Die Meyl'sche Erdexpansion und ihre Konsequenzen

Auf Seite 14 in seinem Buch "Elektromagnetische Umweltverträglichkeit" Teil 2: Umdruck zum energietechnischen Seminar, Freie Energie und die Wechselwirkung der Neutrinos, greift Meyl eine alte These Hilgenbergs auf und berechnet, wie seiner Ansicht nach, die Erde in den letzten 200 Millionen Jahren expandiert ist: Das Volumen der Erde betrug angeblich damals 15,7% des heutigen Erdvolumens, der Erdradius 54% des heutigen Radius. Es ist sicher nicht nötig zu betonen, daß diese Annahme falsch ist. Ein kurzer Bericht über eine Kontroverse zu diesem Thema: http://www.tu-berlin.de/presse/tui/01jun/erde.htm

Auf Seite 63 teilt Meyl seinen Lesern mit, welche Schlüsse man aus diesem Wissen ziehen kann:

Möglicherweise sind mit dem Wachstum der Erde die tonnenschweren Steine und Monolithen in Verbindung zu bringen, wie sie bei prähistorischen Bauten Verwendung fanden. War zur Zeit der Erbauung die Erde kleiner, dann waren sie gar nicht so schwer wie heute!

Selbst, wenn die These richtig wäre, dann könnte ja wohl die Erdanziehung in den letzten ca. 10000 Jahren, das sind 0.005% des oben erwähnten Zeitraumes von 200 Millionen Jahren, kaum merkbar geringer gewesen sein. Auch hier wieder eine Täuschung des Lesers, denn es ist ja wohl nicht glaubhaft, daß Meyl das nicht selbst ausrechnen kann.

Dann waren die Steine auf Grund der geringeren Dichte zudem weicher und damit leichter zu bearbeiten. Dr. Wild weist auf die bautechnische Besonderheit hin, daß die kissenförmigen Steine ursprünglich weich gewesen sein müssen. Er beweist mit dem Photo von der Spitze des unfertigen Obelisken in Assuan (Tafel 13.9), daß die Bearbeitungsspuren von einem Spachtel in einer plastischen Masse herrühren.

Selbst, wenn die These von der Erdexpansion richtig wäre, gäbe es keine Grund für die Annahme, daß die Schwerkraft einen nennenswerten Einfluß auf die Dichte der Steine gehabt hätte. Der Obelisk von Assuan besteht aus Granit, einem magmatischem Gestein. Die Materialeigenschaften von solchen Gesteinen hängt in erster Linie von der Zeit ab, die sie zur Verfügung haben, um aus einer Schmelze zu erstarren. Die Moleküle müssen die geeigneten Gitterplätze finden, damit sich die Kristalle von Feldspat, Quartz und Glimmer ausbilden können. Der Erstarrungsprozess war aber längst abgeschlossen, als der Obelisk von den Ägyptern aus dem Fels gehauen wurde.

Auch hier läßt Meyl wieder die von ihm zu erwartende kritische Wertung der Literatur vermissen. Er macht sich einfach die unsinnige Behauptung Wilds zu eigen und erkennt an, daß dieser mit seinem Photo bewiesen habe, daß der Obelisk mit einem Spachtel bearbeitet worden sei. Dann müßte der Obelisk die Konsistenz von einem Pudding gehabt haben. Wie hätten die Ägypter ihn dann aufstellen sollen? Der Obelisk hat eine Länge von 42 m bei einer Basisfläche von 4,2 x 4,2 m und ein Gewicht von 1148 Tonnen.

Was erwartet Meyl von seinen Lesern? Sollen sie nun wirklich glauben, Meyl als Professor einer Hochschule hielte es für erwiesen, daß die Ägypter weiche Obelisken aufgestellt hätten, um dann mal eben ein paar tausend Jahre zu warten, bis das Material fest wird.

 

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