Der Stoffwechselfunktionstest SFT der INDAGO GmbH
Früher "Nanopartikelanalyse"

 


Kritikpunkt 4: Die "Befunde" der INDAGO

Als Ergebnis ihrer "Nanopartikelanalysen" erhalten die Therapeuten und Patienten "Befunde". Diese enthalten nicht, wie in der Werbung angeführt, gemessene Konzentrationsveränderungen verschiedener Blutkomponenten, sondern graphische Darstellung von Werten, welche die Funktionen von Organen wiedergeben sollen. Es gibt keine Blutkomponenten, deren Messung zu einer solchen Aussage berechtigt. Ärzte, die solche angeblichen Befunde als Grundlage einer Therapie benutzen, handeln verantwortungslos. Auch ohne Kenntnis darüber, wie die angebliche Nanopartikelanalyse durchgeführt werden soll, beweisen die Befunde, dass es sich hier um Scharlatanerie handelt.


Die "Befunde" der INDAGO als Ergebnis der Nanopartikelanalyse

Als Ergebnis ihrer Untersuchung erstellt die INDAGO graphische Darstellungen der angeblich gemessenen "Stoffwechselveränderungen".

Graphische Darstellung
 
Abb. 2 Graphische Darstellung einiger "getesteter Funktionen" aus dem Musterbefund "Großes Profil".

In Abb. 2 habe ich einige der angeblich getesteten Funktionen  zusammengefasst. Die Daten werden als Balken auf einer Skala von 0 bis 100 dargestellt. Der Bereich von 0-50 kennzeichnet ein Ergebnis ohne Befund. Werte zwischen 50 und 80 werden als subklinisch, solche über 80 als pathologisch eingestuft. Bei einigen Graphiken wird auch ein Ohne-Befund-Bereich in der Mitte der Skala sowie subklinische und pathologische Werte unter- und oberhalb dieser Bereiche angeführt. Man gewinnt den Eindruck, dass diese Zuordnung von Zahlenwerten zu den drei Bereichen völlig willkürlich ist.

Wie diese Werte interpretiert werden sollen, erfahren wir aus dem Gerichtsprotokoll (Seite 5, Abs.2). Herr Gomez führt an:

"Wir haben eine möglichst einfache Darstellung gewählt. Wenn etwas ohne Befund ist, also gesund, steht der Wert 0. Bei der Funktion eines Organs bewegt sich die Skala im Bereich zwischen 0 und 100. Alles was unter 50 liegt, ist normal, im Bereich zwischen 50 und 80 subklinisch, also nicht pathologisch."

Über die medizinische Bedeutung, welche die INADGO diesen Zahlen zumisst, kann man nur spekulieren. Mangels anderer Informationen muss man annehmen, dass die Zahlen als Relativwerte für die betreffende Funktion bzw. das Funktionieren des angeführten Organs anzusehen sind.

Der Patient kann der in Abb. 2 wiedergegebenen Graphik angeblich entnehmen, dass seine arterielle Durchblutung den Wert 60 hat, also subklinisch ist. Warum ein höherer Wert, also eine bessere Durchblutung für den Patienten schlechter sein soll, als eine niedrigere, wird nicht mitgeteilt. Wenn eine "gesunde" Durchblutung mit dem Wert 0 ausgewiesen wird, wie wird dann eine zu geringe Durchblutung dargestellt? Ein Wert von 90 für die "getestete Funktion" Zentrales Nervensystem soll angeblich einen pathologischen Zustand wiedergeben. Warum soll dann der Wert 0 besonders "gesund" sein? Auf welche "Stoffwechselveränderungen" gründen diese Behauptungen? Ähnliche Betrachtungen kann man auch für die anderen "Funktionen" anstellen.

Jeder Graphik ist ein Befund zugeordnet, der offenbar wiedergeben soll, welche Schlüsse nach Ansicht der INDAGO aus den graphisch wiedergegebenen Daten gezogen werden müssen.

Ich beschränke mich hier auf die Wiedergabe nur weniger "getesteter Funktionen", die in "Funktionelle Bausteine" oder "Metabolische Bausteine" zusammengefasst und in einem "Befund" gemeinsam bewertet werden.

In Tab. 1 habe ich die ersten drei "Funktionellen Bausteine" oder "getesteten Systeme" des als "Großes Profil" bezeichneten Beispielbefundes in tabellarischer Form wiedergeben. Das ganze Profil in Tabellenform. Dieses Profil wurde von der Webseite der Firma heruntergeladen und ist jetzt, nach der erwähnten Unterlassungsklage des "Verbandes Sozialer Wettbewerb e.V." nicht mehr auf der Webseite zugänglich. In diesem Profil sind 14 Funktionelle Bausteine aufgeführt mit 66 einzelnen "getesteten Funktionen" oder "getesteten Parametern".
 

Tabelle 1. Tabellarische Wiedergabe von einigen "getesteten Systemen" oder "Funktionellen Bausteinen"

a) Hormonsystem
Getestete Funktionen:                                                                                
Hypophyse-Hypothalamus 80
Pankreas 60
Nebennierenrinde 80
Schilddrüse 
50
Genitalsystem 60
Zellstoffwechsel
60
Befund: Leichte Störungen als Folge von Mikrozirkulationsstörungen
b) Immunsystem
Getestete Funktionen:
Humorales Immunsystem 90
Zelluläres Immunsystem 90
Zellstoffwechsel 70
Befund: Die allergische Diathese belastet das Immunsystem, sowohl zellulär als auch humoral
c) Nervensystem
Getestete Funktionen:
Zentrales Nervensystem 90
Peripheres Nervensystem
90
Zellstoffwechsel
70
Befund: Als Folge der Mikrozirkulationsstörungen sind Reizleitungsstörungen und Unterversorgung des ZNS feststellbar.
                                        .                                     
Eine Preisliste der INDAGO hat Herr Baumgärtel zusammengestellt (...).


Kritik an den "Befunden"

Hier noch einmal der Text von der INDAGO-Webseite:

"Die Vollblutuntersuchung "Nanopartikelanalyse" ist ein Laborverfahren und basiert auf der Identifizierung von Konzentrationsveränderungen verschiedener Blutkomponenten mittels standardisierter Techniken. "

Wie bereits erwähnt, kann das nur bedeuten, dass Konzentrationen von Substanzen gemessen werden. Die INDAGO-Ergebnisse kann man am besten beurteilen, wenn man sich zunächst klar macht, welches Ergebnis man von einer solchen Analyse normalerweise erwarten kann. Ein Ergebnis der "Nanopartikelanalyse" sollte, entsprechend der Ankündigung, eine Auflistung der "Konzentrationsveränderungen" enthalten, die mit dieser Analyse angeblich gemessen wurden. Eine solche Aufstellung müsste etwa so aussehen, wie beispielhaft in Tabelle 2 für drei Blutkomponenten gezeigt.


Tabelle 2: Beispiel einer Auflistung von drei Ergebnissen einer normalen Laboranalyse.


A Blut-Substanz B
Gemessene Konzentration
C
Schwankungsbreite des Normwertes
D
Bewertung
CRP 60 mg/l 0 - 10 mg/l zu hoch
Albumin 30 g/l 38 - 52 g/l
zu niedrig
Kreatinin 5 mg/dl 0,5 - 1,2 mg/dl zu hoch

           
           
Die wichtigste Information ist die tatsächlich gemessene Konzentration (Spalte B) der gemessenen Substanz (Spalte A). Ein gutes Labor würde hier noch den Fehlerbereich der Methode anführen. Diese Konzentration muss nun mit der Konzentration verglichen werden, die man bei gesunden Menschen findet. Da diese Werte von einem Individuum zum andern schwanken, muss hier die Schwankungsbreite angegeben werden (Spalte C), denn nur dann kann man sehen, ob der gemessene Wert innerhalb dieser Schwankungsbreite liegt oder nicht. In Spalte D ist eine Bewertung angeben, die zeigt, ob der gemessene Wert noch innerhalb des Normalbereichs liegt  oder nach oben oder unten abweicht.

Nachfolgend zeige ich an drei Beispielen wie solche Messwerte interpretiert werden können (weitergehende Informationen finden Sie hier ).


Interpretation der Werte

CRP = C-reaktives Protein

Werte zwischen 10 und 50 mg/l:
lokale oder leichtere Entzündungen (z.B. Abszesse und andere kleine Eiterungen, Bronchitis, Harnwegsinfekt, ruhende rheumatische Erkrankungen, ev. schwere Virusinfektionen)
Herzinfarkt, Venenthrombosen, maligne Tumoren, Unfälle
Leichte Erhöhungen findet man auch bei Rauchern und Extremsportlern (z.B. Marathonläufer).
Werte über 50mg/l sprechen für schwerere Entzündungen.
Werte über 100mg/l sprechen für eine schwere Erkrankung und sind oft mit bakteriellen Infektionen verbunden:
Blutvergiftung (Sepsis), bakterielle Hirnhautentzündung oder Lungenentzündung, komplizierte Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis), schwere Operationen, schwere rheumatische Erkrankungen im aktiven Stadium, aktiver Morbus Crohn, manche ausgedehnte Tumoren (Multiples Myleom, Morbus Hodgkin)



Albumin (weiteregehende Informationen):

 Ursachen zu niedriger Albuminwerte:

1. Es wird zu wenig Albumin (von der Leber) produziert
  • Entzündungen / Infektionskrankheiten
  • Rheumatische Erkrankungen und Kollagenkrankheiten
  • lLeberzirrhose (auch andere Ursachen als geringe Produktion) und andere Lebererkrankungen
  • Bei vielen Tumorerkrankungen
  • Mangelernährung, Proteinmangelernährung
  • Seltene Erbkrankheit mit stark vermindertem Albumin
2. Albumin geht nach außen verloren
  • Eiweißverlust über die Nieren - Nephrotisches Syndrom
  • "Undichter" Darm - sog. exsudative Enteropathie. Urs.: verschiedene Darmerkrankungen aber auch Blockierung des Lymphabflusses aus dem Darm
  • Eiweißverluste über ausgedehnte Verbrennungen, seltener bei anderen ausgedehnten, "nässenden" Hauterkrankungen
   Kreatinin  (siehe auch hier):

Hohe Kreatininwerte sind ein Zeichen für Nierenversagen. In diesem Falle ist tatsächlich die "Konzentrationsveränderung" von ca. 1-2 mg/dl pro Tag ein wichtiges Indiz für eine Fehlfunktion der Niere.

Es ist offensichtlich, dass gemessene Werte, die außerhalb der Schwankungsbreite liegen, verschiedene Ursachen haben können. Nur der behandelnde Arzt kann und darf eine Bewertung dieser Messwerte vornehmen. Er muss entscheiden, welche Schlüsse für die Behandlung eines Patienten angezeigt sind.

Bei den INDAGO-Befunden werden diese Messwerte den Ärzten vorenthalten. Sie erfahren nicht einmal welche Substanzen angeblich bestimmt wurden, noch wird ihnen mitgeteilt, welche Konzentrationen dieser Substanzen gemessen wurden. So wird aus Beispiel a) der Tabelle 1 geschlossen, dass "leichte Störungen als Folge von Mikrozirkulationsstörungen" vorliegen. Es wird verschwiegen, welche Konzentration, welcher Substanz, zu diesem Schluss führt. Es gibt keine Substanzen im Blut aus deren Konzentration ein solcher Schluss gezogen werden könnte.

In Beispiel b) wurde angeblich das Immunsystem "getestet". Ein Immunsystem kann man nicht durch Messen der Konzentrationen einer Substanz oder mehrerer Substanzen "testen". Würde man z.B. eine ungewöhnlich hohe Konzentration an Immunglobulinen messen, so kann das bedeuten, dass der Patient erfolgreich eine Infektion durchgemacht hat, dass das humorale Immunsystem also gut funktioniert. Es kann auch eine Dauerstimulation durch körpereigene Antigene der Grund für die erhöhten Werte sein. Dann könnte der Patient an einer Autoimmunkrankheit leiden. Findet man eine erhöhte Menge an IgE-Antiköper, so kann das seinen Grund darin haben, dass der Patient eine Allergie hat.

Ein Wert von 90, wie in diesem Fall für die "getestete Funktion" humorale Immunantwort, ist Unsinn. Auch hier muss der Arzt wissen, welche Substanzen gemessen wurden. Nur er kann beurteilen, ob er dem Patienten eine gute oder mangelhafte "Immunsituation" bescheinigen kann. Selbst diese Aussage gilt stets nur für einen Teilbereich des humoralen Immunsystems.

Auch dem Laien wird klar sein, dass derart simple Zuordnungen von Zahlenwerten zu Funktionen von Organen nicht möglich sind. Für eine Beurteilung des Gesundheitszustandes eines Patienten  ist ein solcher Befund wertlos. Ärzte, die einen solchen Befund ernst nehmen und ihre Therapie danach ausrichten, handeln verantwortungslos und verletzen ohne Zweifel ihre Sorgfaltspflicht gegenüber dem Patienten. Möglicherweise machen sie sich sogar strafbar.

Am Ende des Befundberichts bestätigt die Fachärztin für Laboratoriumsmedizin, Dr. med. Barbara Bräuer, dass die Nanopartikelanalyse unter ihrer Aufsicht durchgeführt worden sei. Diese Bestätigung ist offensichtlich falsch.

Die in den Befunden mitgeteilten Werte der "getesteten Funktionen" können nicht durch Messung von Blutbestandteilen gemessen werden - weder mit der Nanopartikelanalyse noch mit irgendeiner anderen Labormethode. Auch mit der modernsten Analysetechnik wäre es nicht möglich, solche Befundprofile zu erstellen. Kein verantwortungsbewusster Arzt wird auch nur in Betracht ziehen, einem solchen "Befund" irgendeine Bedeutung beizumessen.