Wissenschaftliches Fehlverhalten und die Freiheit der Wissenschaft


Auch im Bereich der Hochschulen gibt es schwarze Schafe, die es mit der wissenschaftlichen Redlichkeit nicht so genau nehmen. Als Reaktion auf einige Fälle von wissenschaftlichem Fehlverhalten, die durch die Presse der Öffentlichkeit bekannt wurden, haben sich wichtige Gremien der Hochschullandschaft und der Wissenschaft mit diesem Problem beschäftigt. Das führte dazu, daß in die Hochschulgesetze neue Forderungen eingefügt wurden, welche die Wissenschaftler verpflichten, bestimmte, allgemein anerkannte Grundregeln wissenschaftlichen Arbeitens und Publizierens zu beachten. Diese Regeln stellen den Rahmen dar, in der Forschung und Lehre stattfinden muß.


Gesetzliche Regelungen

Im Fachhochschulgesetz ist in §40c unter anderem festgelegt:

(2) Für alle an der Fachhochschule wissenschaftlich Tätigen gilt § 56 a Abs. 1 des Universitätsgesetzes entsprechend.
(3) Im Rahmen der Selbstkontrolle in der Wissenschaft sollen die Fachhochschulen Regeln zur Einhaltung der allgemein anerkannten Grundsätze guter wissenschaftlicher Praxis und zum Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten aufstellen.

Im Universitätsgesetz wird gefordert:
§56a: Wissenschaftliche Redlichkeit

(1) Alle an der Universität wissenschaftlich Tätigen sind zu wissenschaftlicher Redlichkeit verpflichtet. Hierzu sind die allgemein anerkannten Grundsätze guter wissenschaftlicher Praxis einzuhalten. Ein Verstoß hiergegen liegt insbesondere vor, wenn in einem wissenschaftserheblichen Zusammenhang vorsätzlich oder grob fahrlässig Falschangaben gemacht werden, geistiges Eigentum anderer verletzt oder die Forschungstätigkeit Dritter erheblich beeinträchtigt wird.


Was ist wissenschaftliches Fehlverhalten?

Ich führe hier einige Textstellen an, die deutlich machen sollen, was unter wissenschaftlichem Fehlverhalten, wissenschaftlicher Redlichkeit und lege artis zu verstehen ist.

Auszüge aus der Resolution des 50. Hochschulverbandstages 2000 "Selbstkontrolle der Wissenschaft und wissenschaftliches Fehlverhalten"

Jedes wissenschaftliche Fehlverhalten verletzt das Selbstverständnis des Wissenschaftlers. Es zerstört das Vertrauen, das die Öffentlichkeit in die Lauterkeit der Wissenschaft setzt. Ohne dieses Vertrauen verliert das Zusammenleben von Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ihre Grundlage. Wer dieses Vertrauen gefährdet, gefährdet nicht nur seinen eigenen Ruf, sondern auch den der Universitäten und der Wissenschaft insgesamt.

Die Grundregeln wissenschaftlicher Arbeit sind in allen Disziplinen der Wissenschaft gleich. Oberstes Prinzip ist die Ehrlichkeit gegenüber sich selbst und anderen. Die Redlichkeit in der Suche nach Wahrheit und in der Weitergabe von wissenschaftlicher Erkenntnis bildet das Fundament für die Berufsausübung des Universitätslehrers.

Gemeinsames Merkmal wissenschaftlichen Fehlverhaltens ist die wissenschaftliche Unredlichkeit.

Die Universitätslehrer sind aufgerufen, allgemeine Regeln guter wissenschaftlicher Praxis zu formulieren und einzuhalten. Dazu gehören unter anderem die Verpflichtung, lege artis zu arbeiten, Forschungsergebnisse zu dokumentieren, Ehrlichkeit und Unvoreingenommenheit gegenüber Partnern wie Konkurrenten sowie die Bereitschaft zum konsequenten Zweifel an den Ergebnissen der eigenen wissenschaftlichen Arbeit. Jeder Wissenschaftler ist dazu verpflichtet, sich die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis bewusst zu machen und in seiner wissenschaftlichen Tätigkeit in Forschung und Lehre anzuwenden.

Universitätslehrer tragen auch für die wissenschaftliche Arbeit der Studierenden Verantwortung. Sie haben daher den Studierenden frühzeitig die Grundsätze wissenschaftlicher Arbeit vorzuleben und zu vermitteln. Sie haben Sorge dafür zu tragen, dass der wissenschaftliche Nachwuchs die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis lernt. Studierende und wissenschaftlicher Nachwuchs sind für das Erkennen wissenschaftlichen Fehlverhaltens zu sensibilisieren.

 

Was bedeutet das in der wissenschaftlichen Praxis?

Diese anerkannten Grundsätze wissenschaftlicher Praxis gelten, solange es moderne Wissenschaften gibt. Ohne diese, an sich selbstverständlichen Grundsätze, ist wissenschaftliche Erkenntnis nicht denkbar.

Kritische Bewertung der Literatur
Die kritische Bewertung der Literatur, d.h. von Publikationen anderer Autoren gehört zu den unverzichtbaren Leistungen die jeder Wissenschaftler erbringen muß. Die Arbeiten Anderer sind stets Ausgangspunkt für die eigenen Überlegungen. Dabei muß jeder Wissenschaftler klar unterscheiden zwischen experimentell gesicherten Ergebnissen und Vermutungen oder Spekulationen. Üblicherweise werden in naturwissenschaftlichen Veröffentlichungen nur Originalbeiträge zitiert, die in anerkannten Fachzeitschriften publiziert wurden und das übliche Gutachtersystem durchlaufen haben. Anerkannte Fachzeitschriften sind solche, die von den meisten Wissenschaftlern eines Fachgebietes regelmäßig gelesen werden, die also in den Bibliotheken der meisten Universitäten oder Instituten dieser Fachrichtung vorhanden sind.

lege artis
Jeder Wissenschaftler ist verpflichtet, seine Forschung an dem gegenwärtigen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis auszurichten und mit Methoden, die dem gegenwärtigen Stand der Wissenschaft und Technik entsprechen, zu arbeiten.

Interpretation der eigenen Versuche, Schlußfolgerungen und neue Einsichten
Die Schlußfolgerungen müssen sich eng an die eigenen Versuche halten. Interpretationen, die darüber hinausgehen, sind zwar möglich, aber es muß aus der Formulierung klar hervorgehen, ob weitergehende Aussagen zwingend sind, oder ob es sich um Vermutungen handelt. Andere mögliche Schlußfolgerungen müssen grundsätzlich ebenfalls diskutiert und ihre Ablehnung muß begründet werden. Die Arbeiten anderer Wissenschaftler muß in die Diskussion einbezogen werden, auch solche, die zu gegenteiligen Ergebnissen oder Schlußfolgerungen kommen.

Veröffentlichung der eigenen Ergebnisse
Ein Grundsatz der Publikation wissenschaftlicher Ergebnisse ist die genaue Beschreibung der Versuche. Hierbei dürfen Versuchsergebnisse, die nicht zu dem erwarteten Ergebnis führen, nicht unterschlagen werden. Die Versuche müssen so dargestellt werden, daß sie von jedem Fachmann auf diesem Gebiet nachgemacht werden können. Nur so ist eine Nachprüfung möglich. Wichtige Ergebnisse werden erst dann von der wissenschaftlichen Gemeinschaft akzeptiert, wenn sie von mehreren Arbeitsgruppen bestätigt wurden.

Links zu diesem Thema:

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat folgende Empfehlungen veröffentlicht:
http://www.dfg.de/aktuelles_presse/reden_stellungnahmen/download/empfehlung_wiss_praxis_0198.pdf


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