Kurze Beschreibung der Meyl'schen Overunity-Sets und der Versuche

 

Vorbemerkung

Detaillierte Beschreibungen, Abbildungen und Messungen mit den Sets finden sich in den weiter unten zitierten Berichten. Hier soll nur ein grober Überblick über die Anordnung und die Versuche gegeben werden die man angeblich damit durchführen kann.

Ich halte mich dabei eng an die Argumentation Meyls und, wie er, ignoriere ich hier die Tatsache, daß ein hochfrequenter Wechselstrom eine andere Betrachtungsweise erfordert. Die weiter unten zitierten Berichte der anderen Autoren berücksichtigen dies ausführlich, insbesondere der im Internet verfügbare Bericht von Weidner.

Mit dieser Beschreibung möchte ich (1) vor allem denjenigen einen Eindruck des Sets und der Meyl'schen Argumentation vermitteln, die über keine speziellen Kenntnisse auf dem Gebiet der Elektronik verfügen und (2) nachweisen, daß Meyl nicht etwa nur einen Fehler begangen hat, weil er die hochfrequenztechnischen Aspekte seiner Schaltung nicht verstanden hat, sondern, daß er mit der vereinfachten und objektiv falschen Beschreibung der Wirkungsweise seines Sets die Käufer in die Irre führt.

 

Das Demo-Set

Hier wird auf das einfachere Demoset Bezug genommen. Das Experimentier-Set enthält noch einige zusätzliche Teile.

 

 

Abb.1 Prinzipielle Schaltung des Meyl'sche Demoset mit Leuchtdioden.

 

Sender: Ein HF-Frequenzgenerator (HF=Hochfrequenz) liefert ein Sinussignal von 0.2 bis 14 MHz. Die Frequenz und die Amplitude können mit zwei Potentiometern eingestellt werden. Meyl bezeichnet diese Potentiometer als Frequenz- und Amplitudenregler. Ich behalte hier diese, an sich falsche, aber weitgehend übliche, Bezeichnung bei. Streng genommen handelt es sich hier nicht um Regler sonder Einsteller. Die HF-Spannung wird einem Lufttransformator zugeführt (Flachspulen, Koppelspule 7 Windungen, Sekundärspule 47 Windungen). Die beiden Enden der Sekundärspule sind mit einer metallisierten Kugel und einem als "Erdungsleitung" oder "Erdverbindung" bezeichneten Kabel verbunden das direkt mit dem Empfänger verbunden werden muß.

Empfänger: Er besteht aus dem gleichen Lufttransformator, die Spulen haben die selben Windungszahlen wie die entsprechenden Spulen des Senders.

Beide Koppelkreise enthalten je zwei Leuchtdioden (LEDs), angeblich als "Leistungsindikatoren". Tatsächlich kann mit ihnen nur angezeigt werden, ob die Spannung oberhalb oder unterhalb der Schwellenspannung der LEDs liegt, die von Meyl mit 2V angegeben wird.

Prinzipielle Wirkungsweise: Meyl hat seinem Set ein ausführliches Handbuch beigelegt in dem die 6 Versuche beschrieben werden, die man mit dem Set durchführen kann. Dabei beschreibt Meyl nicht, die eigentlich viel kompliziertere Übertragung der Energie vom Sender auf den Empfänger, sondern begnügt sich mit einem Vergleich der Leistung des Senders mit der des Empfängers. Ich werde mich ebenfalls auf diese Diskussion beschränken und verweise auf die ausführlichen Untersuchungen des Sets durch die weiter unten genannten Autoren.

Beim Anlegen einer Sinusspannung wird in der Sekundärspule des Senders eine Spannung induziert, die über das Kabel (und hier vernachlässigte Kapazitäten) zum Empfänger geleitet wird. In diesem wird die Spannung über den Lufttransformator dem Indikator-Stromkreis mit den LEDs zugeleitet.

In Abb.2 sind die 4 Betriebszustände des Sets wiedergegeben: Da die LEDs nur paarweise leuchten, ist hier nur jeweils eine Sender-LED (linke LED) und eine Empfänger-LED (rechte LED) abgebildet.

Beim Einschalten wird das Set, je nach Stellung der Potentiometer, vermutlich in den Zustand A übergehen. Die LEDs des Senders leuchten, wenn der Amplitudenregler hoch genug eingestellt ist. Die des Empfängers bleiben, je nach Einstellung der Frequenz zunächst dunkel. Wird beim Verstellen des Frequenzreglers eine Frequenz erreicht bei welcher der Empfänger

 

Abb. 2 Die vier Betriebszustände des Meyl'schen Sets. Die linke LED symbolisiert die beiden LEDs des Senders, die rechte die des Empfängers.

durch Resonanz mehr Energie bekommt, so werden, wenn die Spannung im Koppelkreis die Schwellenspannung der LEDs überschreitet, diese ebenfalls leuchten (Zustand B). Bei geeigneter Einstellung des Amplitudenreglers wird der Zustand C erreicht - die Spannung im Sender bricht zusammen und, wenn sie unter die Schwellenspannung der LEDs abfällt, werden diese erlöschen. Zustand D kann dadurch eingestellt werden, daß zunächst Zustand B oder C eingestellt wird und dann das Kabel unterbrochen wird.

 

Versuch 1: Drahtlose Energie-Übertragung und Nachweis von Skalarwellen

Der Frequenzgenerator wird aufgedreht, bis die LEDs des Senders leuchten, dann wird weiter aufgedreht, bis auch die LEDs des Empfängers leuchten. Dies wird als Beweis einer drahtlosen Energieübertragung gewertet.

Meyl täuscht die Käufer seiner Sets, denn die Energie-Übertragung findet nicht mehr statt, wenn das Kabel entfernt, oder durch eine richtige Erde, z.B. Verbindung mit der Zentralheizung, ersetzt wird. Die im Werbetext versprochene drahtlose Energieübertragung läßt sich mit den Sets nicht demonstrieren. In seinem Handbuch zu den Sets schreibt Meyl:

Die beim Experimentieren verwendete Erdungsleitung ist daher in erster Linie eine Erleichterung für den Bediener. Dies läßt sich sehr schnell selber feststellen, indem man eine schlechtere Verbindung z.B. über die Zentralheizung , über den Schutzkontakt des Netzes oder über einen Erdspieß im Freien ausprobiert. Dabei kann es dazu kommen, daß an einer solchen Erdung ungewollt noch andere "Empfänger" (z.B. biologische Systeme) hängen, die in Resonanz gehen und dem Sender Energie entziehen.

Es ist offensichtlich, daß Meyl nur eine Ausrede sucht, um den enttäuschten Käufern doch noch einzureden, daß das Verbindungskabel gar keines sei. Tatsächlich zeigen alle weiter unten erwähnten Untersuchungen der Meyl'schen Sets durch andere Autoren, daß über dieses Kabel ein Strom vom Sender zum Empfänger fließt. Es handelt sich eigentlich gar nicht um Sender und Empfänger im üblichen Sinne, sondern um eine komplizierte Resonanzstruktur, bei der das Kabel ein essentieller Bestandteil ist (siehe hierzu die erwähnten Berichte). Dies ist inzwischen von Meyl auch eingeräumt worden (http://www.k-meyl.de/de/Demo-Set/Stellungnahme/stellungnahme.html).

Wie kann man mit dem Set nun die Existenz von Skalarwellen beweisen? Meyl argumentiert wie folgt:

  1. Er behauptet, daß die Energie vom Sender zum Empfänger drahtlos übertragen wird - was offensichtlich falsch ist.
  2. Wenn es sich bei dieser "drahtlosen" Übertragung um normale Rundfunkwellen, sog. Hertz'sche Wellen handeln würde, müßte die übertragene Energie mit dem Quadrat des Abstandes abnehmen.
  3. Meyl verbindet Sender und Empfänger mit einem 6 m langen Kabel und zeigt, daß die Energie (leuchtende LEDs) nicht mit dem Quadrat des Abstands abnimmt.
  4. Meyls Schlußfolgerung: Es handelt sich nicht um Hertz'sche Wellen. Also kann es sich nur um Skalarwellen handeln, denn diese sollten, nach Meyl, nicht mit dem Quadrat des Abstandes abnehmen.

Natürlich ist das Unsinn, denn es handelt sich nicht um eine drahtlose Übertragung. Also kann man auch nicht darüber diskutieren, ob diese nun durch Hertz'sche Wellen oder Skalarwellen zustande kommt. Es handelt sich hier weder um Hertz'sche Wellen noch um Skalarwellen.

Versuch 2: Rückwirkung vom Empfänger auf den Sender

Meyls Originaltext aus dem Handbuch:

Erwartungen nach der Skalarwellentheorie von Konstantin Meyl
Skalarwellen hingegen breiten sich nicht gleichmäßig aus, sondern sind das Resultat einer Resonanz zwischen Sender und Empfänger. Und so wird auch nur Leistung abgezogen, wenn ein entsprechender Empfänger mit dem Sender in Resonanz geht. Das heißt, daß es eine direkte Rückwirkung vom Empfänger auf den Sender geben müßte.

Versuchsdurchführung
Nachdem man nun das Hauptmaximum gefunden hat, dreht man am Amplitudenregler die Spannung gerade so weit zurück, dass die Leuchtdioden auf der Senderspule nicht mehr leuchten, die Leuchtdioden auf der Empfängerseite jedoch aktiv bleiben. Zieht man nun das Verbindungskabel aus der Senderanordnung heraus, leuchten die auf ihr montierten Leuchtdioden wieder. Die auf der Empfängerseite montierten LEDs gehen aus.

Meyl spricht auch gern davon, daß der Sender merkt, daß der Empfänger in Resonanz ist. Natürlich merkt eine Stromquelle, wenn ihr Strom entzogen wird. Da die Verbindung mit dem Empfänger unterbrochen wird, steigt die Spannung im Sender wieder an und die LEDs leuchten wieder. Das ist trivial. Auch die Spannung an einer Taschenlampenbatterie steigt an, wenn die Lampe abgeschaltet wird. Meyl behauptet jedoch, die Leitung sei eine Erdleitung und habe mit der Stromleitung nichts zu tun. Die Energie zum Empfänger werde durch Skalarwellen drahtlos übertragen. Das ist, wie oben schon erwähnt, falsch.

Eine vereinfachte Darstellung der Zusammenhänge für Laien finden Sie hier

Man beachte, daß Meyl hier Zustand C (Sender-LEDs aus, Empfänger-LEDs an) völlig richtig interpretiert als Resultat einer Belastung des Senders durch den Empfänger. Auch das Angehen der Sender-LEDs bei Entfernen des Kabels interpretiert er richtig als einen Anstieg der Spannung durch eine Entlastung des Senderkreises weil der Empfänger nicht mehr mit Strom versorgt wird. Beim nächsten Versuch mit der gleichen Anordnung behauptet Meyl das Gegenteil.

Versuch 3: Nachweis freier Energie bzw. Overunity mit LEDs

Versuch 2 und Versuch 3 sind völlig identisch, es werden nur die entgegengesetzten Schlüsse gezogen. Meyl versucht jetzt den Käufern seiner Sets und den Teilnehmern an seinen Seminaren einzureden, der Grund für das Ausgehen der LEDs sei diesmal eine geringere Leistung des Senders im Vergleich mit der des Empfängers.

Meyls Originaltext aus dem Handbuch:

Versuchsaufbau und Versuchsdurchführung
Die Übertragungsstrecke wird eingestellt, wie in Versuch 2 beschrieben. Die LED an der Senderspule sollen aus sein, während die an der Empfängerspule leuchten sollen. Dazu bitte erst Resonanzfrequenz suchen (Empfänger leuchtet) und dann die Amplitude entsprechend reduzieren.

Versuchsauswertung
Auf der Empfängerseite werden Werte über der Schwellenspannung der LED von 2V erreicht, weshalb diese leuchten, während die Sender-LEDs ausgehen, die Spannung demnach unter 2V liegen muß. Die Belastung durch die LED ist in beiden Fällen identisch, so dass die höhere Spannung zwingend zu einem höheren Strom und höheren Leistung führt. Das heißt, es wird mehr Leistung empfangen als der Sender abgibt.

Das ist natürlich Unsinn! Die Belastung ist eben nicht in beiden Fällen identisch. Denn (1) sind LEDs keine linearen Bauelemente, ihr Widerstand hängt von der Spannung ab. Im Falle der erloschenen LEDs im Sender wäre der Widerstand der LEDs praktisch unendlich und (2) sind die LEDs nicht die eigentliche Last des Senders. Wie schon erwähnt, wird Leistung über den Lufttransformator durch das Kabel (die angebliche Erdungsleitung) zum Empfänger abgezogen. Die Belastung durch die LEDs spielt nur eine untergeordnete Rolle.

Während im letzten Versuch das Angehen der LEDs als ein Leistungsabfall gewertet wurde, wird hier das Ausgehen der LEDs als Leistungsabfall gewertet (Siehe Abb.3.).

 

Versuch 2:

Sender-LEDs gehen aus bedeutet:
Leistung des Sender ist hoch
deshalb sinkt die Spannung unter die LED-Schwelle.

Beweist, daß Empfänger Energie vom Sender abzieht.

Versuch 3:

Sender-LEDs gehen aus bedeutet:
Spannung im Sender niedrig, unter der LED-Schwelle, deshalb:
Leistung des Senders niedrig, sogar niedriger als die des Empfängers.

Beweis für Overunity

Abb. 3 Hier sind die beiden widersprechenden Erklärungen für den gleichen Betriebszustand des Sets noch einmal gegenübergestellt.

 

Man kann wohl annehmen, daß die Käufer seiner Sets, diese deshalb gekauft haben, weil sie in dem Glauben waren, man könne mit ihnen tatsächlich Overunity, also "Raumenergie" nachweisen. Wenn sie bei Versuch 3 angelangt sind, haben sie nun die Wahl, entweder Versuch 2 oder Versuch 3 für schlüssig zu halten. Meyl muß die Käufer seiner Sets für sehr einfältig halten, wenn er ihnen solch leicht erkennbaren Unsinn zumutet.

Versuch 3a: Nachweis freier Energie bzw. Overunity mit DC-Messung

Für "Privatforscher" und Lehrer an Schulen hat Meyl sich etwas ganz besonderes ausgedacht: Sie dürfen die Over-Unity mit dem Multimeter messen. Dazu hat Meyl auf seinen Platinen Anschlüsse vorgesehen. Hier kann ein aus 4 Dioden bestehender Gleichrichter anstelle der LEDs angeschlossen werden, dessen Ausgänge mit einem 100 Ohm-Widerstand belastet werden. Die Spannung wird mit zwei Kondensatoren geglättet.

Auszüge aus dem Originaltext des Handbuchs:

Der Lastwiderstand von 100 Ohm befindet sich bereits auf der Platine, so dass die umgesetzte Leistung aus U2/100 Ohm über die Spannungsmessung auf direktem Weg erfolgen kann. Typische Spannungswerte sind über 400 mV auf der Empfängerseite, während die Werte auf der Senderseite zur gleichen Zeit unter 100 mV liegen.

Ist bei dieser vereinfachten Messung die DC-Spannung am Empfänger höher als die am Sender bereitgestellte Spannung, dann wird ein sogenannter Overunity-Effekt vorliegen, dann ist der Wirkungsgrad über 100%. Eine Erhöhung der Spannung um den Faktor 1.4 bedeutet bereits eine Verdoppelung der Leistung, da auch das Verhältnis der Spannung quadratisch in das der Leistung eingeht.

Schlußfolgerung:
Der Sender moduliert das ihn umgebende Feld. Der Empfänger nimmt im Resonanzfall neben der gesendeten Leistung noch Skalarwellen aus der Umgebung auf. Die Überstragungsstrecke beweist die Existenz von freier Energie.

Ich muß gestehen, ich habe die Sätze mehrmals lesen müssen, um mich zu vergewissern, daß ein Professor einer Fachhochschule, dessen Spezialgebiet Leistungs-Elektronik ist, vorschlägt, auf eine solch dilettantische Weise eine Leistung zu messen. Natürlich geht das nicht, denn:

  1. Wie jeder Hobby-Elektroniker weiß, kann man kleine Wechselspannungen nicht messen, indem man sie mit Dioden gleichrichtet, weil auf diese Weise nur solche Spannungsanteile gemessen werden, welche die Schwellenspannung der Dioden übersteigen. Der von Meyl verwendete Dioden-Typ 1N4148 ist für diese Zwecke besonders ungeeignet. Würde der Effektivwert der Wechselspannung (dieser ist der, für die Berechnung der Leistung relevante Wert) tatsächlich, wie Meyl angibt, 100 mV betragen, so könnte man mit der Gleichrichterschaltung überhaupt nichts messen, weil in diesem Fall auch der Maximalwert der Wechselspannung weit unterhalb der Schwellenspannung der verwendeten Dioden läge.
  2. Selbst, wenn die Spannungsmessung einigermaßen zuverlässig wäre, so könnte damit nicht auf die Leistung geschlossen werden, denn sie hängt, wie oben schon erwähnt, von dem Strom ab, der in dem Kreis fließt und dieser wiederum vom Stromverbrauch des als Empfänger bezeichneten Schaltungsteils.

Ausführlichere Diskussion der Gleichrichterschaltung .

So wundert es denn auch nicht, daß Meyl "typische Spannungswerte" von 100 bis 400 mV (Gleichspannung) anführt, obwohl er doch vorher die Schwellenspannung der Leuchtdioden mit 2 V (Wechselspannung) angegeben hatte.

Wären die erwähnten "typischen Spannungswerte" reale Werte, dann würden die LEDs niemals aufleuchten. Bei geeigneter Dimensionierung der Bauteile und entsprechender Wahl der Einstellungen kann man sicher erreichen, daß die Spannung im Sender unter die Schwellenspannung der Dioden fällt und eine Spannung von 0 V gemessen wird. Dann wäre der ermittelte Oberunity-Faktor unendlich. Vielleicht ein Vorschlag für das nächste Set.

Es ist offensichtlich, daß durch diesen faulen Trick höhere Overunity-Werte "gemessen" werden als bei einer korrekten Messung der Spannung, wobei natürlich auch diese Werte aus den dargestellten Gründen falsch wären. Berechnet man die Leistung mit den oben von Meyl als typisch bezeichneten Spannungswerten, erhält man folgende Leistungswerte:

Sender: 0,1 mW
Empfänger: 1,6 mW
Wirkungsgrad = 1600, also Overunity-Faktor = 16

Damit hätte Meyl sich selbst übertroffen, denn auf seiner Werbe-Seite im Internet und anderen Texten spricht er von einem Overunity-Faktor von maximal 10. Warum erwähnt er hier den höheren Overunity-Faktor nicht? Ist ihm der vielleicht selbst unheimlich?

Nachweis von freier Energie bzw. Overunity mit dem Oszilloskop

Für Spezialisten hat Meyl noch einen High-Tech-Nachweis des Overunity-Faktors. Diesmal nicht nur tendenziell, sondern ganz präzise - mit dem Digital-Oszilloskop. Dieser Versuch ist kein Versuchsvorschlag für die Käufer seiner Sets, sondern eine Ergänzung im Text des mit den Sets gelieferten Handbuchs.

Meyls Originaltext aus seinem Handbuch unter dem vielversprechenden Titel: Ringen nach Messtechnischer Erkenntnis im Transferzentrum:

Zum guten Schluß haben wir den Wirkungsgrad der Skalarwellen-Übertragungstrecke ermittelt. Bei einer Belastung des Empfängers mit einem 100 Ohm-Widerstand ergab sich aus Strom- und Spannungsmessungen eine Ausgangsleistung von 49 mW. Gleichzeitig betrug die vom Sender aufgenommene Leistung 233 mW. Ziehen wir aber davon die eigenverbrauchte Leerlaufleistung des Senders ab, und die wurde bei abgeschaltetem Empfänger zu 223 mW festgestellt, dann stehen eigentlich nur 10 mW für die drahtlose Energieübertragung bereit. Der Wirkungsgrad wäre demnach 490%!

Um Mißverständnissen vorzubeugen: abgeschalteter Empfänger bedeutet: die sogenannte "Erdleitung" wurde, wie bei Versuch 2, vom Sender getrennt. Die Resonanzstruktur ist dann eine andere und hat natürlich einen anderen Stromverbrauch. Einzelheiten finden sie in den nachfolgend angeführten Entgegenhaltungen von Waser, Naunin und Weidner.

Hier möchte ich nur darauf hinweisen, daß Meyl doch in Versuch 3 unter den gleichen "Overunity-Bedingungen" behauptet hatte, daß das Ausgehen der LEDs auf der Senderseite den Schluß zuließe, daß die Empfängerleistung höher sei als die Senderleistung. Auch im Versuch 3a, bei der DC-Messung der Overunity wurde der selbe Schluß gezogen, indem bei dem Betriebszustand C des Systems die Leistung des Senders mit der des Empfängers verglichen wurde. Nun erfahren wir, daß das alles falsch war und die Senderleistung unter allen Betriebsbedingungen wesentlich höher ist als die Empfängerleistung. Bei Betriebszustand C des Overunity-Versuches 3 und 3a mißt Meyl nun merkwürdigerweise eine Senderleistung, die ca. 5 mal so hoch ist (233mW) wie die Empfängerleistung (49mW). Außerdem teilt Meyl uns mal eben mit, daß der Overunity-Faktor nur gemessen werden könne, wenn man die Leistung des Senders einmal bei angehängtem und einmal bei abgehängtem Empfänger mißt. Bei Versuch 3a war das nicht erforderlich und Meyl hatte uns dort wissen lassen, daß wir bei dem gleichen Betriebszustand des Systems typischerweise mit 400 mV beim Empfänger und 100 mV beim Sender rechnen können und eine Formel angegeben, mit der man aus diesen Spannungen die beiden Leistungen berechnen könne.

Die folgende Tabelle gibt die Messwerte wieder, die für den gleichen Versuch, (mit Ausnahme der Kabelabtrennung im zweiten Teil des Oszilloskop-Versuches, der auch gesondert betrachtet wird) mit drei verschiedenen, von Meyl selbst vorgeschlagenen Indikations- bzw. Messmethoden ermittelt wurden. Die eingesetzten Messwerte sind die, welche Meyl in seinem Handbuch selbst als typische Werte bezeichnet.

  Versuch 3 Versuch 3a Oszilloskop-Versuch
  Overunity 1 Overunity 2 Overunity 3
Sender-Empfänger-
Kabel angeschlossen
Empfänger-LEDs an
Sender-LEDs aus
DC-Messung.
Sender: 100mV
Empfänger: 400mV
Berechnung:
Senderleistung:
0,1 mW
Empfängerleistung:
1,6mW
Senderleistung:
233 mW

Empfängerleistung:
49 mW

Schlußfolgerung Senderleistung kleiner
als Empfängerleistung
Senderleistung kleiner als Empfängerleistung Senderleistung größer als Empfängerleistung
Kabel abgetrennt     Senderleistung 223 mW
Overunity-Faktor-A Ja, nur qualitativ 16 4,9
Wirkungsgrad-A > 100% 1600% 490%
Overunity-Faktor-B 0,21 0,21 0,21
Wirkungsgrad-B 21% 21% 21%

Tabelle 1: Zusammenfassung der Overunity-Experimente bei gleichen Betriebszuständen des Sets.

Overunity-Faktor-A und Wirkungsgrad-A: Hier wurden die Werte eingesetzt, die von Meyl für den jeweiligen Versuch als typisch angeführt werden.
Overunity-Faktor-B und Wirkungsgrad-B: Hier wurden die Werte, die von Meyl als Resultat des Oszillokop-Versuches angegeben werden, auf die anderen Versuche übertragen. Die Versuchsbedingungen, also die Einstellungen der Potentiometer, sind für alle Versuche dieselben.

 

Meyl erwähnt zwar in dem Text zu Versuch 4, daß eine einfache DC-Messung die HF-Messung nicht ersetzen könne, Meyl weiter: "...aber für eine Tendenzanzeige taugt sie allemal". Das ist eine Täuschung, ein Fehler um den Faktor 2000 und eine Messung, die das Leistungsverhältnis von Sender und Empfänger umgekehrt darstellt, kann man wohl nicht einmal als Tendenzanzeige bezeichnen.

 

Versuche 4-6:

Versuch 4: Überlichtgeschwindigkeit
Mit diesem Versuch will Meyl nachweisen, daß die von ihm postulierten Skalarwellen sich mit Überlichtgeschwindigkeit ausbreiten. Da mit dem Set keine Skalarwellen nachgewiesen werden können, kann natürlich auch ihre Geschwindigkeit nicht gemessen werden.

Versuch 5: Unwirksamer Faraday-Käfig
Hier wird der Sender in den mitgelieferten Metallkoffer gesteckt, das Kabel durch die Kofferwand geführt und mit dem Empfänger verbunden. Aus der Beobachtung, daß die LEDs beim Empfänger auch unter diesen Bedingungen leuchten, schließt Meyl, daß es sich nicht um Hertz'sche Wellen handeln könne. Der Versuch hat aber zur Voraussetzung, daß es sich um echte Sender und Empfänger handelt, und die Energie drahtlos übertragen wird. Das ist, wie oben erwähnt, nicht der Fall. Deshalb ist dieser Versuch unsinnig.

Versuch 6: Widerlegung der Nahfeldinterpretation
Mit diesem Versuch will Meyl nachweisen, daß die Energieübertragung nicht nur im Nahfeld des Senders funktioniert. Dazu wird das Kabel entsprechend verlängert und gezeigt, daß die Empfänger-LEDs auch noch leuchten, wenn der Nahbereich bei der eingestellten Wellenlänge überschritten wird. Natürlich ist auch dieser Versuch nur aussagekräftig, wenn es sich um eine drahtlose Übertragung handeln würde. Das ist bekanntlich nicht der Fall.


 

Man versetzte sich einmal in die Situation eines Käufers der Meyl'schen Sets, eines Privatforschers, um Meyls Bezeichnung zu benutzen, der erwartungsvoll sein Experimentierset aufgebaut hat und nun das Gefühl hat, an einer epochemachenden Entdeckung teilzuhaben. Bei Durchführung des ersten Versuches mag er beim Aufleuchten der Empfänger-LEDs noch freudigen Herzens überzeugt sein, daß er jetzt wirklich Skalarwellen nachgewiesen hat. Bei dem Aufleuchten der Sender-LEDs bei Abtrennung des Kabels in Versuch 2 wird sich seine Begeisterung sicher in Grenzen halten. Bei Versuch 3, wenn er nun den Versuch 2 uminterpretieren soll, hat er zwei Möglichkeiten (a) Er hat nun kapiert, daß er aufs Kreuz gelegt wurde, oder (b) er zweifelt an seinem eigenen Verstand, weil er darauf vertraut, daß Meyl, als Professor einer Hochschule, sicher weiß, wovon er spricht und sieht sich nun im Besitz elitären Wissens. So richtig glücklich macht ihn dann möglicherweise die Messung mit dem Multimeter und die Bestimmung des Overunity-Faktors.

Wenn er bei seinem Studium des Meyl'schen Begleitbuches auf Seite 189 angekommen ist, muß er zu dem Schluß kommen, daß seine Overunity-Versuche zu falschen Ergebnissen geführt haben und der eigentliche Nachweis der "wirklichen" Overunity Meyl in seinem High-Tech-Labor vorbehalten bleibt. Wenn er sich jetzt in Meyls Homepage einklickt und Meyls Stellungnahme zu Naunins Entgegenhaltungen liest (siehe weiter unten), wird er von Meyl darüber belehrt, daß das Kabel keine Erdverbindung ist, sondern Teil eines Schwingkreises und ein Strom durch dieses Kabel fließt. Ferner erfährt er bei dieser Gelegenheit, daß es offensichtlich noch niemandem gelungen ist, Skalarwellen nachzuweisen. So richtig beglücken wird ihn vermutlich Meyls trostspendender Satz, mit dem er seinen Privatforscher wissen läßt, daß die Versuche, die er mit dem Set nicht durchführen konnte, ohnehin nur eine geringe Bedeutung gehabt hätten.

Auszüge aus Meyls Originaltext in
http://www.k-meyl.de/de/Demo-Set/Stellungnahme/stellungnahme.html

Dieses Kabel ist Teil des Schwingkreises bestehend aus den Kapazitäten der Kugelelektroden und den Induktivitäten der Teslaspulen. Der im Kabel fließende HF-Strom ist ein Abbild der gestreuten und über die Kugeln abgestrahlten HF.

Sollte mit meinem Koffer irgendwo auf der Welt der Nachweis von Raumenergie aus dem Feld geglückt sein, so ist dies ein eindeutiger Beweis für deren Existenz. Sollte der Effekt in einem anderen Labor hingegen nicht aufgetreten sein, so beweist das gar nichts.

Wer tiefer in die Skalarwellenproblematik einsteigt, wird sehr schnell feststellen, wie gering doch die Bedeutung der Frage ist, ob der Nachbau zum Nachweis freier Energie nun tauglich sei oder auch nicht!

 

 

Fazit

Keiner von den Versuchen, die Meyl in seinem Werbetext ankündigt, kann mit den Sets durchgeführt werden:

Man beachte, daß Meyl die Messungen mit dem Digital-Oszilloskop nach eigenen Angaben schon am 12.10.1999 durchgeführt hatte und daß er diese Messungen für die zuverlässigsten Werte hielt (Handbuch zu den Sets Teil 2. S. 189). Da Meyl offenbar der Meinung war, daß das nun der richtige Versuch zur Messung der Overunity sei, hätte er die Sets überhaupt nicht vermarkten dürfen, denn er wußte ja zu diesem Zeitpunkt schon, daß die Versuchsergebnisse mit den LED-Anzeigen und den DC-Messungen falsch sein mußten. Dennoch hat er die Sets mit den irreführenden Versuchsvorschlägen auf den Markt gebracht. Daß auch diese Messungen falsch waren, weil sie dilettantisch durchgeführt wurden, ist den Berichten von Waser, Naunin und Weidner zu entnehmen. Hier handelt es sich ganz offensichtlich um eine Irreführung der potentiellen Käufer seiner Sets.

Die dilettantischen Versuchsbeschreibungen Meyls in seinem Handbuch begründen die Vermutung, daß Meyl nicht in der Lage ist, die Leistung eines einfachen Stromkreises fachgerecht zu messen. Das ist erstaunlich, denn sein Fachgebiet ist Leistungselektronik. Seine fachliche Kompetenz muß in Zweifel gezogen werden.

 

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