Trotz der in der Lösung stattfindenden verschiedenen Bindungen dieser Moleküle, entstehen durch die Dehydration Polymere und nanokristalline Strukturen, die unter dem Mikroskop sichtbar werden. Man kann sagen: All die Stoffe verhalten sich ihren physikalischen Gesetzen konform, so dass auch ihr Verhalten in der Dehydration standardisierbar ist. Je nach Menge und Vorhandensein, sind diese Strukturen also originär."


Kritik dieses Präparationsschrittes:
Da in der "Lösung" -  wie erwähnt - als Hauptbestandteile in Wasser unlöslicher Kohlenstoff und Natriumhydroxid vorhanden wären, würde, wegen der hohen wasseranziehenden Wirkung des Natriumhydroxids, eine schwarze Schmiere entstehen, die sich zwar unter rigorosen Bedingungen trocknen ließe, aber ihre schmierige Konsistenz beim Stehen an der Luft sofort wieder annehmen würde. Eine mikroskopische Untersuchung ist mit diesem Material nicht durchführbar. Es ist offensichtlich, dass die Behauptung "Je nach Menge und Vorhandensein, sind diese Strukturen also originär" völliger Unsinn ist.

Folgt man der Argumentation der INDAGO, dann müssten jetzt die Nanopartikel in trockener Form auf einem Träger vorliegen und in dem folgenden Schritt gemessen werden.


Die eigentliche Messung und Gewinnung des Untersuchungsergebnisses

Nach Veröffentlichung der Rechnung eines Patienten über eine Nanopartikelanalyse auf meiner Webseite, auf der lediglich "mikroskopische Untersuchungen" anstelle der angekündigten "elektronenmikroskopischen Techniken REM und EDX" verzeichnet waren, unterscheidet die INDAGO nun zwei Phasen der Messung der Nanopartikel: Nur in der "Forschungsphase", so behauptet sie nun, werden die Nanopartikel mit der angekündigten REM/EDX-Technik gemessen. In der "Befundphase", also zu dem Zeitpunkt, zu dem der Befund für den Patienten erstellt wird, genüge eine lichtmikroskopische Untersuchung.




weiter