Esoterische Diplomarbeiten

Diplomarbeit: Skalarwellenempfänger

Spätestens 1999, bei der Genehmigung der Diplomarbeit mit dem Titel "Skalarwellenempfänger" durch den Prüfungsausschuß, war die FH auch offiziell mit der Meyl'schen "Neuen Physik" befaßt. Nach meinem Wissensstand ist die Entwicklung des oben beschriebenen Demo-Sets Inhalt dieser Arbeit. Dieses Diplomarbeits-Thema hätte nicht genehmigt werden dürfen, aus folgenden Gründen:

  1. Die Studien- und Prüfungsordnung der Fachhochschule Furtwangen legt in §26, Zif.1 fest, daß in der Diplomarbeit eine Aufgabenstellung aus dem Fach nach wissenschaftlichen Methoden bearbeitet werden soll. Da es für jeden mit naturwissenschaftlichen Grundkenntnissen klar sein mußte, daß es die von Meyl postulierten Skalarwellen nicht gibt, hätte eine solche Arbeit durch den Prüfungsausschuss nicht vergeben werden dürfen. Schon die einfache Überlegung, daß solche Wellen, nach Meyls Angaben, vor 100 Jahren von Tesla entdeckt und dann vergessen wurden, ist so abenteuerlich, daß man von Professoren in dem Fachgebiet Elektronik erwarten mußte, daß sie die Unsinnigkeit einer solchen Annahme erkennen. Aber selbst, wenn darüber Unklarheit geherrscht hätte, wäre es mit geringem und zumutbarem Aufwand möglich gewesen, z.B. durch eine paar Telefonate mit Kollegen, gegebenenfalls an anderen Hochschulen, sich darüber Klarheit zu verschaffen. Da Meyl sich auf Tesla beruft, hätte man auch durch Studium der von Meyl als Referenz angeführten Patenschriften Teslas sehr schnell zu der Einsicht gelangen können, daß Tesla solche Wellen nicht beschrieben hat. Zu diesem Zeitpunkt mußte dem Prüfungsausschuß bekannt gewesen sein, welche "merkwürdigen Thesen" Meyl in seinen Vorlesungen vertritt. Es wäre ja wohl naheliegend gewesen, diese Thesen bei der Beurteilung des Antrages zu berücksichtigen.
  2. Bei der Beantragung muß ein Projektplan vorgelegen haben, in dem dargelegt wurde, wie das Ziel der Arbeit, also die Konstruktion eines Skalarwellenempfängers, bewerkstelligt werden sollte. Selbst, wenn der Prüfungsausschuß dem oben angeführten Punkt keine Bedeutung beigemessen hätte, so hätte er sich doch versichern müssen, daß (1) das Projekt mit wissenschaftlichen Methoden bearbeitet werden würde und (2) daß für das geplante Projekt ein Betreuer zur Verfügung steht, der über die erforderlichen Fachkenntnisse in Hochfrequenztechnik verfügt. Es mußte bekannt sein, daß der Arbeitsgruppenleiter nicht über die notwendige Kompetenz auf diesem Gebiet verfügt. Eine Zusammenarbeit mit einer kompetenten Arbeitsgruppe war offenbar nicht vorgesehen. Es war zu erwarten, daß hier eine dilettantische Arbeit angefertigt werden würde.
  3. Die Diplomarbeit ist ein wichtiger Teil des Studiums. Hier soll ein junger Ingenieur seine Fähigkeiten unter Beweis stellen. Bei einer späteren Bewerbung wird der zukünftige Arbeitgeber diese Arbeit zur Beurteilung eines Bewerbers heranziehen. Deshalb sind die meisten Diplomanden daran interessiert, ein Thema zu bearbeiten das sich mit einer aktuellen technischen Entwicklung befaßt. Nach Melys eigenen Angaben handelte es sich hier aber um einen "historischen Nachbau" einer Anordnung mit vier Drahtspulen, die Tesla von 100 Jahren konstruiert haben soll. Eine Arbeit mit einem intellektuell und praktisch so anspruchslosen Niveau hätte der Prüfungsausschuß schon im Interesse des Diplomanden nicht genehmigen dürfen. Welche Fähigkeiten wird wohl ein Arbeitgeber von einen Bewerber erwarten, der behauptet, in seiner Diplomarbeit Raumenergie eingefangen und Overunity gemessen zu haben?


Der Zweitgutachter

Ebenfalls unverständlich ist die Tatsache, daß nicht nur der Betreuer Meyl, sonder auch der Zweitgutachter, offenbar ein positives Urteil abgegeben und die Arbeit nicht zurückgewiesen hat. Das läßt vermuten, daß es sich hier um ein Gefälligkeitsgutachten handelt.



Das Diplomarbeitskolloquium

Die dritte Instanz, die eine Diplomarbeit durchlaufen muß, ist die Vorstellung im Diplomarbeitskolloquium. Dieses fand am 21.01.2000 statt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte quasi ein Aufschrei durch den Fachbereich gehen müssen. Man hätte den Diplomanden auffordern sollen, eine neue Diplomarbeit unter einem anderen Betreuer anzufertigen. Natürlich ist das eine schwerwiegende Entscheidung. Mir ist kein Fall bekannt, wo eine Hochschule auf eine zweite Diplomarbeit gedrungen hätte. Aber mir ist auch kein Fall bekannt, wo eine Diplomarbeit sich mit einem derart pseudowissenschaftlichem Thema befaßt hätte und die Arbeit dann auf eine Weise durchgeführt wurde, die man nur als dilettantisch bezeichnen kann. Ich bin sicher, daß unter normalen Umständen, bei Abwägung aller Gesichtspunkte, die Karriere eines Diplomanden durch eine neue Arbeit mehr gefördert worden wäre als durch die Annahme dieser Arbeit

Aber offensichtlich haben wir es hier nicht mit normalen Umständen zu tun. Die Arbeit ist offensichtlich so positiv bewertet worden, daß der Diplomand jetzt, wie ich aus zuverlässiger Quelle weiß, eine Doktorarbeit anfertigt, über das gleiche Thema, mit Meyl als Betreuer und Beck (Professor an der technischen Universität Clausthal) als Doktorvater. Da meines Wissens die oben beschriebenen Versuche Inhalt der Diplomarbeit waren, muß ich schließen, daß auch die oben erwähnten Täuschungen und Irreführungen Teil dieser Arbeit sind. Wahrhaft eine gute Voraussetzung für eine redliche wissenschaftliche Karriere! Hat man vielleicht damit zu rechnen, daß demnächst auch Skalarwellen- und Overunity-Technik offiziell als eigenes Fach in der Lehre vertreten sein werden? Wenn nicht in Furtwangen, dann vielleicht in Clausthal?

Meyl schreibt auf seiner Website unter Bezugnahme auf sein Demo-Set (Auszug):
http://www.k-meyl.de/de/Demo-Set/HF-Hinweise/hf-hinweise.html

Zum Beispiel werden bei den beiden ausgezeichneten Frequenzen auch zwei Wellen mit gänzlich unterschiedlichen Eigenschaften demonstriert: einmal die bekannte HF-Welle und bei der höheren Frequenz die Skalarwelle. Dies müsste eine Simulation und Berechnung als Wellenleiter richtig wiedergeben – aber das ist noch niemandem gelungen. Im Rahmen einer von mir betreuten Doktorarbeit sollen Simulationsberechnungen helfen, diese Frage zu klären. Dies wird vermutlich mehrere Jahre in Anspruch nehmen.

Man kann im Interesse des ehemaligen Diplomanden und jetzigen Doktoranden nur hoffen, daß er seine Zeit nicht mit diesem pseudowissenschaftlichem Unsinn verschwendet.

 

Die Verantwortung des Diplomanden

Es ist keine Frage, dass ein Diplomand in einem Abhängigkeitsverhältnis zu seinem Diplomvater steht und in einer Diplomarbeit nicht einfach das schreiben kann, was er für richtig hält. Andererseits ist ein Diplomand ein ausgebildeter Ingenieur, der wissen muß, was er verantworten kann. Man hätte von dem Diplomanden erwarten müssen, dass er die Unsinnigkeit seines Diplomthemas durchschaut und sich rechtzeitig um ein anders Thema bemüht. Er hätte auch frühzeitig erkennen müssen, daß die Vorgehensweise Meyls bei diesem Thema dilettantisch und unredlich war und er gezwungen sein würde Meyls übles Spiel mitzuspielen.


Diplomarbeit: Optimierung der Elektrolyse


Nicht genug mit der Diplomarbeit über Skalarwellenempfänger, es ist noch mindestens eine zweite pseudowissenschaftliche Diplomarbeit unter Meyls Betreuung angefertigt worden mit dem verharmlosenden Titel: Optimierung der Elektrolyse. Gemeint ist hier die Elektrolyse von Wasser. Auch dieses Thema hätte der Prüfungsauschuß nicht genehmigen dürfen. Bekanntlich läuft die Elektrolyse von Wasser praktisch quantitativ ab. Deshalb wurde von Faraday schon 1834 ein Voltameter zur Strommessung entwickelt, bei dem die Knallgasproduktion volumetrisch gemessen wurde. Was sollte also optimiert werden? In dem von Meyl verbreiteten Schrifttum kann man nachlesen, was damit gemeint ist: Das Wasserauto. Nach Meyl existieren bereits Kraftfahrzeuge, die statt mit Benzin, mit Wasser fahren. Alle oben erwähnten Gesichtspunkte treffen auch für diese Arbeit zu.

Weitere pseudowissenschaftliche Diplomarbeiten

Auf seiner Website:

schreibt Meyl:

Es werden Experimente und Versuche zu den besonderen Eigenschaften der Potentialwirbel durchgeführt, als auch Verfahren zur Vermeidung von Abstrahlungen aus elektronischen Schaltungen entworfen. Aus diesen Experimenten sind auch schon zahlreiche Diplomarbeiten rund um das Thema Potentialwirbel entstanden.

Es wäre interessant Näheres über diese Arbeiten zu erfahren.

Auf meine Anfrage, warum die zwei oben genannten Diplomarbeiten genehmigt worden seien, teilte mir der Dekan mit:

Prinzipiell ist es zulässig, im Rahmen von Diplomarbeiten auf offenen/ungeklärten Gebieten tätig zu werden, um neue Erkenntnisse zu gewinnen. Dies ist häufig bei umstrittenen Gebieten unumgänglich. Zu dem damaligen Zeitpunkt war die Diskussion noch nicht so stark kritisiert wie heute. Herr Meyl ist berufener Kollege in unserem Hause und es bestand daher zum damaligen Zeitpunkt kein Anlaß, Aktivitäten in dieser Richtung zu unterbinden, da damit auch umstrittene Inhalte beleuchtet werden könnten. Dementsprechend wurden diese Diplomarbeiten genehmigt (lag m.W. aber noch im Vorgängerfachbereich Elektronik ER).

Der Fachbereich distanziert sich seit jeher von den Theorien von Herrn Meyl. Dies war in dem Kolloquium ebenso zu sehen wie bei vielen anderen Diskussionen.

Dazu möchte ich anmerken: Skalarwellen und Neutrinolyse sind keine offenen/ungeklärteThemen. Da kann man auch keine neuen Erkenntnisse gewinnen. Wie bereits oben erwähnt, wäre es nicht schwer gewesen, zu dieser Einsicht zu gelangen.

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