Aus juristischen Gründen wurden einige Worte aus dem Text gestrichen.

PD Dr. Klaus Keck                    Jacob-Burckhardt-Str. 14         78464 Konstanz
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                                                                                                    Konstanz, den 19.06.06
An den Vorsitzenden des
ZDF-Fernsehrates
Herrn Ruprecht Polenz
Zweites Deutsches Fernsehen

55100 Mainz



Beschwerde über nano-Sendung


Sehr geehrter Herr Polenz,

vermutlich haben Sie eine Kopie des Schreibens von Herrn Schächter vom 31.05.06 (Datum des Poststempels 12.06.06) an mich erhalten. Ich will nicht verhehlen, dass ich empört bin.

Es scheint Herrn Schächter nicht zu interessieren, dass ein Wissenschaftsmagazin das unter seiner Federführung produziert wird, eine Werbesendung für ------------- Firma sendet. Ich habe volles Verständnis dafür, wenn Herr Schächter zunächst vermutet, dass meine Beschwerde nicht gerechtfertigt ist. Er hätte sich aber innerhalb weniger Stunden darüber Klarheit verschaffen können. Das unwürdige Spiel, die Verantwortung dem SWR zuzuschieben, obwohl doch das ZDF als federführender Sender die Verantwortung trägt, finde ich inakzeptabel.

Herr Schächter schreibt, er habe mein Schreiben an die zuständige ARD-Koordination 3sat weiter gereicht. Vermutlich wird die Koordination einen Juristen zu Rate ziehen, der feststellt, dass die "Zulieferung" des SWR lediglich ein Angebot darstellt und die Verantwortung für die Ausstrahlung doch beim ZDF liegt. Das Spielchen lässt sich beliebig fortsetzen.

Soll ich daraus schließen, dass ich einen Rechtsanwalt engagieren muss, einen Fachmann für Staatsrecht natürlich, um herauszufinden, wer denn schließlich für diese Sendung die Hauptverantwortung trägt? Beim Intendanten des SWR, Herrn Prof. Voß, hatte ich mich bereits am 06.04.06 per E-Mail über die Sendung beschwert. Eine Antwort habe ich nicht erhalten.

Ich wende mich jetzt direkt an Sie als Vorsitzenden des ZDF-Fernsehrates und bitte Sie darauf zu dringen, dass
Eile ist geboten, weil sich der sensationelle Inhalt dieser Sendung herumspricht und auch von einigen Printmedien weiterverbreitet wird.  Die ---------  Firma und die ihr zuarbeitenden über hundert Ärzte wenden sich in erster Linie an Eltern (siehe z.B. www.adhs-ratgeber.de), deren Kinder an der Krankheit AD(H)S leiden, einem auch als Zappelphilip-Krankheit bekannten Leiden, welches die Entwicklung der Kinder negativ beeinflussen kann und auch für die soziale Umwelt der Kinder, wie Mitschüler und Lehrer ein Problem darstellt. Kindern mit dieser Krankheit fällt es schwer, sich zu konzentrieren und z.B. dem Unterricht aufmerksam zu folgen.

Die oft verzweifelten Eltern dieser Kinder setzen ihre Hoffnung auf jedes neue Therapieangebot und sind bereit auch erhebliche private Kosten in Kauf zu nehmen. Mit der Nanopartikelanalyse, einem "einzigartigen" High-Tech-Diagnoseverfahren, das alle anderen bekannten Diagnoseverfahren weltweit in den Schatten stellt, verspricht die Firma BMIB, und das wurde auch in der nano-Sendung deutlich, diesen Eltern Hilfe.

Da meine Beschwerde beim Intendanten erfolglos war, bitte ich Sie, sich zunächst selbst über die Haltbarkeit meiner Vorwürfe zu informieren. Das ist sehr einfach, weil die Behauptungen der Firma so absurd sind, dass jeder Mediziner (na ja , fast jeder) in der Lage ist, dazu kompetent Stellung zu nehmen. Die erforderlichen Informationen finden Sie auf meiner Webseite: www.xy44.de/tv/nano . Erweisen sich meine Vorwürfe als falsch, brauchen Sie ja nichts weiter zu unternehmen, als mir dies mitzuteilen.

Selbst als Werbesendung ist dieser Beitrag ein klarer Verstoß gegen das Gesetz

Gesetz über die Werbung auf dem Gebiete des Heilwesens, § 3

Unzulässig ist eine irreführende Werbung. Eine Irreführung liegt insbesondere
dann vor, wenn Arzneimitteln, Verfahren, Behandlungen, Gegenständenoder anderen Mitteln eine therapeutische Wirksamkeit oderWirkung beigelegt werden, die sie nicht haben,...

wenn unwahre oder zur Täuschung geeignete Angaben

a) über die Zusammensetzung oder Beschaffenheit von Arzneimitteln,
Gegenständen oder anderen Mitteln oder über
die Art und Weise der Verfahren oder Behandlungen oder
b) über die Person, Vorbildung, Befähigung oder Erfolge des
Herstellers, Erfinders oder der für sie tätigen oder tätig werdenden
Personen gemacht werden.

Darüber hinaus ist es dringend erforderlich, zu untersuchen, wie es passieren konnte, dass
Es waren Mitarbeiterinnen des ZDF, die sich hierbei hervorgetan haben. Ich möchte unterstreichen, dass meine Kritik and der Methode so allgemeinverständlich ist, dass sicher jeder, der einen normalen naturwissenschaftlichen Unterricht in der Schule erhalten hat, meiner Argumentation folgen kann. Ein besonderes Fachwissen ist nicht erforderlich.

Als Außenstehender fällt es mir schwer, mir eine Vorstellung davon zu machen, welche Vorgänge in einer Redaktion ablaufen. Mangels genauerer Informationen kommen für mich nur drei Szenarien in Betracht:

Eine Untersuchung sollte sorgfältig durchgeführt werden, von unbeteiligten Personen, am besten von externen Beauftragten. Ich vermute, dass durch eine kompetente Untersuchung dieses Falles Erkenntnisse über Zusammenhänge gewonnen werden können, die auch, vielleicht weniger auffällig, in anderen Redaktion und Arbeitsgruppen wirksam sind (nicht nur im ZDF). Werden solche Zusammenhänge bewusst gemacht und öffentlich problematisiert, kann man ihnen auch entgegenwirken.

Als Anlagen erhalten Sie eine CD mit der nano-Sendung (etwa 7 min.) und einen Text, in dem ich den ganzen Vorgang noch einmal dargelegt habe. Hier finden Sie auch die "Gegendarstellung" der nano-Redaktion und meine Anmerkungen dazu. Dieser Text ist noch unfertig, und soll, nach Überarbeitung, als Information für die Presse dienen.


Mit freundlichen Grüßen



Klaus Keck

Anlagen:

1. CD mit der 3sat-Sendung über "Nanopartikelanalyse". Das Video sollte beim Einlegen der CD starten, sonst bitte Doppelklick auf Video_TS.VOB. Im Ordner "Doku" befindet sich der Kommentar als pdf-Datei zum direkten Anklicken der Links.
2. Kommentar zu der Diagnosemethode "Nanopartikelanalyse".