Die Nanopartikelanalyse der INDAGO GmbH

 


Universitäten als "Forschungspartner" der INDAGO



Die INDAGO/BMIB weist an verschiedenen Stellen auf "Forschungspartnerschaften" mit Universitäten hin. Offensichtlich soll dieser Hinweis den Eindruck der Seriosität vermitteln, z.B.:

" Wie in der Forschung üblich, sind solche Entwicklungen ein steter und fortlaufender Prozess, der nicht allein bewältigt werden kann. Mit verschiedenen universitären und privatwirtschaftlichen Partnern aus Europa arbeitet die Indago GmbH an diesen Prozessen."  >>

"Verschiedene Studien mit Universitäten und die wissenschaftliche Grundlagenarbeit mit unseren Partnern sind bereits weit fortgeschritten."  >>

Die INDAGO stellt damit ihre angebliche "Forschung" auf eine Stufe mit der Forschung an Universitäten. Offensichtlich soll der Leser glauben, die "Nanopartikelanalyse" sei eine Methode, die auch in den Labors der Universitäten entwickelt und angewandt werde. Es ist keine Frage, dass viele Leser sich von solchen Hinweisen beeindrucken lassen. Ich hielt das für Schwindel, habe aber trotzdem versucht, dieser Behauptung nachzugehen.


1. "Forschungspartner" Universität Frankfurt

Bei der Suche nach einer Zusammenarbeit der INDAGO mit Universitäten habe ich  eine Webseite der Universität Frankfurt gefunden in der ein Forschungsprojekt im Bereich Sportmedizin mit folgendem Eintrag vertreten ist:

Zusammenhangsprüfung eines labormedizinischen Dispositionsanalyseverfahrens für Mikrozirkulationsstörungen und arteriosklerotische Veränderungen mit der individuellen Leistungsfähigkeit und hämodynamischen Kenngrößen
Abschlusstermin: 2006
Fördernde Institution/Kooperationspartner: Biomedizinisches Institut Bingen (BMIB) GmbH
Mögliche Anwendungsfelder: Risikostratifizierung, Labormedizin

In einem Beitrag von Herrn Baumgärtel in einem kritischen Forum über die Nanopartikelanalyse findet man eine E-Mail vom 22.05.06 eines Mitarbeiters der Arbeitsgruppe von Prof. Banzer (Ausschnitt):

"Bei bestimmten wissenschaftlichen Fragestellungen haben wir neben unseren Routinelaboruntersuchungen auch die Nanopartikelanalyse parallel erhoben. Ergebnisse liegen uns noch keine vor.

Eine routinemäßige Applikation findet bei uns nicht statt."

Ich schrieb diesem Mitarbeiter mit Bezug auf seine E-Mail an Herrn Baumgärtel u.a.:

"Ich möchte Sie bitten, mir Einzelheiten mitzuteilen, insbesondere interessieren mich folgende Fragen:

1. Wie haben Sie die Substanzen des Blutes in Nanopartikel umgewandelt?
2. Welche Substanzen des Blutes haben Sie auf diese Weise bestimmt?"

Am 22.05.06 erhielt ich die folgende Information:

"Um Missverständnisse von vorneherein auszuräumen: Unsere Antwort bezog sich auf eine Anfrage von Herr Baumgärtel hinsichtlich einer Zusammenarbeit zwischen dem BMIB und der Abteilung Sportmedizin. Die methodische Durchführung der Nanopartikelanalyse im Rahmen dieser Zusammenarbeit lag in den Händen des BMIB. Weitere Untersuchungen sind bislang nicht vorgenommen worden."

Auf weitere Diskussionen wollte sich der Mitarbeiter nicht einlassen. Er verwies mich auf Prof. Banzer.

Die Zusammenarbeit mit der Universität Frankfurt beschreibt die INDAGO in ihrem Antrag auf einstweilige Verfügung (erwähnt auf der Hauptseite) folgendermaßen:

"Zunächst gibt es zum Beispiel eine Zusammenarbeit mit der Universität Frankfurt, dort in der Person des Prof. Dr. Dr. Banzer. Gegenstand dieses Zusammenwirkens ist die Überprüfung der Diagnostischen Relevanz der von der Antragstellerin (INDAGO) angebotenen Blutuntersuchungen im Rahmen sportmedizinischer Fragestellungen. Im Rahmen dessen liegen bereits Zwischenberichte zweier Studien vor, die mit der Universität Frankfurt durchgeführt werden, welche zu positiven Bewertungen kommen. Über die Studien sowie deren Ergebnisse kann eine Aussage durch den studienführenden Prof. Dr. Dr. Banzer erfolgen."

Auf meine Bitte, mir die Resultate seiner Studien zugänglich zu machen, schrieb mir Prof. Banzer am 14.09.06:

"Ja, das Thema ist wirklich spannend. Sobald wir die Studie veröffentlicht haben, schicke ich Ihnen gerne ein Exemplar."

Die Antwort von Prof. Banzer ist bemerkenswert. Welchen Grund gäbe es, mir diese, nach INDAGO-Angaben, positiven Ergebnisse zu verheimlichen?

Versucht man, die spärlichen Angaben zusammenzufügen, ergibt sich etwa folgendes Bild:
  1. Die INDAGO unterstützt Prof. Banzer mit finanziellen Mitteln, das geht aus der Formulierung "Fördernde Institution" hervor.
  2. Die Arbeitsgruppe Banzer überläßt der INDAGO ein paar Blutproben zur Untersuchung. Mit der Nanopartikelanalyse hat die Arbeitsgruppe Banzer nichts zu tun. Sie vertraut darauf, dass die ihr vorgelegten Ergebnisse mit dieser nicht durchführbaren Methode erzielt wurden.
  3. Daraus leitet die INDAGO die Berechtigung ab, zu behaupten, sie habe eine "Forschungspartnerschaft" mit der Universität Frankfurt.
Natürlich wird es die von Prof. Banzer angekündigte Veröffentlichung nicht geben, zumindest nicht in einer seriösen wissenschaftlichen Zeitschrift, denn hier gilt der Grundsatz, dass in einer Veröffentlichung die Methode so genau beschrieben werden muss, dass die Experimente an einer anderen Forschungsinstitution wiederholt  werden können. Unvorstellbar, dass eine seriöse wissenschaftliche Zeitschrift eine Arbeit akzeptiert, in der über eine sensationelle neue Methode zur Messung von Konzentrationen von Blutbestandteilen berichtet wird, bei der schon im ersten Schritt der Präparation alle biologisch relevanten Substanzen zerstört werden. Meine Argumente gegen die Existenz der Nanopartikelanalyse sind Prof. Banzer seit 22. Mai dieses Jahres bekannt.

Schlussfolgerung nach meinem gegenwärtigen Kenntnisstand:

Im Effekt hat sich die INDAGO/BMIB die Lizenz dafür, sich als "Forschungspartner der Universität Frankfurt" bezeichnen zu dürfen, mit finanziellen Zuwendungen gekauft.

An Prof Banzer habe ich in einer Mail am 15.11.06 auf diese Webseite hingewiesen u.a. geschrieben:
"Ich konnte natürlich nur die Informationen wiedergeben, die mir bekannt sind. Sollte diese Seite Ihrer Ansicht nach fehlerhaft sein, bitte ich Sie, mich darauf hinzuweisen. Ich werde das natürlich berücksichtigen.

Es wäre schön, wenn Sie die Angelegenheit kurz aus Ihrer Sicht schildern würden. Am besten so, dass ich Ihren Text oder Teile daraus direkt auf die Webseite übernehmen kann."
Bis heute (30.10.2009) habe ich keine Antwort erhalten.

Es ist bemerkenswert, dass die Kriminaitäts-Datenbank "Krimipedia" der Hamburger Universität unter dem Stichwort "Wissenschaftskriminalität" Prof. Banzer an erster Stelle anführt.

Anmerkung: Auf den Hinweis auf die Banzer'sche Studie in der Stellungnahme von Prof. De Bruijn gehe ich hier nicht ein, da dieser, wie bereits erwähnt, zu einer anderen Methode Stellung genommen hat.


2. "Forschungspartner" Sporthochschule Köln

Der bereits erwähnte Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gegen mich enthält noch einen weiteren Hinweis auf eine "Zusammenarbeit" mit einer Hochschule:
"Des weiteren verweisen wir auf eine Kooperationsvereinbarung mit der Deutschen Sporthochschule Köln (Zentrum für Leistungsdiagnostik) anhand derer eine Zusammenarbeit mit der Antragstellerin belegt wird.
Glaubhaftmachung: Stellungnahme zur Kooperationsvereinbarung als Anlage K2
Diese Kooperationsvereinbarung bezog sich ursprünglich auf das Wiesbach Institut, wurde jedoch mit der Antragstellerin unverändert fortgeführt."
Auf meine Anfrage teilte mir der Justitiar der Sporthochschule Köln, Herr Krannich, mit:

 "Nach Rücksprache mit Herrn Sebastian Weber, einer Hilfskraft der Deutschen Sporthochschule, der an der seinerzeit angefangenen Studie unter Prof. Dr. Platen (heute Uni Bochum) mitarbeitete, kann ich Ihnen folgendes zu der Kooperation mit dem Wiesbach Institut mitteilen:

 „In einem Projekt aus dem Jahr 2003 wurden die damals unter der Bezeichnung Blutkristallanalysen angebotenen Verfahren an 12 Probanden im Rahmen einer Trainingsstudie durchgeführt. Der Kontakt zum Wiesbach Institut kam über Frau Prof. Dr. Platen zustande. Die Analysen wurden seinerzeit in dem ersten Durchgang (es waren ca. 3 x 12 Probanden) durchgeführt. Die weiteren zwei geplanten Analysedurchgänge wurden nicht durchgeführt.

 Zum einen ist dies damit zu begründen, dass die Verfahren sich nicht bewährt haben, zum anderen wurde das Wiesbach Institut in der bis dato existierenden Form umgebaut, aufgelöst o.ä. Da die Maßnahmen nicht wirklich geholfen haben, und im Kontext der Studie nicht den Anschein machten, wissenschaftlich nutzbar zu sein (im Sinne davon, dass keine validierten Aussagen möglich waren), wurde die Zusammenarbeit nicht aufrecht erhalten.“

Die Indago hat das Gericht getäuscht -  es gibt keine wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen der Indago und der Sporthochschule Köln.

Am 14.11.06 habe ich Frau Prof. Platen in einer E-Mail gebeten u.a. zu folgenden Fragen Stellung zu nehmen:

"Was ist eine "Blutkristallanalyse"?
Welche Substanzen wurden mit dieser Methode (angeblich) gemessen?
Ist das Wiesbach Institut in diesem Zusammenhang als "Fördernde Instiution" aufgetreten?"

Bis heute (11.01.07) habe ich keine Antwort erhalten.