Der Stoffwechselfunktionstest der INDAGO GmbH
Früher "Nanopartikelanalyse"

 


Kritikpunkt 2: Messung der Nanopartikel in der "Forschungsphase"

Selbst wenn man unberücksichtigt lässt, dass bereits bei der Präparation alle biologisch relevanten Moleküle zerstört wurden und annimmt, es sei gelungen, durch einen Zaubertrick Nanopartikel zu erhalten, welche die Ursprungssubstanzen "repräsentierten",  könnten mit Hilfe der REM/EDX-Technik keine Blutsubstanzen identifiziert werden.


Messung der Nanopartikel in der "Forschungsphase" (REM/EDX-Untersuchung) nach Angaben der INDAGO
Dazu die INDAGO auf ihrer Webseite:

"Mittels elektronenmikroskopischer Techniken, radiologischen Messungen sowie empirischen Auswertungen und dem biochemischen Wissen um menschliche Stoffwechselvorgänge können so diese Strukturen verschiedenen Stoffwechselprozessen zugeordnet werden. Ein großer Vorteil dieser Methodik ist, dass die aufwändigen elektronenmikroskopischen und radiologischen Techniken nur während der Forschungsphase notwendig sind, da die dehydrierten Endprodukte nicht mehr die Größe von Nanopartikeln haben. Aufgrund der eindeutigen optischen Strukturen kann ein Befund mittels optischer Lichtmikroskopie kostengünstig erstellt werden."

Anmerkung: Die INDAGO erläutert nicht, was sie unter radiologischen Techniken versteht. Im Allgemeinen versteht man darunter die Untersuchung des Körpers mit Röntgenstrahlen. Beispielsweise ist in der Wikipedia zu finden: "Die Radiologie ist das Teilgebiet der Medizin, das sich mit der Anwendung von Strahlen zu diagnostischen, therapeutischen und wissenschaftlichen Zwecken befasst."

Erläuterungen der INDAGO aus dem Gerichtsprotokoll:

"Das Mikroskop wird an ein energiedispersibles Röntgenstrahlungsgerät gekoppelt. Es handelt sich um ein Rasterelektronenmikroskop. Diese Struktur wird charakterisiert in einer Datenbank. Es werden veränderte Konzentrationen von Stoffen dokumentiert. Es geht also um eine Struktur."

"... gleichzeitig kann man die Proben auch mit Röntgenstrahlen bombardieren. Diese Strahlen werden beim Verlassen der Probe mit einem anderen Gerät erfasst. So entsteht eine quantitative Messung der einzelnen Atome, die für das Bild verantwortlich sind." (Seite 3, Absatz 2)

"Diese Strukturen kann man protokollieren und in einer biostatistischen Datenbank einführen. Nachdem diese Struktur einmal charakterisiert worden ist, ist eine elektronenmikroskopische Untersuchung nicht mehr nötig. Es erfolgt eine optische Zuordnung einer Struktur  zu bestimmten metabolischen Stoffen. Zusätzlich wird dieses Muster quantitativ gemessen sodass die Inhaltsstoffe aus denen dieses Muster bestehet identifiziert werden können. Dann gibt es Datenbanken im Internet, in denen alle Stoffe, die an einem Stoffwechsel teilnehmen, katalogisiert sind, nach Atomradius, Bindungswinkel usw. Das kann man mit dem Elektronenmikroskop mit dieser EDX-Einheit messen." (Seite 3, Absatz 3)

"Die Größe der Partikel bewegt sich im Bereich von 3,5 bis 1000 nm. Die größte Klasse ist die von 3,5 bis 103 nm". (Seite 4, Absatz 1)



Kritik der REM/EDX-Untersuchung
Mit der EDX-Einheit kann man nur den prozentualen Anteil der schweren Elemente messen, keine Bindungswinkel und keine  Atomradien. Beide Begriffe sind in diesem Zusammenhang völlig irrelevant. Ihre Erwähnung soll offensichtlich den Nichtfachmann beeindrucken und wissenschaftliche Kompetenz vortäuschen.

Zunächst muss darauf hingewiesen werden, dass die Firma INDAGO angeblich seit vielen Jahren mit dem allgemein als REM/EDX-Technik bezeichneten Untersuchungsverfahren arbeitet und immer noch nicht weiß, wie diese Methode funktioniert. In den oben angeführten Texten finden wir die Bezeichnungen:

·    Radiologische Technik
·    REM/EDX-Technik
·    Bombardierung mit Röntgenstrahlen

Bei der REM/EDX-Technik, welche die INDAGO offensichtlich meint, wird in einem Rasterelektronenmikroskop durch Abtastung mit einem Elektronenstrahl zunächst ein elektronenoptisches Bild erzeugt. In einer zweiten Phase wird dieser Elektronenstahl (meist mit einer anderen Spannung erzeugt) auf die Probe gerichtet. Dabei entstehen Röntgenstrahlen, die in einem Zusatzgerät gemessen werden können. Der Entstehungsprozess dieser Strahlung wird für die Messung ausgenutzt. Die Erläuterungen der INDAGO, dass hier Röntgenstrahlen eingestrahlt werden, ist etwa genauso richtig, wie die Behauptung, die Sonnestrahlen würden dadurch erzeugt, dass die Sonne mit Licht beleuchtet werde. Die "Forscher" der INDAGO geben damit zu erkennen, dass sie sicher noch nie mit einem REM/EDX-Gerät gearbeitet haben. Zur REM/EDX-Technik siehe (...).

Klarer als im INDAGO-Text ausgedrückt, geht es in diesem Untersuchungsschritt angeblich um folgendes: Auf dem Träger, der für die REM/EDX-Untersuchung in das Gerät geschoben wird, befindet sich angeblich eine Vielzahl von Nanopartikel, die sich in ihrer Form unterscheiden, wobei jede Form eine andere Blutsubstanz "repräsentiert", also, wie oben bereits erwähnt, etwa 100 verschiedene Nanopartikel-Sorten. Ziel dieser Untersuchung in der "Forschungsphase" ist , (1) diese verschiedenen Nanopartikelsorten den verschiedenen Blutsubstanzen zuzuordnen und (2) ihre Konzentration zu messen. Beispielsweise:


Form Blutsubstanz Konzentration
Kugeln CRP ca.  10µg/ml
Würfel Hämoglobin ca. 150 mg/ml
Quader Beta-2-Mikroglobulin ca. 1 µg/ml
Zylinder HDL-Cholesterin ca.  50µg/ml
Pyramiden Albumin ca.  60 mg/ml


CRP ist ein Protein, das bei Infektionen und Entzündungen erhöht ist, Hämoglobin ist das Sauerstoff-transportierende Protein in den roten Blutkörperchen, Beta-2- Mikroglobulin ist bei Nierenentzündungen und bestimmten Tumoren erhöht. Albumin ist das Hauptprotein im Blutplasma. HDL-Cholesterin dürfte allgemein bekannt sein.


Zuordnung zu den Blutsubstanzen
Eine Zuordnung der Blutbestandteile zu den Formen von Nanopartikeln ist schon deshalb nicht möglich, weil es nicht genügend verschiedene geometrische Formen gibt, die eine eindeutige Unterscheidung zulassen. Je mehr verschiedene Formen unterschieden werden müssen, umso schwieriger wird die Unterscheidung. Die optische Unterscheidung von etwa 100 verschiedenen geometrischen Formen ist unter praktischen Versuchsbedingungen unmöglich.

Die INDAGO hat sich eine Ausrede einfallen lassen, um den angeblichen Formenreichtum zu erhöhen. Sie spricht von Nanokristallen. Vermutlich will sie den Leser glauben machen, die Formenvielfalt der Kristalle sei so groß, dass es sicher möglich wäre, etwa 100 verschiedene Formen zu unterscheiden. Das ist falsch, weil es nur wenige Kristallsysteme gibt und die verschiedenen Kristalle sich sehr ähnlich sind. So ist es nur konsequent, dass die INDAGO sich bei der Gerichtsverhandlung in Leipzig weigerte, den Formenreichtum der Nanopartikel an Hand von Abbildungen (z.B. elektronenmikroskopischen Abbildungen) zu belegen.

Partikel die kleiner sind als etwa 100 nm, können mit der REM/EDX-REchnik  nicht untersucht werden. Prof. Cerjac schreibt in seinen Arbeitsblätter zur REM/EDX-Technik sogar: "Aufgrund der großen Einwirktiefe ist eine Detektion von Teilchen mit einer Größe unterhalb von
ca. 3 μm mit großen Unsicherheiten behaftet". Es könnte also ohnehin nur ein verschwindend kleiner Prozentsatz der Partikel erfasst werden, da die INDAGO behauptet, dass die meisten ihrer Nanopartikel  3,5 bis 103 nm groß sind. Es müssten aber alle erfasst werden, denn es sollen ja die Konzentrationen anhand der Nanopartikel gemessen werden.

Wie bereits früher erwähnt, sind die Konzentrationen der Blutbestandteile sehr unterschiedlich. Serumalbumin (ca. 40 mg/ml) und Hämoglobin (ca. 150mg/ml) sind die Blutbestandteile, die im Blut in der höchsten Konzentration vorliegen, während die Konzentration von Beta-2-Mikroglobulin mit ca. 1µg/ml etwa 1/150.000 der Hämoglobinkonzentration beträgt. Für die Untersuchung am Elektronenmikroskop bedeutet das, dass der INDAGO-Forscher unter 40.000 Albumin-Nanopartikeln und 150.000 Hämoglobin-Nanopartikeln nur ein Beta-2-Mikroglobulin-Nanopartikel finden und untersuchen kann. Wie er, falls er so ein Nanopartikel findet, herausfinden will, welche Blutsubstanz es "repräsentiert", gehört sicher auch zu den Betriebsgeheimnissen der INDAGO.

Das in dem Befundbeispiel "Großes Profil" (siehe Kritikpunkt 4) aufgeführte Interleukin-1 ist im Blut in einer Konzentration von etwa 10-9g/ml vorhanden. Wie ich auf meiner Webseite  gezeigt habe, müsste eine einzige Person einige Jahrzehnte ganztags an einem Elektronenmikroskop sitzen und suchen, bis es ihm gelänge, ein einziges Interleukin-1-Nanopartikel zu identifizieren.



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