Sehr geehrter Herr Professor Voß,

ich wende mich an Sie, mit einer Beschwerde über einen Fernsehbeitrag des Senders 3sat. Der Intendant des ZDF, Herr Schächter, hat mir in einem Schreiben mitgeteilt, dass es sich bei der zu beanstanden Sendung um eine Zulieferung des SWR handele. Ich hatte Sie bereits am 06.06.06 in einer E-Mail von dem Vorfall unterrichtet, ohne eine Antwort zu erhalten.

Ich fasse kurz zusammen:

Der Beitrag "Nanopartikelanalyse" des Wissenschaftsmagazins "nano" vom 22.02.06  ist  eine verdeckte und irreführende Werbesendung für eine Organisation, die gegründet wurde, um Patienten irrezuführen und mit völlig nutzlosen Schein-Diagnosen abzuzocken.

Die Fakten:
  • In der Sendung wird die Behauptung aufgestellt, mit Hilfe einer neuen, als "Nanopartikelanalyse" bezeichneten Diagnosemethode sei es möglich sämtliche Substanzen im Blut in "Nanopartikel" umzuwandeln und so ihre Konzentration zu messen. Auf diese Weise seien, so wird weiter behauptet, auch geringste Veränderungen im Stoffwechsel erkennbar und Krankheiten diagnostizierbar. Das ist falsch!
  • In dem Beitrag werden mehrfach kristalline Strukturen gezeigt und der Eindruck erweckt, es handele sich um Nanopartikel. Das ist eine Irreführung! Es handelt sich hier um auskristallisierte Lösungen von normalen Salzen. Nanopartikel sind nur im Elektronenmikroskop sichtbar.
  • Das Biomedizinische Institut Bingen (BMIB) ist nicht, wie in der Sendung dargestellt ein "Forschungsinstitut", sondern eine Firma die gegründet wurde um ahnungslose Patienten auszubeuten. Das BMIB vermarktet eine Diagnosemethode, die es nicht gibt und auch aus  theoretischen Gründen nicht geben kann. Die Befunde sind frei erfunden.
  • Die Firma hat sich eine Organisation von mehr als hundert ihr zuarbeitenden Ärzten und Heilpraktikern aufgebaut, aus der alle Beteiligten finanziellen Nutzen ziehen, zum Schaden der auf sie vertrauenden Patienten, die eine privat abzurechnende Scheindiagnose ohne jeden Nutzen erhalten.
  • Besonders verwerflich ist die Tatsache, dass sich der Schwerpunkt der Tätigkeit dieser Organisation auf Kinder mit der neurologisch bedingten Krankheit AD(H)S (Zappelphilipkrankheit) konzentriert, für die es noch keine befriedigende Behandlungsmethode gibt. Die oft verzweifelten Eltern dieser Kinder setzen ihre Hoffnung auf jedes noch so abwegige Therapieangebot und sind bereit, auch erhebliche private Kosten in Kauf zu nehmen.
  • Die in einer "Therapeutenliste" der beiden Firmen (BMIB und Evomed, siehe unten) angeführten Ärzte und Heilpraktiker werden als AD(H)S-Spezialisten bezeichnet, obwohl sie diese Ausbildung und Befähigung nicht haben und die von ihnen vorgeschlagenen Therapien den Kindern nicht helfen können.
  • Liegt das Ergebnis dieser angeblichen "Nanopartikelanalyse" den Ärzten als "Befund" vor, empfehlen diese weitere kostentreibende Diagnosen, beispielsweise einen Imunpro-Test der Firma Evomed, bei dem, wie die Firma schreibt, IgG-Antikörper gemessen werden. Völlig nutzlos für diese Krankheit.
  • Den Eltern dieser Kinder entstehen durch diesen Schwindel erhebliche Kosten für die angeblichen Diagnosen. In dem folgenden Kostenbeispiel (Beträge gerundet) sind die Kosten für eine Therapie noch nicht berücksichtigt:
BMIB-Rechnung:      etwa     EUR        200.-
Arztrechnung:            etwa    EUR        100.-
Imunpro-Test             etwa    EUR        400.-
·   
  • Das öffentlich-rechtliche Fernsehen hat es übernommen ausgerechnet in einem "Wissenschaftsmagazin" für diese Firma Vermarktungshilfe zu leisten und die  "Nanopartikelanalyse" landesweit bekannt zumachen. Ein Link auf der nano-Webseite zu dieser Sendung führt direkt auf die Homepage dieser Firma.
  • Die Irreführung der Zuschauer konnte nur unter aktiver Mitarbeit der Redakteurin, Frau Wengel, die diese Sendung produziert hat, geschehen. Sie hat kristallisierende Salzlösungen gefilmt und die Kristalle als Nanopartikel dargestellt. Frau Wengel ist Biologin, Sie musste die Zusammenhänge kennen. Es kann deshalb ausgeschlossen werden, dass sie selbst getäuscht wurde
  • Die Formulierung, die Sendung sei eine "Verdummung" des Zuschauers, trifft für diese Sendung uneingeschränkt zu.
Selbst als Werbesendung ist dieser Beitrag ein klarer Verstoß gegen das

Gesetz über die Werbung auf dem Gebiete des Heilwesens, § 3

Unzulässig ist eine irreführende Werbung. Eine Irreführung liegt insbesondere
dann vor,
1. wenn Arzneimitteln, Verfahren, Behandlungen, Gegenständen
oder anderen Mitteln eine therapeutische Wirksamkeit oder
Wirkung beigelegt werden, die sie nicht haben,
3. wenn unwahre oder zur Täuschung geeignete Angaben
a) über die Zusammensetzung oder Beschaffenheit von Arzneimitteln,
Gegenständen oder anderen Mitteln oder über
die Art und Weise der Verfahren oder Behandlungen oder
b) über die Person, Vorbildung, Befähigung oder Erfolge des
Herstellers, Erfinders oder der für sie tätigen oder tätig werdenden
Personen gemacht werden.

Ich beziehe mich ferner auf §6 des Staatsvertrags des SWR (Programmgrundsätze):

(3) Alle Beiträge für Informationssendungen (Nachrichten, Berichte und Magazine) sind gewissenhaft zu recherchieren; sie müssen wahrheitsgetreu und sachlich sein.

Es besteht kein Zweifel daran, dass der erwähnte Fernsehbeitrag in eklatanter Weise gegen diesen Paragraphen des Staatsvertrages verstößt. Es handelt sich hier nicht nur um eine oder einige Aussagen des Beitrags, die zu beanstanden sind, alle wesentlichen Aussagen  dieses Beitrag sind falsch., auch die auf der erwähnten Webseite des Senders.

Mit meiner am 05.04.06 veröffentlichten Webseite habe ich gezeigt, dass es diese angebliche Vollblut-Diagnosemethode "Nanopartikelanalyse" nicht gibt und auch aus theoretischen Gründen nicht geben kann.

www.xy44.de/tv/nano

Als Reaktion auf meine Webseite hat die Firma BMIB folgende Änderungen auf ihrer Webseite vorgenommen:
  • Die "Therapeutenliste" wurde bereits innerhalb der ersten 2 Stunden nach der Veröffentlichung meiner Webseite entfernt.
  • Jeder Hinweis auf eine elektronenmikroskopische Untersuchung der Blutproben wurde ebenfalls entfernt. Die angebliche "Nanopartikelanalyse" ist jetzt nur noch eine Analyse ohne Nanopartikel.
  • Hinweise auf Universitäten und Forschungsinstitute als Partner wurden entfernt.
In einer  E-Mail, an die Redaktion von 3Sat, habe ich mich am 05.04.06 über diese Sendung beschwert und darum gebeten "zu veranlassen, dass diese Fehlinformationen berichtigt werden und sich der Sender bei den Zuschauern für die irreführende Sendung entschuldigt." Ich hatte damals noch vermutet, der Redaktion sei eine Schlamperei unterlaufen und sie würde sicher alles daran setzen, diesen Fehler so schnell wie möglich wieder gut zu machen.

Als Antwort auf meine Beschwerde habe ich lediglich am 07.04.06 eine E-Mail von Frau Lenz-Stamm aus der 3sat-Redaktion erhalten, in der sie mir mitteilte, man werde den Sachverhalt prüfen und sich wieder bei mir melden. Eine Richtigstellung erfolgte nicht.

Fernsehzuschauer, die durch meine Kritik an der Sendung irritiert waren und sich an die nano-Redaktion mit der Bitte um eine Stellungnahme gewandt haben, erhielten von Frau Arens (nano-Redaktion) eine E-Mail in der darauf verwiesen wurde, dass die Autorin der Sendung an einer Stellungnahme zu meiner Webseite arbeite.

Die nano-Redaktion hat diese Stellungnahme, vermutlich von Frau Wengel erstellt, am 12.05.06, als E-Mail an die Anfragenden verteilt. In dieser Stellungnahme wird trotz meiner Einwände, an der Richtigkeit des ausgestrahlten Beitrages festgehalten und versucht, durch offensichtlich unwahre Behauptungen die irritierten Zuschauer "bei der Stange zu halten". Die Stellungnahme der nano-Redaktion mit meinen Anmerkungen finden Sie unter:

http://www.xy44.de/tv/nano/3satstellung.html

und als Anlage zu der diesem Schreiben beiliegenden Dokumentation.

Am 14.05.06 unterrichtete ich den Intendaten des federführenden Senders, Herrn Schächter,  über diesen Vorfall. Mit Schreiben vom 31.05.06 teile mir Herr Schächter mit, dass es sich bei diesem Beitrag um eine Zulieferung des SWR handele und er aus diesem Grunde mein Schreiben an die zuständige ARD-Koordination 3sat weitergeleitet habe. Von dem Leiter dieser Koordination Herrn Dr. Rupps erhielt ich ein Schreiben vom 19.06.06, indem er mir mitteilte:

"Sie haben mit der Redaktionsleitung von "nano" über diesen Beitrag eine ausführliche Korrespondenz geführt. Die Kollegin und der Kollege setzen sich mit Ihrer Kritik ausführlich und konstruktiv auseinander. Ich kann und möchte dieser Entgegnung in der Sache nichts hinzufügen"

Herr Dr. Rupps schreibt die Unwahrheit. Ich habe von der nano-Redaktion ein einziges Schreiben erhalten, die oben erwähnte E-Mail von Frau Lenz-Stamm, in der sie mir mitteilte, dass man meine Kritik prüfen werde. 

Ich nehme an, dass Herr Dr. Rupps mit "Entgegnung" die bereits erwähnte Stellungnahme meint, die von Frau Arens an interessierte Fernsehzuschauer versandt hat und die mir eher zufällig von einer Interessentin zugeschickt wurde. Die Formulierung lässt den Schuss zu, dass er diese Stellungnahme billigt. Das lässt nur zwei Interpretationen zu. Entweder kennt er den Sachverhalt überhaupt nicht oder er spielt das üble Spiel mit und unterstützt selbst die irreführende Werbesendung für eine Schwindelfirma.

Herr Dr. Rupps Schreiben lässt erkennen, dass er meine Beschwerde nicht "mag".
Bedeutet das, dass die Entscheidung darüber, ob sie geprüft und meiner Forderung nach Richtigstellung entsprochen wird, davon abhängt, ob ein Ressortleiter des öffentlich-rechtlichen Fernsehens meine Beschwerde nun mag oder nicht. Hat Nichtmögen Untätigkeit zur Folge?

Ich möchte Sie dringend bitten, meine Vorwürfe ernsthaft und unvoreingenommen zu prüfen und zu veranlassen, dass
  • der Sender umgehend eine Richtigstellung bringt und zwar in einer Form, die mit großer Wahrscheinlichkeit, die meisten Zuschauer der beanstandeten nano-Sendung erreicht, d.h. es genügt nicht, einen Widerruf nur in diesem Magazin zu bringen, denn es wird nur wenige Zuschauer geben, die diese Sendung, die nach Mitternacht ausgestrahlt wird, regelmäßig sehen.
  • der Sender umgehend auf seiner Webseite über diese Sendung in auffallender Form einen Warnhinweis einfügt, der die Interessenten unmissverständlich darauf hinweist, dass der Inhalt der Sendung falsch ist.
Eile ist geboten, weil sich der sensationelle Inhalt dieser Sendung herumspricht und auch von einigen Printmedien aufgegriffen und weiter verbreitet wurde.    

Darüber hinaus ist es dringend erforderlich, zu untersuchen, wie es passieren konnte, dass
  • dieser Beitrag ausgerechnet in einem Wissenschaftsmagazin gesendet wurde,
  • die verantwortliche Redaktion nicht bereit war, auf meine Beschwerde sofort zu reagieren und eine Richtigstellung zu senden,
  • selbst nach meiner Kritik, die Redaktion noch weiterhin durch Verbreitung unwahrer Behauptungen versucht hat, irritierte Zuschauer "bei der Stange" zu halten, im Interesse der Firma BMIB für die diese Werbung ausgestrahlt wurde,
  • nun auch noch die "Koordination 3sat", diese Intention unterstützt.
Ich möchte unterstreichen, dass meine Kritik an der Methode so allgemeinverständlich ist, dass sicher jeder, der einen normalen naturwissenschaftlichen Unterricht in der Schule erhalten hat, meiner Argumentation folgen kann. Ein besonderes Fachwissen ist nicht erforderlich.

Als Außenstehender fällt es mir schwer, mir eine Vorstellung davon zu machen, welche Vorgänge in einer Redaktion des öffentlich-rechtlichen Fernsehens ablaufen. Mangels genauerer Informationen kommen für mich nur drei Szenarien in Betracht:

  1. Die gesamte Redaktion und auch die Koordination ist völlig inkompetent. Das kann ich mir nicht vorstellen.
  2. Eine inkompetente Person an der Spitze einer hierarchisch strukturierten Redaktion kontrolliert  alle Aktivitäten dieser Gruppe.
  3. Die Redaktion ist bestochen oder genießt andere geldwerte Vorteile aus ihrem Verhalten.
Eine Untersuchung sollte sorgfältig durchgeführt werden, von unbeteiligten Personen, am besten von externen Beauftragten. Ich vermute, dass durch eine kompetente Untersuchung dieses Falles Erkenntnisse über Zusammenhänge gewonnen werden können, die auch, vielleicht weniger auffällig, in anderen Redaktion und Arbeitsgruppen wirksam sind, nicht nur im öffentlich-rechtlichem Fernsehen. Werden solche Zusammenhänge bewusst gemacht und öffentlich problematisiert, kann man ihnen auch entgegenwirken.

Ich bitte Sie, sich zunächst selbst über die Haltbarkeit meiner Vorwürfe zu informieren, bevor Sie andere Schritte unternehmen. Das ist sehr einfach, weil die Behauptungen der Firma BMIB so absurd sind, dass jeder qualifizierte Mediziner in der Lage sein sollte, dazu kompetent Stellung zu nehmen.  Die erforderlichen Informationen finden Sie auf meiner Webseite:

www.xy44.de/tv/nano.

Der Staatsvertrag über den Südwestrundfunk (§13, Organe) legt fest:

(4) Die Mitglieder des Rundfunkrates und des Verwaltungsrates haben bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben die Interessen der Allgemeinheit zu vertreten. Sie sind in ihrer Amtsführung an Aufträge oder Weisungen nicht gebunden.

Es besteht für mich kein Zweifel, dass ich in dieser Angelegenheit die Interessen der Allgemeinheit vertrete und die Rundfunk- bzw. Fernsehräte die Gremien sind, die meine, bzw. die Interessen der Allgemeinheit  gegenüber dem Sender zu vertreten haben. Ich bitte Sie, mir eine Liste zuzuschicken, aus der ich nicht nur die Namen meiner Vertreter, sondern auch ihre Anschrift und sonstigen Funktionen entnehmen kann, die es mir ermöglichen, mit ihnen in Verbindung zu treten. Auf den diesbezüglichen Webseiten des SWR kann ich mir nur die Fotos der Räte ansehen, aber außer ihrem Namen keine weiteren Informationen entnehmen.

Ich bitte Sie außerdem, dieses Schreiben an alle Fernsehräte weiter zu leiten. Um Ihnen das zu erleichtern, habe ich dieses Schreiben und die Anlagen als zwei Files auf die CD (siehe unten) kopiert. Sie brauchen also nur die zwei Files "Beschwerde.pdf" und "Dokumentation.pdf" im Ordner "Doku" an die Räte zu senden. Sollten dem Gründe entgegenstehen, die ich nicht erkennen kann, bitte ich um eine entsprechende Nachricht.

Als Anlagen erhalten Sie u.a. eine CD mit der nano-Sendung (etwa 7 min.) und den erwähnten pdf-Files für die Räte, sowie einen Text, in dem ich den ganzen Vorgang noch einmal ausführlicher dargelegt habe. Dieser Text ist noch unfertig, und soll, nach Überarbeitung, als Information für die Presse dienen. Als Anlagen dieser Dokumentation finden Sie auch die "Gegendarstellung" der nano-Redaktion und meine Anmerkungen dazu.


Mit freundlichen Grüßen

Klaus Keck