Der Stoffwechselfunktionstest der INDAGO GmbH
Früher "Nanopartikelanalyse"

 


Kritikpunkt 3: Messung der Nanopartikel in der "Befundphase"


Selbst wenn man alle vorhergehenden Einwände ignoriert und annimmt, es sei in der "Forschungsphase" gelungen, Nanopartikel aller biologischen Substanzen eindeutigen Formen zuzuordnen, wäre es unmöglich, mit der Lichtmikroskopie diese Formen zu erkennen und die Konzentrationen der Blutsubstanzen zu messen.


Messung der Nanopartikel in der "Befundphase" nach Angaben der INDAGO

Wie bereits erwähnt, behauptet die INDAGO auf ihrer Webseite:

"Aufgrund der eindeutigen optischen Strukturen kann ein Befund mittels optischer Lichtmikroskopie kostengünstig erstellt werden."

Die INDAGO behauptet zudem (siehe Kritikpunkt 2 und Gerichtsprotokoll):

"Die Größe der Partikel bewegt sich im Bereich von 3,5 bis 1000 nm. Die größte Klasse ist die von 3,5 bis 103 nm." (Seite 4, Absatz 1)



Kritik an der Messung der Nanopartikel in der Befundphase

Bei diesem Schritt hat der INDAGO-Untersucher zwei Aufgaben zu bewältigen:

  1. Die Formen der Nanopartikel müssen erkannt werden und anhand der Datenbank den einzelnen Blutbestandteilen zugeordnet werden.
  2. Da das Ziel der Bemühungen angeblich die Messung der Konzentrationen der Blutbestandteile ist, müssen nun ersatzweise die Konzentrationen der entsprechenden Nanopartikel gemessen werden.
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Problem 1: Identifizierung der Nanopartikel
Die Auflösung eines Lichtmikroskops beträgt etwa 100 nm. Das bedeutet, dass zwei Punkte, die 100 nm voneinander entfernt sind, noch als zwei Punkte wahrgenommen werden können. Ein Nanopartikel in dem Größenbereich von 100 nm kann also nur als Punkt wahrgenommen werden. Die Form ist nicht erkennbar. Aber auch die Formen der größten Nanopartikel, deren Größe die INDAGO mit bis zu 1000 nm angibt, könnten im Lichtmikroskop nicht eindeutig erkannt werden, denn ihr Bild besteht nur quasi aus 10 Bildpunkten.

Schmetterlin 200 px

Schmetterling 10 px


Abb. 1: Wiedergabe eines Schmetterlings mit ca. 200 Bildpunkten (oben) und ca. 10 Bildpunkten (unten)

In Abb.1 ist oben ein Schmetterling in einer Auflösung von ca. 200 Bildpunkten und unten das gleiche Bild in einer Auflösung von ca. 10 Bildpunkten wiedergegeben. Dieses Bild entspricht nicht genau dem mikroskopischen Bild, insbesondere weil hier quadratische Bildpunkte verwendet wurden, aber die Auflösung bzw. Erkennbarkeit entspricht etwa der des mikroskopischen Bilds.

Die Problematik wird besonders deutlich, wenn man sich in die Situation eines Nanopartikel-Diagnostikers versetzt, der am Mikroskop sitzt und die Nanopartikel erkennen, also den Blutsubstanzen zuordnen und ihre Konzentrationen messen soll.

Selbst wenn man das Problem der Erkennbarkeit der Formen ignoriert und annimmt, die INDAGO habe ein geheimes Verfahren erfunden, das die Nanopartikel nicht nur um den Faktor 10 größer macht, sondern auch gleich bewirkt, dass sie eine Nummer auf der Oberfläche tragen, welche die Blutsubstanz, die sie "repräsentieren", anzeigt, wäre die Analyse nicht möglich. In seinem Gesichtsfeld würde der Untersucher vor allem Nanopartikel erkennen, welche die vorherrschenden Proteine Hämoglobin und Albumin "repräsentieren".

Problem 2: Messung der Konzentration der Nanopartikel:
Wäre das Nanopartikel mit der richtigen Nummer schließlich  gefunden, dann müsste die Konzentration dieser Nanopartikel gemessen werden. Natürlich haben die Nanopartikel alle unterschiedliche Größen. Da man das Gewicht nicht unter dem Mikroskop messen kann, bleibt nur die Bestimmung des Volumens jedes Nanopartikels übrig, unter der Annahme, dass alle Nanopartikel das gleiche spezifische Gewicht haben. Es ist sicher nicht nötig darauf hinzuweisen, dass eine Vermessung der dreidimensionalen Form der Nanopartikel selbst mit einem Stereomikroskop nicht mit der erforderlichen Genauigkeit möglich wäre.

Um die Besprechung der weiteren Probleme zu vereinfachen, will ich annehmen, die INDAGO habe durch ihren Zaubertrick erreicht, dass alle  Nanopartikel exakt die gleiche Größe haben. In diesem Fall könnte die Ausmessung der einzelnen Nanopartikel entfallen und man könnte die Konzentration durch Zählen der Nanopartikel messen. Die Untersuchung könnte vereinfacht werden, wenn man eine Referenzsubstanz (z.B. das Hämoglobin) mit einer gängigen Labormethode bestimmt. Hat man die Homoglobin-Konzentration von beispielsweise 150 g/l  (150.000 mg/l) mit einer unabhängigen Methode gemessen, kann man die Konzentration einer anderen Substanz durch Vergleich der Anzahl der gezählten Nanopartikel berechnen. Wenn die Zählung zu dem Ergebnis führt, dass das Verhältnis der Anzahl der beobachteten Beta-2-Mirkoglobulin-Nanopartikel zu der Anzahl der Hämoglobin- Nanopartikel 1:150.000 ist, kann man schließen, dass die Konzentration des Beta-2-Mikroglobulins zu der bekannte Konzentration  von Hämoglobin 1:150.000 ist, also eine Beta-2-Mikroglobulin-Konzentration von 1mg/l vorliegt.

Auswirkungen des statistischen Fehlers: Natürlich sind die Nanopartikel auf der Objektträgeroberfläche zufällig verteilt. Es kann der Fall eintreten, dass zunächst z.B. 270.000 Hämoglobin-Nanopartikel gezählt werden müssen, bis man ein Beta-2-Mirkoglobulin-Nanopartikel findet. In einem anderen Fall gelingt das vielleicht schon nach 100 gezählten Hämoglobin-Nanopartikeln, obwohl die Konzentration des Beta-2-Mikroglobulins gleich ist. Ich will diese statistischen Probleme nicht ausführlich erörtern.
Es gilt:
formel

Der mittlere statistische Fehler Delta N ist gleich der Wurzel aus der Anzahl der gefundenen Beta-2-Mikroglobulin-Nanopartikel N. Wenn bei diesem Schritt der Analyse ein mittlerer Fehler von 3% zugelassen werden soll (die anderen Fehler, die bei den anderen Analyseschritten auftreten, müssten zusätzlich berücksichtigt werden), müssten 1000 Beta-2-Mikroglobulin-Nanopartikel und entsprechend 150.000.000 Hämoglobin-Nanopartikel gezählt werden.

Zeitbedarf für eine mikroskopische Untersuchung: Nimmt man an, im Sichtfeld des Mikroskops wären jeweils 20 Nanopartikel abgebildet und der geübte INDAGO-Mikroskopierer könnte die Nanopartikel, die er im Sichtfeld hat, in einer Sekunde beurteilen, dann müsste er 150 Millionen Sekunden, also etwa fünf Jahre, ganztags ununterbrochen arbeiten, um diese Leistung zu vollbringen.

Bei diesen Überlegungen wurde das Problem dadurch vereinfacht, dass nur zwei der vielen im Blut vorhandenen Substanzen  in die Betrachtungen einbezogen wurden. Es ist leicht vorstellbar, mit welchen Schwierigkeiten die INDAGO-Mikroskopierer zu kämpfen hätten, wenn sie 100 verschiedene Substanzen auf diese Weise bestimmen sollten. Selbst eine automatische Erkennung könnte das nicht leisten.

Es ist ein unsinniger Denkansatz solche Konzentration von Substanzen durch eine nichtspezifische Methode messen zu wollen. Kein Naturwissenschaftler würde ihn auch nur in Erwägung ziehen.

Es wird hier noch einmal darauf hingewiesen, dass diese hypothetischen Betrachtungen nur zeigen sollen, wie unsinnig das Geflecht an Behauptungen der INDAGO ist. Wie schon oben gezeigt, wären bei der Durchführung einer solchen Analyse alle im Vollblut eventuell vorhanden gewesene Informationen durch die Präparationstechnik bereits gelöscht worden.



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