Neuere Entwicklungen in Furtwangen


Man hätte vermuten können, daß das Erscheinen eines Spiegel-Reportes in Furtwangen, der sich für die Meyl'schen Theorien interessiert, die FH in helle Aufregung versetzen würde und sie versuchen würde, Meyl möglichst zu verstecken und so zu tun, als wüßte sie von seinen Behauptungen nichts. Das war offensichtlich nicht der Fall. Der Spiegel (Spiegelartikel) berichtete anschaulich über Meyls Vorlesung. Der Prorektor verglich Meyl sogar mit Kopernikus. Entsprechend schreibt das NET-Journal , die bereits erwähnte Hauszeitschrift der Raumenergieanhänger (Heft 5/6, 2001):

Aus dem Artikel erfährt der Leser erstmals explizit den Grund, weshalb sich Prof. Meyl bei seinen Vortragsreisen relativ sicher fühlen darf. Der Journalist hat nämlich den Prorektor Werner Ruoss der Fachhochschule Furtwangen gefragt, ob sie angesichts der weltbewegenden Theorien ihres Hochschullehrers nicht um ihren Ruf bange? Nein, meinte dieser, denn Meyl gebe dort nur eine "Wahlpflichtvorlesung", die nicht zur Grundausbildung gehöre. Ausserdem: "Sie müssen bedenken: Auch Kopernikus wurde seinerzeit verketzert!"

Dennoch hat sich seit dem Erscheinen des Spiegelartikels einiges verändert. Diese Veränderungen sind sicher auch auf Bruhns beharrliche Vorstellungen beim Dekan mit Hinweisen auf die pseudowissenschaftlichen Lehrveranstaltungen Meyls zurückzuführen. Bei einem Vortrag Bruhns in Furtwangen hat auch Professor Ruoss, inzwischen Rektor, seine Meinung zu Meyls Thesen dargelegt.

Ich gebe hier die Meinung der FH wieder, wie sie sich aus den erwähnten Äußerungen des Rektors und aus mehreren Schreiben des Dekans darstellt.

Besonders interessant finde ich in diesem Zusammenhang folgende Informationen:

 

Das Dienstzimmer als Tatort

Meyl ist kein experimenteller Wissenschaftler. Die wenigen Experimente, die er der Öffentlichkeit mitgeteilt hat, sind die, welche im Rahmen der zwei erwähnten Diplomarbeiten durchgeführt wurden. Diese wurden durch die FH genehmigt und können der Steinbeis-Stiftung nicht in die Schuhe geschoben werden. Meyls "wissenschaftliche" Tätigkeit beschränkt sich auf eine geistige und schriftstellerische Tätigkeit. Es ist merkwürdig, daß die FH die Meinung vertritt, daß die Verantwortung der FH nur dann tangiert sei, wenn Meyl in den Räumlichkeiten der FH über seine "Neue Physik" nachdenkt oder hier seine Vorträge verfaßt.

In vielen Wissenschaften findet die Forschungstätigkeit vorzugsweise am häuslichen Schreibtisch statt. Trägt dann die Hochschule keine Verantwortung? Dann könnte jeder Wissenschaftler, der bei einem Fehlverhalten ertappt wird, einwenden, er habe die beanstandete Arbeit zu Hause verfaßt und mit diesem Argument jedes disziplinarische Verfahren abwenden.

Wie könnte denn die FH sicherstellen, daß Meyl seiner esoterischen Tätigkeit nicht in den Räumlichkeiten der FH nachgeht? Darf Meyl erst nach Verlassen der FH-Gebäude wieder über seine "Theorie" nachdenken oder erst, wenn er mit dem Wagen die Stadtgrenze erreicht hat? Wie will sich die FH verhalten, wenn Meyl beispielsweise während einer Seminarveranstaltung eines Kollegen über seine Themen nachdenkt?

Meyl ist Professor, weil die FH ihn mit der Lehre beauftragt und ihm diesen Titel verliehen hat. Ohne diesen Titel wären die "Meyl'sche Theorie" unbekannt und Meyl würde nicht zu Vorträgen eingeladen. Keiner würde von einem unbekannten Durchschnittsbürger ein Set kaufen, wenn dieser behauptete, er könne damit Raumernergie einfangen. Es ist der mit dieser Position verbundene Vertrauensvorschuß, der es Meyl ermöglicht so "erfolgreich" in der Szene und selbst an Hochschulen tätig zu werden.

 

Freiheit der Lehre und Forschung oder Narrenfreiheit

Diese Freiheit der Lehre und Forschung setzt eben gerade die wissenschaftliche Redlichkeit voraus. Wie bereits erwähnt, bildet sie den Rahmen, in dem sich diese Freiheit entfalten kann. Die Verdummungs-Veranstaltungen Meyls sind damit nicht gemeint.

 

Wissenschaft oder Pseudowissenschaft?

Natürlich ist die Meyl'sche "Neue Physik", vom Standpunkt eines Naturwissenschaftlers aus gesehen, keine Wissenschaft. Aber entscheidend ist, wie sie in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Darauf hatte ich bereits früher hingewiesen. Ich will hier noch ergänzen, daß die FH selbst die Meyl'schen Thesen als ernst zu nehmende Wissenschaft anerkannt hat:

 

Der Austausch mit der "Wissenschaftlichen Gemeinschaft"


Die FH wies mehrfach darauf hin, daß die Richtigkeit der "Meyl'schen Thesen" sich durch eine wissenschaftliche Diskussion mit Fachleuten erweisen müsse. Eine solche Diskussion ist nur denkbar für den mathematischen Teil, weil nur Wenige mit mathematischen Problemen vertraut sind und deshalb Meyls Thesen hier nicht so leicht als falsch erkennbar sind. Bruhn hat diese Aufgabe dankenswerter Weise auf sich genommen.
Für alle anderen Behauptungen Meyls sind solche Diskussionen nicht denkbar. Möchte die FH beispielsweise die Elite der deutschen Atomforscher nach Furtwangen einladen, um darüber zu diskutieren, ob das Elektron nicht vielleicht doch eine positive Ladung im Zentrum hat oder ob Hühner in der Lage sind, Kernfusionen zu bewerkstelligen? Welcher Wissenschaftler soll eingeladen werden, um den weichen Obelisken von Assuan zu diskutieren? Soll vielleicht ein Geologe die unstrittige Meinung erläutern, daß der Obelisk schon hart war, als er aus dem Fels gehauen wurde? Soll ein Statiker mit Berechnungen über das Fließverhalten von weichen Materialien erläutern, daß man einen Brei nicht "auf die Beine stellen" kann oder ein Biologe versuchen Meyl zu überzeugen, daß es keine Urzeugung gibt und Photosynthese nicht im Dunkeln stattfindet?

Was wäre das Resultat eines solchen Gedankenaustausches? Meyl hat gezeigt, daß er nicht zu überzeugen ist. Obwohl Bruhn bewiesen hat, daß seine "Herleitungen" falsch sind, trägt er die gleichen "Herleitungen" bei öffentlichen Veranstaltungen unberirrt weiter vor.

Vielleicht sollte man die Meyl'schen Bücher an der FH zur Pflichtlektüre für Angehörige des Lehrkörpers machen. Die ganze Absurdität des Meyl'schen Wissensgebäudes scheint der FH noch nicht bewußt zu sein.

 

Zwei Annahmen

Die FH hat sich um eine umfassende Wertung des Problems Meyl bis jetzt offensichtlich gedrückt. Sie versucht der Öffentlichkeit Meyl als eine gespaltenen Persönlichkeit zu präsentieren: Auf der einen Seite der untadelige Hochschullehrer, der seinen Lehrverpflichtungen nach den Regeln der Kunst nachkommt, lege artis also, auf der anderen Seite der Donquijote, der von einer Veranstaltung zu anderen reist und Windmühlen als fremde Heere verkauft und mit dem die FH nichts, aber auch gar nichts, zu tun hat.

Das ist eine merkwürdige, für mich völlig unverständliche Art, mit dem Problem umzugehen. Das eigentliche Problem existiert auch ohne Fehlverhaltens-Paragraph. Es wird deutlich durch die folgenden zwei Annahmen:

Annahme 1:

Meyl hat ein ganz normales Wissensfundament und einen, für seine Position und das von ihm vertretene Fachgebiet als Hochschullehrer, üblichen Kenntnisstand. Aber, aus welchen Gründen auch immer, vermittelt er seinen Studenten, Zuhörern, Teilnehmer an Seminaren etc. absichtlich falsche Wissensinhalte - er täuscht seine Zuhörer.

Es ist doch wohl keine Frage, daß ein solcher Dozent als Hochschullehrer nicht akzeptiert werden kann.

Annahme 2:

Meyl hat so weit in die Höhen seiner pseudowissenschaftlichen Sphären abgehoben, daß er jeden Kontakt zur Realität verloren hat. Er ist von dem Unsinn, den er verbreitet, aus tiefstem Herzen überzeugt. Dann kann man ihn nicht durch eine Anordnung und auch durch keine disziplinarische Maßnahme dazu bringen, dieses Wissen nicht weiterzugeben. Das wäre ein Akt seelischer Grausamkeit. Die FH müsste dann die Lehrveranstaltungen Meyls ständig überwachen, weil man ihn ja dazu zwingen müsste, gegen seine Überzeugung tätig zu werden und seinen Zuhörern "fundamentales Wissen" vorzuenthalten.

Die beiden Annahmen schließen sich nicht notwendigerweise gegenseitig aus. Ich kann kein Anzeichen dafür entdecken, daß die FH diese Situation überhaupt ernsthaft analysiert hat.

Es bleibt noch zu ergänzen, daß in einem neuen Beitrag im Dezember 2002 der Fachbereich CEE sich in einer schärferen Stellungnahme von Meyl distanziert. Die wichtigsten Passagen aus dem Text:


1. Kollege Meyl hat dem Fachbereich und der wissenschaftlichen Öffentlichkeit bis heute keinen akzeptablen Nachweis (experimentell und theoretisch) seiner Hypothesen geliefert.

2. Er entzieht sich der öffentlichen oder halböffentlichen Diskussion mit Fachleuten, keine seiner Theorien wurde bisher in anerkannten wissenschaftlichen Fachzeitschriften publiziert oder auf wissenschaftlichen Kongressen vorgestellt.

3. Die Darstellung und Publikation seiner Hypothesen findet vorwiegend vor fachfremden Publikum und in zunehmenden Maße in der Esoterikecke statt. Wir müssen uns daher von seinen Hypothesen zur Existenz von elektrischen Longitudinalwellen im freien Raum und ladungsfreien Medien nebst Folgerungen (Neutrinopower, Energetisierung des Wassers, ...) klar distanzieren, da die bisher gelieferten Begründungen falsch sind (vgl. auch Diskussionsbeiträge im Diskussionsforum). Dies begründet, warum in den Studiengängen des FB CEE diese Theorien keinen Eingang in die Lehrveranstaltungen finden dürfen. Von Investitionen in die "praktische" Nutzung dieser Hypothesen können wir nur dringend abraten.


Mit den besten Empfehlungen
Robert Hönl, Dekan CEE
Dietrich Kühlke, Prodekan CEE

So wichtig es sicher ist, daß eine solche Distanzierung endlich erfolgte, so muß man doch hinzufügen, daß sie in einem Forum erfolgte und sicher nur von Wenigen wahrgenommen wird. Die FH sollte sich dann schon wenigstens zu einer Pressemitteilung durchringen. Außerdem, warum ist das Overunity-Set immer noch nicht untersucht worden? Dann hätte man direkt darauf Bezug nehmen und beispielsweise schreiben könne: "Wir haben uns davon überzeugt, daß das Schwindel ist".

Anmerkung: Die umstrittene Vorlesung "Elektromagnetische Umweltverträglichkeit" (siehe auch Anlagen) ist in den neuen Vorlesungsplan der FH Furtwangen wieder aufgenommen worden. Plan als pfd-Datei, heruntergeladen am 23.11.02.

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