Die Nanopartikelanalyse der INDAGO GmbH

 

Bericht einer Patientin

I.

Ende Januar 2007 suchte ich auf Anraten einer Bekannten eine Heilpraktikerin auf.

Die Heilpraktikerin sagte mir, sie könne mir nur dann gezielt helfen, wenn man mehr über die Ursachen meiner Beschwerden wisse. Es gebe ein Labor, mit dem sie zusammenarbeite, welches umfassende und detaillierte Laboranalysen von Blutproben durchführe. Diese seien viel genauer als eine Blutanalyse beim Arzt. Deshalb würden die Kosten dafür aber auch nicht von der Krankenkasse übernommen, man müsse alles privat zahlen und es koste 140,- Euro.

Ich erklärte mich schließlich bereit, für meine Gesundheit dieses Geld zu investieren, in der Hoffnung, daß dann sämtliche Werte, die es derzeit zu messen gibt, auch gemessen würden. Daraufhin legte mir die Heilpraktikerin ein Schreiben vor, das ich unterzeichnen sollte. An den genauen Wortlaut kann ich mich nicht mehr erinnern. Es stand aber darin, daß ich die Analyse freiwillig in Auftrag gebe und daß die Analyse nicht die Kosten für weitere Beratungen etc. beinhalte. Eine Kopie des unterzeichneten Dokuments wurde mir nicht ausgehändigt.  

Sie sagte, sie werde sich nach Erhalt des Befundes mit mir in Verbindung setzen. Vorher wurde mir noch eine Mappe gezeigt, auf der graphische Darstellungen zu erkennen waren. Sie sagte, so werde dann auch meine Mappe aussehen, es sei alles sehr detailliert. Während der Blutentnahme seitens der Heilpraktikerin fragt sie mich, ob ich Probleme mit dem Einschlafen hätte, mein Blut sei so dunkel, ich müsse bestimmt etwas an der Leber haben. Ich verneinte dies.

II.

Nach ca. 10 Tagen erhielt ich einen Anruf. Meine Mappe sei da, ob ich noch am selben Tage vorbeikommen könne, es habe jemand abgesagt. Es habe sich ihr ursprünglicher Verdacht bestätigt, mit meiner Leber sei etwas nicht in Ordnung und es habe sich darüber hinaus gezeigt, daß  auch mit meinen Nieren etwas nicht stimme.
Ich war völlig entsetzt und meldete meine Zweifel an. Mir wurde entgegnet, am Telefon könne man das nur kurz skizzieren, weiteres würde sie mir bei einer Besprechung erklären. Jedenfalls könne man schon einmal sagen, daß meine Leber nicht in der Lage sei, Eiweiße richtig aufzuspalten, so daß sich Toxine in meinem Körper ablagern würden. Mein Bindegewebe sei, salopp gesprochen, total zugemüllt. Ich sei total übersäuert. Meine Nieren könnten das Gift nicht mehr ausscheiden.
Ich vereinbarte danach für die nächste Woche einen Besprechungstermin. Von der schlechten Nachricht alarmiert, ließ ich mir zur Kontrolle beim Hausarzt ein großes Blutbild machen und bat, insbesondere meine Leber- und Nierenwerte zu kontrollieren.

Bei dem Besprechungstermin mit der Heilpraktikerin erhielt ich die Mappe, die wir dann zusammen durchgingen. Zuerst fiel mir auf, daß dort gar keine Werte angegeben waren; also weder absolute Zahlen, noch Referenzbereiche, noch eine Angabe der gemessenen Stoffwechselprodukte, sondern nur Graphiken auf einer Skala von 0 bis 100, grün, gelb und rot unterlegt.
Auf Nachfrage wurde mir gesagt, es handele sich eben nicht um eine herkömmliche Laboruntersuchung. Ich müsse mein schulmedizinisches Denken doch einmal außer Acht lassen. Ich machte mir Gesprächsnotizen. Sie meinte das sei nicht nötig, es stehe alles in der Mappe. Jedoch bestand ich darauf unser Gespräch handschriftlich zu protokollieren, nachdem mir nunmehr erhebliche Zweifel an der Seriosität dieser Blutanalyse und der Seriosität der Heilpraktikerin gekommen waren.
Sie sagte (ich zitiere die Mitschrift meiner handschriftlichen Notizen):

Zuviel Eiweiß im Blut; Leber kann mit Entgiftung für Stoffwechsel nicht umgehen, kann Eiweiß nicht abbauen. Blut wird zu dick, klebt. Blut fließt zu langsam, weil Abfallsprodukte sich an die roten Blutkörper angedockt haben und die Versorgung und Entsorgung über Blut nicht gewährleistet ist. Blutgefäße verengen sich. Es folgt Durchblutungsstörung arteriell; geht in Kopf, beeinflußt Hormone. Harnsäure, Kreatinin, Harnstoff erhöht wegen Niere. (Ende der zitierten Aufzeichnung).

Ich entgegnete ihr, daß das wohl alles nicht sein könne, woraus sie einen solchen Schluß ziehen könne. Sie zeigte mir nochmals die Graphiken. Sie sagte, ich leide an einem hepatorenalen Syndrom, mein ganzer Organismus sei übersäuert und bedürfe dringend der Entgiftung.

Ich entgegnete abermals, daß das nicht sein könne, daß das im Widerspruch zu allem stehe, was bisher bei mir festgestellt worden sei und daß ich es für Panikmache halte. Sie wies dies zurück. Dann wollte ich wisssen, wie sie sich denn die angebliche Vergiftung erkläre. Dafür müsse es doch eine Primärursache geben. Mir fiel nur eine Amalgambelastung ein. Dies könne sie mit Sicherheit ausschließen. Laut Befund hätte ich keine Schwermetallbelastung. Es mache auch wenig Sinn nach einer Primärursache im Sinne einer Kausalität zu fragen. Dies sei eben wieder schulmedizinisches Denken. Der Körper sei aber ein lebendiger Organismus, der unter diesen Gesichtpunkten nicht beurteilt werden könne. Weitere Blutuntersuchungen bei Ärzten könne ich mir sparen, denn die würden mit den herkömmlichen Methoden ohnehin nichts finden.

Da ich sehen wollte, was als nächstes kommt, fragte ich nach ihrem Therapievorschlag. Dieser war (laut handschriftlichen Notizen):

3 mal tägl. Leberpräparat Livdetox, abends Kartoffelwickel, 2 -3 mal pro Woche Salzbad mit 2 kg Salz, Entsäuerungstee, Noni-Enzyme, Fußreflexzonenmassage und Lymphdrainage 2 mal pro Woche (pro Behandlung 40 Euro). Die Präparate hatte sie vorrätig und wollte dafür insgesamt 110 Euro. Außerdem sollte ich mir in der Apotheke Basica-Pulver besorgen. Auf Nachfrage, wie lange denn ihre Therapie dauern würde, sagte sie, da sei noch keine Aussage möglich. Ich solle mindestens 2 Wochen keine tierischen Eiweiße und kein Fett zu mir  nehmen und die Trinkmenge hochfahren.
Nachdem ich keines ihrer Produkte kaufen wollte, war unser Gespräch ganz schnell beendet.

III.

Daraufhin rief ich das Labor, die Indago GmbH, an und fragte, ob meine Blutprobe vertauscht worden sei, da ich mir das alles nicht vorstellen konnte. Am Telefon war Hr. Gomez, der, wie ich erst später erfuhr, Geschäftsführer ist. Er sagte, es handele sich nicht um eine Verwechslung, aber es sei auch keine Diagnose, ob man mir das nicht gesagt hätte. Ich hatte den Eindruck, daß er alles wieder zurücknehmen wollte bzw. in einem anderen Licht erscheinen lassen wollte, da er sehr viel redete und sehr höflich war.
Danach befaßte ich mich eingehend mit dem Befund in der Mappe und schlug sämtliche medizinischen Fachausdrücke in mehreren Lexika im Internet nach. Nachdem ich die Definition für "hepatorenales Syndrom" gelesen hatte, mußte ich zunächst lachen, da es sich laut Definition dabei um einen lebensbedrohlichen Zustand handelt, unter dem ich ganz offenkundig und Gott sei Dank nicht leide.

Danach wurde mir allerdings ziemlich übel, da ich jemanden kenne, der an derartigen Symptomen litt und gestorben ist. Ich ging dann  zu meinem Hausarzt, da ich das Gefühl hatte, Opfer eines Betrugs geworden zu sein. Er versicherte mir, daß meine Blutwerte im Normbereich lagen und versuchte mich zu beruhigen. Er sagte, er kenne kaum jemanden, der so ein Syndrom schon mal überlebt habe; das sei "kurz vor Petrus". Mein Blutdruck wurde sodann gemessen und betrug aufgrund der Aufregung ca. 150 zu 90.
Ich rief dann mehrmals bei der Indago GmbH an und bat um Rückruf von Fr. Dr. Bräuer, eine Fachärztin für Laboratoriumsmedizin, die meinen Befund unterzeichnet hatte. Es kam schließlich zu einem Gespräch mit ihr. Ich kündigte an, daß ich das ganze nicht bezahlen würde, weil ich es für eine Schlechtleistung und für eine Erregung eines Irrtums, ja Irreführung halte. Sie fühlte sich von mir persönlich beleidigt. Ich betonte, daß ich sie nicht beleidigen wolle und es nicht um sie als Person, sondern um ihre Funktion als Ärztin gehe. Meines Erachtens kann ein Laie "hepatorenales Syndrom " nur so verstehen, wie es im Lexikon definiert ist, zumal es auf der Mappe "Exemplar für den Patienten" heißt. Ich machte ausdrücklich klar, daß ich für eine Leistung, mit der man objektiv nichts anfangen kann, nicht bereit bin, auch noch etwas zu zahlen. Dem widersprach sie ausdrücklich. Die Leistung sei erbracht, sie könne doch nichts dafür, wenn ich mit dem Ergebnis nicht einverstanden sei. Man könne mit dieser Methode im Gegensatz zu anderen eben schon in einem ganz frühen Stadium Entwicklungen erkennen.

Ich bat sie, ihren Einfluß geltend zu machen und mir keine Rechnung zukommen zu lassen. Dies wollte sie mir nicht zusagen, sondern lediglich, daß sie die Sache nochmals in ihrem Kreis besprechen wolle. Es handele sich wohl um eine Fehlinterpretation meinerseits bzw. meines Arztes. Am Ende des Gesprächs wünschte sie mir für die Zukunft Gesundheit. Sie hoffe, ich würde nicht irgendwann einmal feststellen müssen, daß Frau Dr. Bräuer doch recht gehabt habe.

P.S.: Dieser Bericht wurde von mir, der Betroffenen, am 11. Februar 2007, mithin zeitnah an den Ereignissen erstellt. 
 
(Ende des Berichts der Patientin)



Die unten abgebildete Graphik gibt die von der Indago angeblich gemessenen "Parameter" wieder (Auschnitt aus dem Befundbericht)..
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Über das hepatorenale Syndrom schreibt Prof. Schaffner, Universität Zürich, in seinen Vorlesungsunterlagen:

Mortalität 95%, mittleres Überleben wenige Wochen

Verglichen mit dieser Diagnose ist die Diagnose Krebs geradezu harmlos, denn bei Krebs sind die Lebenserwartungen meist erheblich höher. Es besteht wohl kein Zweifel darüber, dass eine solche Diagnose für einen Patienten ein Schockerlebnis ist. Bei sensiblen Patienten könnte eine solche Fehl-Diagnose physische und psychische Schäden hinterlassen.

Hätte die Heilpraktikerin ernsthaft in Erwägung gezogen, dass diese Diagnose  richtig sein könnte, hätte sie sofort den Notarzt rufen und die Patientin ins Krankenhaus bringen lassen müssen. Andernfalls hätte sie sich einer unterlassenen Hilfeleistung schuldig gemacht. Als Heilpraktikerin darf sie eine solche Krankheit nicht behandeln.

Mir ist noch eine weitere Patientin bekannt, bei der die gleiche Diagnose gestellt wurde. Die "Therapeutin", welche die Nanopartikelanalyse angefordert hatte, war in diesem Fall eine Ärztin. Auch sie hatte keinen Grund gesehen, sofortige Hilfsmaßnahmen einzuleiten. Zum Glück war dieser Patientin die Tragweite der Diagnose nicht bewusst.