Die merkwürdige Rolle der Fachhochschule Furtwangen



Esoterische Vorlesungen



Meyl hat seit einigen Jahren die Vorlesung über Elektromagnetische Umweltverträglichkeit gehalten. Die bereits erwähnten Bücher (siehe "Meyls Neue Physik" ) waren Begleitmaterial, geben also den Inhalt der Veranstaltungen wieder. Einen Eindruck einer solchen Vorlesung vermittelt der Spiegel-Artikel (mit freundlicher Genehmigung des Spiegel)

Ich kann mir nicht vorstellen, daß nicht wenigstens einige Dozenten der Fachhochschule diese Bücher gelesen haben oder doch wenigstens über deren Inhalt unterrichtet waren. Man kann sicher davon ausgehen, daß an einer kleinen Fachhochschule wie der FH Furtwangen sich solch "merkwürdigen" Thesen, wie Meyl sie in seinen Vorlesungen und Seminaren verkündet, in wenigen Tagen herumsprechen. Diese Vorlesungen waren Wahlpflichtveranstaltungen. Die Studenten mußten diesen Stoff lernen und in Prüfungen wiedergeben.

Auf die Tatsache, daß dieser Stoff auch in internationalen Kursen angeboten wurde, habe ich bereits hingewiesen (Syllabus). Diese Kurse wurden finanziell von der Bund-Länder-Kommission unterstützt. Der FH müßte auch bekannt gewesen sein, daß Meyl seine obskuren Thesen auch an anderen Universitäten in Vorträgen und Seminaren zum besten gibt.

Schließlich mußte die FH auch Kenntnis davon haben, welche Vorträge und Seminare Meyl als Professor der FH bei verschieden Gelegenheiten in der "alternativen" Szene hielt. Die FH hat Meyl sogar für solche Veranstaltungen z.B. Wochenendseminaren (Teilnehmergebühren bis DM 470.-) Räume in der Fachhochschule zur Verfügung gestellt (Beispiele: 1, 2). Der FH hätte auch klar sein müssen, daß die Tatsache, daß hier ein Professor der FH die Seminare veranstaltet, den Zuhörern das Vertrauen gibt, daß die hier vertretenen Vorstellungen und Thesen dem aktuellen Stand der Wissenschaft und Technik entsprechen. Dieses Publikum ist den Thesen Meyls quasi hilflos ausgeliefert, weil es das Vorstellungsvermögen solcher Leute übersteigt, dass ein Professor einer Hochschule sie für dumm verkaufen könnte.

Die Veröffentlichung des "Begleitmaterials" in Buchform konnten dem Fachbreich ebenfalls nicht verborgen bleiben, zumal die 1. Auflage der "Elektromagnetische Umweltverträglichkeit, Teil 1: Umdruck zur Vorlesung" schon 1996 erschienen war.

Schon zu diesem Zeitpunkt hätten die unsinnigen Thesen Meyls im Fachbereich diskutiert werden müssen. Es ist kaum vorstellbar, daß es Dozenten in diesem Fachbereich gibt, die z.B. ein Elektron mit einer positiven Ladung im Zentrum klaglos akzeptiert hätten. Aber selbst in diesem Falle, wenn keine Übereinstimmung über die Vertretbarkeit der Thesen hätte erzielt werden können, hätte man Experten zu Rate ziehen können. Jeder Physiklehrer an einem beliebigen Gymnasium hätte hier vermutlich alle Zweifel beseitigen können. Auch ohne Vorgaben durch das Fachhochschulgesetz hätte jedem Lehrenden klar sein müssen, daß alle Studenten einen Anspruch darauf haben, nach dem gegenwärtigen Stand von Wissenschaft und Technik unterrichtet zu werden. Der Fachbereich bzw. die Fachhochschule muß sich vorwerfen lassen, daß diese selbstverständliche Aufsichtspflicht jahrelang vernachlässigt wurde. Das Verhalten der FH kann wohl nur als intensives Nicht-zur-Kenntnisnehmen bezeichnet werden. Vermutlich hat jeder, der die Umstände kannte, vielleicht aus falsch verstandener Kollegialität, für sich entschieden, daß ihn das nichts anginge. Meiner Ansicht nach, ist der Fachhochschule hier grobes Fehlverhalten vorzuwerfen, zumal doch wohl kein Zweifel darüber bestehen konnte, daß die FH hier eine Rufschädigung in Kauf nehmen mußte.

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